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Unicef warnt vor verlorener Generation
Kinder spielen auf der Straße eines Flüchtlingslagers in Nahost: Das UN-Kinderhilfswerk will erreichen, dass sie wenigstens in die Schule gehen können. Foto: imago
Schirmherrin des UN-Kinderhilfswerks in Deutschland: Kriegsfolgen für Kinder sind furchtbar

Unicef warnt vor verlorener Generation

Die Hälfte der weltweit 60 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen sind Kinder und Jugendliche. Unicef steht vor vielfältigen Herausforderungen. Das UN-Kinderhilfswerk warnt vor einer verlorenen Generation.

03.02.2016
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Anas (7), Abdel Hamid (9), Mohamed (9) und Mahmoud (8) sind Cousins. Vor über einem Jahr sind sie und ihre Eltern aus der Gegend um Aleppo geflohen, aus Syrien in die Türkei. Weil inzwischen das Geld zur Neige ging, schickten die verzweifelten Familien die vier Söhne allein auf die Reise nach Deutschland, wo sie bei Verwandten unterkamen. Nun können sie wenigstens in die Schule gehen und Fußball spielen. Ob und wo sie ihre Väter und Mütter je wiedersehen, ist aber ungewiss.

Das Schicksal der Kinder aus dem Bürgerkriegsland Syrien stellt Unicef als Hilfsorganisation der Vereinten Nationen im 70. Jahr nach der Gründung vor vielfältige Herausforderungen. Waren zunächst vor allem humanitäre Aufgaben vor Ort zu leisten, also die Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln und medizinischer Betreuung, so rücken jetzt sowohl in den Flüchtlingslagern in der Krisenregion wie in den Aufnahmeländern weitere Notwendigkeiten ins Blickfeld: psychosoziale Hilfe, Bildung, Integration. Unicef will verhindern, dass die heimatvertriebenen Kinder zu einer verlorenen Generation werden.

Als Schirmherrin des UN-Kinderhilfswerks in Deutschland hatte Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, zu einem Podiumsgespräch ins Schloss Bellevue gebeten. Die gelernte Journalistin, gerade erst von einem Besuch in der Ukraine zurückgekehrt, zeigte sich persönlich berührt von ihren Eindrücken dort wie auch tief erschüttert von aktuellen Bild aus Syrien, die immer wieder Kinder als Opfer von Heckenschützen, Fassbomben und Minen zeigen: "Es ist furchtbar!"

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind mehr als 11 000 Kinder und Jugendliche getötet worden. Sechs Millionen Kinder leiden unter den Kriegsfolgen - Obdachlosigkeit, Hunger, Krankheit und Verwundung. 6000 Schulen des Landes sind zerstört, ein Drittel der Krankenhäuser ebenfalls. Minderjährige werden als Kindersoldaten rekrutiert, einige müssen sogar Hinrichtungen vollstrecken.

Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2014 fast 3000 schwerste Fälle von Kinderrechtsverletzungen in Syrien dokumentiert - nur die Spitze eines Eisbergs.

Immer wieder berichten internationale Helfer, dass Kinder, die sich aus dem Kriegsgebiet in die Flüchtlingslager im Libanon, in Jordanien und in der Türkei retten konnten, zwar traumatische Erlebnisse bewältigen müssen, aber von einer bewundernswerten Offenheit und Zuversicht im Blick auf ihre Zukunft getragen werden. Viele Kinder antworten auf die Frage, was sie einmal werden wollen: Ärztin, Architekt, Lehrerin. Lauter Berufe, die etwas mit der Hilfe für Menschen oder dem (Wieder-)Aufbau ihres Landes zu tun haben.

Wieviel Zuwendung und Schutz gerade Flüchtlingskinder brauchen, macht eine alarmierende Meldung der EU-Polizeibehörde Europol aus diesen Tagen deutlich. Nach Schätzung der Brüsseler Sicherheitsexperten sind in den vergangenen 18 bis 24 Monaten mindestens 10 000 unbegleitete Flüchtlingskinder nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden, davon allein in Italien rund 5000.

Zwar sei nicht auszuschließen, dass sich von den vermissten Kindern eine Anzahl in der Obhut von Verwandten befänden, doch könnten sie auch in die Fänge von Menschenhändlern aus dem Umfeld der Organisierten Kriminalität geraten sein. Dann seien die Kinder in großer Gefahr, Opfer von Ausbeutung und Missbrauch zu werden, warnt Europol.

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03.02.2016, 08:33 Uhr
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