Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Bahn

Uniform als Fahrkarte

Seit einem Jahr können Polizisten jeden Zug im Land gratis nutzen. Mehr Sicherheit ist das Ziel. Nicht selten müssen privat reisende Beamte eingreifen.

10.08.2018
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Jeder, der ab und zu Bahn fährt, kennt das Bild: bewaffnete und uniformierte Polizisten, die offensichtlich privat mitreisen. Dass so viele Polizeibeamte in ihrer Freizeit in Montur samt Waffe unterwegs sind, hat einen einfachen Grund: Sie brauchen so keine Fahrkarte.

Seit 1998 besteht zwischen Baden-Württembergs Innenministerium und der DB Regio ein entsprechender Vertrag. Polizeibeamte in Uniform dürfen Nahverkehrszüge und Interregios gratis nutzen – in der 2. Klasse und ohne Anspruch auf einen Sitzplatz. Die Bahn verspricht sich davon ein besseres Sicherheitsgefühl aller Reisenden. Bis ins vergangene Jahr galt das Abkommen im Südwesten nicht für den Fernverkehr: Zugtypen wie ICE, IC und Sonderzüge waren ausgenommen. Doch im Juli 2017 wurde die Gratis-Regelung, wie in vielen anderen Bundesländern, auf alle Züge ausgeweitet.

Dadurch sparen Polizisten, die etwa von zuhause mit der Bahn zur Dienststelle pendeln, bares Geld. Voraussetzung ist lediglich das Tragen der Uniform und ein „situations- und lageangepasstes Mitführen der persönlich zugeteilten Schutzausstattung sowie der Führungs- und Einsatzmittel“. Das meint insbesondere die Schusswaffe, aber auch Schutzweste, Handschließen, Reizstoffe und Schlagstock werden laut Innenministerium „ebenso regelmäßig mitgeführt“.

Nicht selten passiert es, dass sich privat reisende Polizisten plötzlich „in den Dienst versetzen“ müssen. 1499 Einsätze bei uniformierten Freifahrten in der Bahn zählte das Innenministerium vergangenes Jahr im Land. „Personalienfeststellungen“ und „Unterstützung des Zugpersonals“ waren mit Abstand die meisten Fälle, aber es mussten auch 43 Personen festgenommen werden.

„Es kommt nicht oft vor, dass man eingreifen muss, aber schon gelegentlich“, sagt ein hochrangiger Polizist, der regelmäßig per Bahn zur Arbeit pendelt. Er selbst musste seit Juli 2017 zweimal tätig werden, Kollegen berichteten von ähnlichen Quoten. Gewöhnlich wenden sich Schaffner an die Uniformierten, oft per Durchsage, etwa weil ein Schwarzfahrer sich nicht ausweisen wolle, oder Passagiere Unfrieden stifteten. In ICEs, so seine Wahrnehmung, passiere seltener etwas als in Regionalzügen. Oft werde er schon bei der Fahrscheinkontrolle gefragt, wohin er fahre. „Dann weiß der Schaffner: Bis dahin ist ein Polizeibeamter an Bord.“

So verschwimmen aber auch im Polizeidienst weiter Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben. Der FDP-Abgeordnete Erik Schweickert befragte dazu neulich Innenminister Thomas Strobl (CDU) im Landtag. Der sagte: „Muss eine Beamtin oder ein Beamter bei einer Fahrt in der Freizeit dienstlich eingreifen, kann diese Zeit unter Umständen als Dienst im Sinne des Arbeitszeitrechts zu werten sein.“ So könne möglicherweise ein Anspruch auf eine entsprechende Ausgleichsruhezeit bestehen. „Die Feststellung, ob dies der Fall ist und wie die konkrete Ausgestaltung dieses Ausgleichs aussieht, ergibt sich dabei aus den Umständen des Einzelfalls“, sagte Strobl.

„Erfreulich flexibel“ zeige sich die Landesregierung hier, findet Oppositionspolitiker Schweickert und fügt an: „Ich würde mir wünschen, dass sie diese Flexibilität auch der Wirtschaft zubilligt.“ Entsprechende Gesetzesänderungen auf Bundesebene seien nötig, das Land könne im Bundesrat aktiv werden. Dass Polizisten so häufig auch außerhalb ihrer Dienstzeit arbeiten, ist für Schweickert „ein Zeichen besonderen Engagements“. Dass sie im Gegenzug die Bahn gratis nutzen, sei „nur allzu gerecht“.

Die Bahn ist zufrieden mit dem Angebot, das von Polizisten „gut genutzt“ werde, wie eine Sprecherin mitteilt. „Die Präsenz von uniformierten Polizisten führt zu einer höheren objektiven wie subjektiven Sicherheit und wird grundsätzlich positiv bewertet.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.08.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular