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Viel Leben in der Anatomie

Uni eröffnet einmaligen Operationssaal

Prominenz aus Politik, Verbänden, Wirtschaft, Universität und Kliniken stellte sich ein: Das Anatomische Institut der Uni eröffnete am Freitag auf dem Schnarrenberg einen einzigartigen Operationssaal.

05.02.2011
  • Hans-Joachim Lang

Operieren online im vernetzten Seziersaal der Tübinger Anatomie

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

© Ziehe 03:22 min

Tübingen. Das vor zehn Jahren auf dem Schnarrenberg fertiggestellte Anatomische Institut bietet atemraubende Ein- und Ausblicke. Die Ausblicke aus dem mit vielen Glasfronten ausgestatten Institut gehen hinüber auf die Bergkette der Schwäbischen Alb. Doch erbaut wurde das auch architektonisch faszinierende Universitätsinstitut, um auf vielfältige Weise Einblicke in den menschlichen Körper zu ermöglichen.

Operationssaal global vernetzt

Welchen enormen Fortschritt auf diesem Gebiet die Medizintechnik der hiesigen Region erzielt hat, zeigte gestern eine Leistungsschau anlässlich der offiziellen Eröffnung des Trainings- und Forschungszentrums für klinische Anatomie einem ausgewählten Kreis von Gästen. Im Probebetrieb ist der neue Operationssaal mit seinen elf vollwertig ausgestatteten und vernetzten Operationsplätzen bereits seit zwei Jahren. Live-Operationen sind von dort schon nach Argentinien, Brasilien, Italien und Saudi-Arabien übertragen worden.

Uni eröffnet einmaligen Operationssaal
Operation lässig im Sakko: Für die gestrige Eröffnungsfeier demonstrierte Prof. Marcos Tatagiba an einem künstlichen Präparat einen Eingriff ins Gehirn. Bild: Sommer

„Unsere Arbeitsplätze sind so gut ausgestattet, dass wir dort theoretisch Patienten behandeln könnten“, sagt Bernhard Hirt, Leiter der Klinischen Anatomie und Makroskopie der Universität. Praktisch wird allerdings an Humanpräparaten gearbeitet. Damit können Chirurgen Eingriffe in realistischer OP-Umgebung trainieren. Es gibt zudem einen professionell ausgestatteten Regiearbeitsplatz, der Übertragungen nicht nur in den Hörsaal des Instituts ermöglicht, sondern überallhin auf der Welt. Auf diese Weise können von Tübingen aus globale Fortbildungsveranstaltungen angeboten werden.

Eine kleine Demonstration bot Prof. Marcos Tatagiba, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie. An einem anatomischen Präparat zeigte er, wie sich der Chirurg einen Zugang durch den vorderen Teil des Schädels in das Gehirn bahnt. Er arbeitete sich vor bis zu den Bereichen der Sehnerven, wo gegebenenfalls ein Tumor zu entfernen wäre. Die Gäste des Eröffnungsprogramms saßen derweil im Saal und konnten dem Chirurgen dank der Übertragungstechnik nicht nur über die Schulter schauen, sondern auch die mikroskopisch stark vergrößerten Operationsfelder begutachten.

Eine weitere Demonstration verband das Anatomische Institut mit einem Operationssaal der Tübinger Hals-Nasen-Ohren-Klinik. Dort operierte Prof. Hubert Löwenheim seit einer Stunde am Mittelohr einer Patientin und gewährte den kurz zugeschalteten Zuschauern Einblicke in den Gehörgang bis zum Trommelfell, wo er eine so genannte Tübinger Prothese implantierte. Damit überbrückte er die Gehörknöchelchen Hammer und Steigbügel, nachdem er zuvor das Knöchelchen Amboss amputiert hatte. „Das ermöglicht eine hervorragende Übertragung“, sagte Löwenheim und prognostizierte: „Die Patientin wird wieder hören wie zuvor.“

Eine dritte Live-Übertragung vermittelte die Technik in die Universitäts-Frauenklinik, wo Prof. Christl Reisenauer in einem Operationssaal die Entfernung einer Gebärmutter mit minimal-invasiver Chirurgie vorbereitete. Mit einer winzigen Kameras wurde für die Zuschauer lediglich das Organ an seinem Platz gezeigt, bei einer ärztlichen Fortbildung hätte auch dessen operative Entfernung übertragen werden können.

Zu Beginn der Veranstaltung würdigten mehrere Redner die Bedeutung der neuen Einrichtung. Anatomie-Direktor Prof. Hans-Joachim Wagner pries die gute Zusammenarbeit mit regionalen Medizintechnik-Firmen, deren Weltniveau anschließend Medizin-Dekan Prof. Ingo Autenrieth attestierte. Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, pries die „Partnerschaft mit Spitzentechnologie-Unternehmen in der Region“ als ein „zukunftsweisendes Modell“.

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05.02.2011, 12:00 Uhr
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