Kooperation

Uni erforscht Potenzial der Hanfpflanze

Ein deutsch-kanadisches Netzwerk beschäftigt sich mit der medizinischen Wirkung von Cannabis.

07.05.2019

Von Tilman Baur

Stuttgart. Der Besitz von Cannabis ist in Deutschland strafbar. Das heißt aber nicht, dass alle cannabishaltigen Produkte verboten sind. Im Gegenteil: Viele Bestandteile der Hanfpflanze, die nicht psychoaktiv sind, werden in Pflege- und Kosmetikprodukten verarbeitet. So wirbt ein Online-Händler mit einem „Premium-Öl“ mit mild-nussigem Geschmack, das 500 Milligramm des Cannabinoids Cannabidiol (CBD) enthält und unter anderem gegen schlechten Schlaf, Unruhe und Stress helfen soll. Die Uni Hohenheim beschäftigt sich schon länger mit den gesundheitsfördernden Cannabinoiden, einer Klasse von chemischen Verbindungen, zu der unter anderem auch das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) gehört. Vor allem in den Bereichen Medizin, Nährstoffe und Pflege hätten diese Potenzial, sagt Simone Graeff-Hönninger vom Institut für Kulturpflanzenwissenschaften.

Unter ihrer Leitung entsteht nun ein vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes deutsch-kanadisches Netzwerk, an dem Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligt sind. Es besteht aus vier kanadischen und sieben deutschen Partnern. Das Netzwerk soll Projekte vorantreiben, die die Entwicklung neuer Technologien, Produkte und Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette des cannabinoidreichen Cannabis hervorbringen. „Dies können Einzelprojekte von Unternehmen oder Kooperationsprojekte zwischen mehreren Unternehmen oder zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen sein.“

Erfahrungen teilen

„Da es ein internationales Netzwerk ist, sind ebenfalls Forschungs- und Entwicklungsprojekte zwischen kanadischen und deutschen Firmen geplant“, so Graeff-Hönninger. Von den Kanadiern erhofft man sich Erfahrungswerte, die es hierzulande nicht gibt. „Kanada hat Cannabis im letzten Jahr legalisiert, die Firmen haben aufgrund anderer rechtlicher Bedingungen andere Voraussetzungen und auch einen anderen Background, was den Anbau und das verfügbare Sortenspektrum für die Gewinnung unterschiedlicher Wirkstoffe angeht“, erklärt die Professorin.

Im Rahmen der Kooperation wollen die Experten unter anderem herausfinden, wie verschiedene Sorten im mitteleuropäischen Klima gedeihen. Eine wichtige Frage dabei ist, wie sie auf Umweltfaktoren, Sonneneinstrahlung oder Düngung reagieren. Auch soll die Frage geklärt werden, wie es technisch möglich ist, medizinisches Cannabis in großen Mengen zu ernten. Die Erkenntnisse wollen die Forscher künftig Züchtern und Unternehmen bereitstellen.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Mai 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Mai 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Mai 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+