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Ein Versprechen als Falle

Um Kunden zu gewinnen, ist Telekom-Anbietern fast jedes Mittel recht

Um neue Kunden zu gewinnen, ist Telekom-Anbietern fast jedes Mittel recht. Das lässt die Zahl der Beschwerden steigen, sagen Verbraucherschützer.

25.11.2017
  • CAROLINE STRANG

Stuttgart. Das Angebot auf der Internetseite klingt gut. Beim Tarif „CallYa Smartphone Special“ gibt es für 9,99 EUR 200 Minuten und 200 SMS in alle deutschen Netze. Wenn man gleich 15 EUR auf die Prepaid-Karte lädt, bekommt man statt 1,25 Gigabyte sogar 2,5 Gigabyte Datenvolumen, also doppelt so viel. Dauerhaft? Davon ging ein 51-jähriger Esslinger aus. Er bestellte den günstigen Tarif – und war nicht nur enttäuscht, sondern fühlte sich getäuscht. Denn die Datenaufstockung gibt es nur einmalig. Sie gilt für 28 Tage. Danach gibt es dauerhaft nur die Hälfte.

„Ich habe das Gefühl, das ist ein allgemeiner Trend“, sagt der 51-Jährige. „Der erste Eindruck stellt sich als falsch heraus, das hat Methode.“ Nicht nur ihm ging es so, auch andere Kunden regten sich auf. „Werbeverarsche eben, wer das Kleindruckte nicht liest, wird darauf reinfallen“, schreibt ein Kunde auf Facebook. Selbst das Kleingedruckte kann missverstanden werden. „Ich habe mich viel damit beschäftigt, das richtige Angebot zu finden. Ich halte die betreffende Fußnote für verklausuliert und nicht deutlich genug“, sagt der 51-Jährige.

Doch ist das Missverständnis die Schuld des Verbrauchers oder wird an dieser Stelle absichtlich in die Irre geführt? „Aus unserer Sicht ist die Seite zumindest unübersichtlich und verbraucherunfreundlich gestaltet. Die Informationen sind nicht so klar und eindeutig, wie wir uns das wünschen würden“, sagt Niklaas Haskamp, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ob auch rechtlich etwas zu beanstanden ist und man von Irreführung sprechen kann, werde geprüft, kündigt er an.

Keine Abmahnung

Auch die Wettbewerbszentrale hat sich den Fall angeschaut. „Eine Abmahnung haben wir nicht ausgesprochen, da eine Aufklärung vorhanden ist, allerdings haben wir das Unternehmen darauf hingewiesen, dass die in einer Fußnote enthaltene Aufklärung und zeitliche Befristung des Angebotes auch missverstanden werden könnte.“ Künftige Angebote müssten deutlicher formuliert werden, erklärt Geschäftsführer Andreas Ottofülling.

Der Pressesprecher von Vodafone sagt dazu: „Die Details zu diesem zeitlich eng befristeten Angebot haben wir im Fußnotentext dargestellt.“ Allerdings: „Wir räumen aber ein, dass die Formulierung im Hinblick auf die einmalige Bereitstellung des zusätzlichen Datenvolumens Raum für Spekulationen lässt.“ Für zukünftige Aktionen werden das Unternehmen auf eine noch klarere Kommunikation achten.

Die Verbraucherschützer bekommen regelmäßig Beschwerden zu irreführender Werbung. Unter Umständen kassieren die Unternehmen dann eine Abmahnung. Gerade das Gebaren von Telekommunikationsanbietern bietet immer wieder Grund für Beschwerden. „Vor allem die Preiswerbung stellt die Telekommunikationsunternehmen vor Herausforderungen, da hier ein großes Maß an Transparenz gefordert wird und versteckte Kosten oder Preissteigerungen die Gefahr einer Irreführung bergen“, schreibt die Wettbewerbszentrale dazu.

Es gibt auch andere Probleme: Vodafone verschickte Anfang 2017 schwarz-rot-gold gefärbte Werbebriefe an die Haushalte, mit schwierig zu erkennendem Absender, dringender Frist und einer Rückrufnummer. Diese „verschleierte Werbung“ untersagte die Bundesnetzagentur.

Klage gegen O2

Die Verbraucherzentrale klagte gegen O2, weil die Kunden der Firma nur von den Roaming-Vorschriften profitieren, wenn sie aktiv per SMS in diesen Tarif wechseln. Sie müssen also aktiv werden, um von EU-Rechten auf günstigeres Telefonieren im Ausland zu profitieren, was laut Verbraucherschützern auch gegen das Irreführungsverbot verstößt.

Was aber können Kunden tun, die sich getäuscht fühlen? Vodafone selbst empfiehlt, den Kundenservice zu kontaktieren. Man werde das „mit dem Kunden individuell prüfen und im Sinne der Kundenzufriedenheit lösen“. Die Wettbewerbszentrale ist „keine Verbraucherschutzorganisation, sondern eine Selbstkontrollinstitution der gewerblichen Wirtschaft. Eine unserer Aufgaben ist Sicherstellung eines fairen Wettbewerbs unter den Marktteilnehmern“, erklärt Geschäftsführer Ottofülling. Je nach wettbewerbswidrigem Verhalten einer Firma erteilt die Institution „nach Art eines Schiedsrichters ein gelbe oder rote Karte“ – es werden Hinweisschreiben verschickt, Abmahnungen ausgesprochen oder sogar Klagen erhoben.

Für Kunden empfiehlt sich als Anlaufstelle die Verbraucherzentrale. „Wir können individuell beraten, beispielsweise ob ein Vertrag wegen der Täuschung angefochten werden kann“, sagt Verbraucherschützer Haskamp. Außerdem könne die Verbraucherzentrale irreführende Werbung rechtlich verfolgen. „Dadurch wäre das Problem dann für alle Verbraucher gelöst.“

Was ist Irreführung?

Die Wettbewerbszentrale meldet in ihrem Jahresbericht 2016 bei „Irreführung über wesentliche Merkmale von Waren und Dienstleistungen“: Im vergangenen Jahr gab es fast 1400 Fälle – 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die IHK erklärt den Begriff: Irreführend ist eine Werbeaussage bereits dann, wenn sie auch nur von einem kleinen, nicht ganz unbeachtlichen Teil der Angesprochenen missverstanden werden kann. Maßgebend ist also nicht das Verständnis des werbenden Unternehmers, sondern der jeweilige Eindruck, den die Werbung beim Publikum erweckt. Nach der Rechtsprechung des BGH gilt das nicht bei „reklamehaften Übertreibungen“, die Kunden erkennen können. ⇥cast

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25.11.2017, 06:00 Uhr
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