Bahn: Zustimmung zu Stuttgart 21 steigt

Umfrage unter 1000 Baden-Württembergern zum Jahrestag des Volksentscheids

Eine Umfrage des Instituts für Marktforschung in Leipzig ergibt, dass zwei Drittel der Baden-Württemberger für den Weiterbau von Stuttgart 21 sind. Die Gegner sprechen von "Durchhalteparolen" der Bahn.

28.11.2012

Von MANUEL BOGNER

Stuttgart Die Bahn sieht sich ein Jahr nach dem Volksentscheid über Stuttgart 21 im Aufwind. Das Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart 21 hat gestern eine Umfrage veröffentlicht, die untersucht, ob die Baden-Württemberger für oder gegen einen Weiterbau des Bahnprojekts sind. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut Leipzig 1000 Baden-Württemberger und 300 Stuttgarter per Telefon befragt.

Das Ergebnis: 66 Prozent der Befragten im Land sind für einen Weiterbau. Das ist eine Steigerung um 6 Prozent im Vergleich zum Volksentscheid. Am 27. November vorigen Jahres hatten knapp 60 Prozent der Baden-Württemberger gegen einen Ausstieg des Landes aus dem Projekt gestimmt. In Stuttgart sind 59 Prozent der Befragten für einen Weiterbau, beim Volksentscheid waren es 53 Prozent.

In einer Pressemitteilung schreibt die Bahn: "Die Zustimmung zum Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist größer denn je." Projektsprecher Wolfgang Dietrich sagte: "Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Die Akzeptanz für Stuttgart 21 wächst deutlich." Diese Entwicklung stimme ihn hoffnungsfroh. Er strich heraus, dass Menschen zwischen 18 und 34 Jahren das Projekt besonders stark befürworteten. In dieser Gruppe sprachen sich 76 Prozent für einen Weiterbau aus.

Auch Peter Kulitz, Präsident der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) zeigte sich erfreut. Er appellierte an die Landesregierung und die Stadtverwaltung in Stuttgart, das Projekt nun "positiv zu begleiten" und ihm nicht mehr ablehnend gegenüber zu stehen.

Die Gegner von Stuttgart 21 bewerteten die Umfrage naturgemäß anders. "Am Tag der Volksabstimmung muss die Bahn Durchhalteparolen rausgeben", sagte Matthias von Herrmann, Sprecher der Parkschützer. "Diese Umfrage ist methodisch und inhaltlich äußerst dürftig." Er spielt damit darauf an, dass das Institut den Angerufenen lediglich eine Frage gestellt hat. Üblich sei, mehrere Fragen in die gleiche Meinungsrichtung zu stellen, um sicher zu gehen, dass die Befragten auch wirklich die Inhalte verstanden haben, sagte von Herrmann.In diese Kerbe schlugen auch andere Projektgegner im Kurznachrichtendienst Twitter: "Hat die Umfrage auch danach gefragt, wer die S21-Mehrkosten bezahlen soll?", wollte etwa ein Nutzer wissen.

Eine Sprecherin des Kommunikationsbüros erklärte daraufhin, dass es der Bahn nicht um "spezifische Fragestellungen wie Kosten oder Bauabläufe" ging. "Ziel der Umfrage war es, ein Stimmungsbild zu bekommen."

Tatsächlich hat die Bahn die Anrufer nicht nur fragen lassen, ob das Projekt weitergebaut werden soll. Der SÜDWEST PRESSE liegen weitere Fragen des Meinungsforschungsinstituts vor. Darin geht es darum, wie sich die Bürger informieren und welche Themen sie besonders interessieren. Offenbar scheint das Thema Kosten für viele der Befragten besonders wichtig zu sein. 57 Prozent der Befragten im Land und 62 Prozent in Stuttgart antworteten, dass die Kosten für sie ein "Aspekt von besonderer Wichtigkeit" seien.

Dass dies nicht gleichbedeutend mit einem Baustopp bei höheren Kosten ist, zeigte im Februar eine Studie der Universität Mannheim. Sie hatte 1000 Bürger befragt, ob man mit dem Bau aufhören sollte, wenn das Projekt erheblich teurer werden werden würde. 32 Prozent sagten Nein, 23 "Eher nein". Nur 25 Prozent sagten Ja und 6 Prozent "Eher Ja."

Unentwegt in luftigen Höhen: Gestern demonstrierten erneut Parkschützer in Stuttgart. Laut einer Umfrage finden sich aber immer mehr Bürger mit dem Projekt ab. Foto: dpa

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Erstellt:
28. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. November 2012, 12:00 Uhr

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