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Hochschule erntet Kritik

Uni Hohenheim will zwei neue Labore für Tierversuche bauen

Ärzte und Tierschützer üben schwere Kritik an der Universität Hohenheim. Sie werfen der Hochschule grausame Versuche an Tieren vor und wollen den Bau neuer Labore für die Forschung stoppen.

11.08.2014

Von SEBASTIAN STEEGMÜLLER

Stuttgart Nach Informationen, die der Organisation Ärzte gegen Tierversuche anonym zugespielt wurden, sei an der Fakultät für Agrarwissenschaften der Neubau von Tierversuchslaboren geplant. Den Dokumenten nach sollen ein "Laborgebäude mit Kleintieren" sowie eine "Einrichtung mit Tötungsmöglichkeiten für Großtiere" entstehen. Es sollen offenbar Haltungskapazitäten für mehr als 1000 Mäuse, 150 Geflügeltiere, bis zu 115 Schweine, 18 Schafe und sechs Rinder geschaffen werden, die unter anderem für Infektionsversuche herhalten sollen. Für die Tierhaltung sei kein Tageslicht vorgesehen.

Nach Aussage der Vereine würden an der Universität Hohenheim bereits zahlreiche wissenschaftlich unsinnige Experimente an Tieren durchgeführt, die ethisch untragbar seien und keine Ergebnisse liefern, die man auf den Menschen übertragen könne. Stattdessen macht sich der Bund gegen Missbrauch der Tiere in einer schriftlichen Stellungnahme für Bevölkerungsstudien sowie Computermodelle oder Biochips stark, "deren Aussagen hingegen klinisch relevante Erkenntnisse über den Stoffwechsel liefern".

Professor Stephan Dabbert, Rektor der Uni Hohenheim, betont indes, dass wissenschaftliche Tierversuche an der Hochschule nur dann eine Option sind, wenn sie dazu dienen, Forschungsfragen mit gesellschaftlicher Relevanz zu bearbeiten. "Jeder Versuch wird sorgfältig geplant und nur dann durchgeführt, wenn es keine alternative Möglichkeit gibt, diese Fragen zu untersuchen."

Das Tierschutzgesetz gebe die Rahmenbedingungen vor, unter denen an der Universität Hohenheim Tiere gehalten und Versuche mit Tieren durchgeführt werden dürfen. "Selbstverständlich stehen alle Untersuchungen der Universität Hohenheim im Einklang mit dem Tierschutzgesetz. Tierschutz, bestmögliche Haltungsbedingungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren sind für die Universität eine selbstverständliche ethische Verpflichtung", so der Rektor der Hochschule weiter.

"Die Experimente mit Großtieren wie Kühen, Schweinen oder Schafen beinträchtigen in der Regel die Gesundheit der Tiere nicht. Ein Beispiel für eine geplante neue Tier-Experimentaleinheit ist eine sogenannte Respirationskammer. Hier wird untersucht, wie sich die Zusammensetzung des Futters auf den Methanausstoß bei Kühen auswirkt."

Die Ärzte gegen Tierversuche und der Bund gegen Missbrauch der Tiere zweifeln an den Aussagen des Professors. Um aus ihrer Sicht Klarheit über den aktuellen Sachstand zu bekommen, haben sie den in Baden-Württemberg für Tierschutz zuständigen Minister, Alexander Bonde, angeschrieben und detailliert um Auskunft gebeten. Die Vereine wollen unter anderem wissen, ob das Vorhaben bereits zur Genehmigung eingereicht wurde, welche konkreten Tierversuche vorgesehen sind und welche Summe an Steuergeldern das Land Baden-Württemberg bereitstellt. Neben einer "transparenten Förderpolitik" fordern sie, dass öffentliche Gelder, nicht in die neuen Labore der Uni Hohenheim investiert, sondern für moderne, tierversuchsfreie Forschungsvorhaben bereitgestellt werden sollen.

Noch sind die neuen Tierversuchslabore der Universität Hohenheim nicht genehmigt. Wenn es nach Stephan Dabbert geht, soll dies im kommenden Jahr geschehen. "Gemeinsam mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bereitet die Universität Hohenheim derzeit einen Antrag an den Wissenschaftsrat für einen Forschungsbau für tierwissenschaftliche Forschung vor." Dabbert verspricht, dass die geplanten Neubauten höchsten Anforderungen entsprechen werden.

Über 100 Schweine sowie andere Tiere wie Schafe, Rinder und Mäuse sollen Platz in einem Neubau der Uni Hohenheim finden. Informationen über das Vorhaben wollen "Ärzte gegen Tierversuche" von einer anonymen Quelle bekommen haben. Foto: dpa

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Erstellt:
11. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. August 2014, 12:00 Uhr

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