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So klein wie eine Tablette

Uni-Klinikum implantiert die kleinsten Herzschrittmacher der Welt

Keine Operation, keine Narkose: Die Herzschrittmacher der neuen Generation sind klein wie eine Tablette und werden über die Leistenvene ins Herz transportiert. Kardiologen am Uni-Klinikum nutzen, als erste in Baden-Württemberg, diese neue Technologie.

19.10.2015
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Noch sind es nur etwa zehn Patienten, denen in Tübingen pro Jahr dieser Herzschrittmacher implantiert wird. Doch der Kardiologe Privatdozent Dr. Jürgen Schreieck ist überzeugt: Die Technik „ist ein Durchbruch. Das ist die Zukunft.“ Der große Vorteil der so genannten Kardiokapsel: Sie wird über die Leistenvene direkt ins Herz transportiert und genau dort verankert, wo sie dem kranken Herz einen Impuls geben muss, erklärt Schreieck.

Bei herkömmlichen Herzschrittmachern wird dagegen das etwa handtellergroße batteriegetriebene Gerät im Brustmuskel verankert. Von dort müssen Kabel über die Blutgefäße in das Herz geführt werden. Diese Kabel sind latente Risikofaktoren: Sie begünstigen Thrombosen in den Gefäßen, bergen die Gefahr von Infektionen. Die neue Technologie der Kardiokapsel kann auf diese Kabel verzichten – weil die Kapsel als Impulsgeber ja bereits im Herzen liegt.

Ein zweiter Vorteil: Eine Kardiokapsel wird ohne Operation und damit auch ohne Narkose im Herzkatheterlabor implantiert. Das ist vor allem für ältere oder multimorbide Patienten, für die eine Operation ein erhebliches Risiko wäre, ein erheblicher Vorteil.

Noch steckt diese Technologie allerdings in den Anfängen ihrer Entwicklung. Das am Tübinger Herzkompetenzzentrum verwendete System (Medtronic Mitra) kann als Alternative zur Einkabel-Herzkammer-Stimulation verwendet werden, erklärt Schreieck. Herkömmliche Zweikammer-Schrittmacher, die über zwei Kabel Impulse im Vorhof und in der Herzkammer abgeben, kann die Kardiokapsel noch nicht ersetzen.

Auch gibt es noch keine Langzeiterfahrungen mit den Kardiokapseln. Die jetzige Technologie hält Schreieck aber für ausgereift – im Gegensatz zum Vorgängermodell einer anderen Firma, das in Tübingen jedoch nie verwendet wurde. Jene Kapseln seien deutlich größer gewesen und hätten in der Herzwand verschraubt werden müssen. Dabei habe es zum Teil schwerwiegende Komplikationen gegeben.

Die jetzt in Tübingen verwendeten Kapseln sind kleiner als drei Zentimeter. Seit Dezember 2013 werden sie in Studien in einzelnen Kliniken weltweit implantiert. Tübingen ist die erste Klinik in Baden-Württemberg, die den Mini-Herzschrittmacher verwendet. Schreieck ist überzeugt: Über kurz oder lang würden alle Herzschrittmacher in dieser Mikrotechnik gebaut.

Und die Kosten? Sind bislang, wie bei allen innovativen Medizinverfahren, höher als bei den Standard-Techniken. „Die Kosten sind ungefähr doppelt so hoch wie das, was wir von den Kassen bekommen“, sagt Schreieck. Die Differenz bezahle das Klinikum aus seinem Budget.

Uni-Klinikum implantiert die kleinsten Herzschrittmacher der Welt
Nur noch ein Zehntel so groß wie herkömmliche Herzschrittmacher: Der Kardiologe Dr. Martin Steeg mit der Kardiokapsel Medtronic Micra.Bild: Metz

Uni-Klinikum implantiert die kleinsten Herzschrittmacher der Welt
Ein herkömmlicher Schrittmacher wird in den Brustmuskel implantiert. Bild: Metz

Der erste Herzschrittmacher wurde 1958 in Stockholm implantiert. In Deutschland war es das Uni-Klinikum Düsseldorf, das 1961 einem Patienten den ersten Herzschrittmacher – er wog 300 Gramm – einsetzte. Herzschrittmacher regen das Herz mit elektrischen Impulsen zu einem regelmäßigen Herzschlag an. Das ist zum Beispiel dann notwendig, wenn das Herz zu langsam oder unregelmäßig schlägt.

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19.10.2015, 12:00 Uhr
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