Corona

Ulmer Forscher: Mischimpfung wirkt sogar noch besser

Erst Astrazeneca, dann Biontech oder Moderna: Funktioniert das? Wissenschaftler kommen in einer Studie zu einem eindeutigen Ergebnis.

11.06.2021

Von CHRISTOPH MAYER

Eine Ulmer Studie zu Mischimpfungen zeigt vielversprechende Ergebnisse. Foto: Sakchai Lalit/AP/dpa

Ulm. Manchmal kommt es anders als geplant. Das muss nicht immer schlecht sein, wie der Fall einer Studie am Institut für Molekulare Virologie der Universität Ulm zeigt. Denn eigentlich hatte sich ein dreiköpfiges Forscherteam um Dr. Janis Müller im Rahmen einer Studie an 26 Personen – allesamt Klinikmitarbeiter im Alter zwischen 25 und 46 Jahren – lediglich genau anschauen wollen, wie eine Zweifachimpfung mit dem Vakzin von Astrazeneca wirkt und wie stark die möglichen Nebenwirkungen ausfallen.

Die Erstimpfungen waren bei sämtlichen Probanden schon durch, da kam der Stopp. Im April sprach die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (Stiko) die Empfehlung aus, nur noch Menschen über 60 Jahren mit Astrazeneca zu impfen. Grund waren äußerst selten aufgetretene Komplikationen kurz nach der Impfung. Speziell bei jüngeren Frauen war es in Deutschland vereinzelt zu Hirnvenenthrombosen gekommen. Weshalb die Stiko auch jüngeren Erstimmunisierten für die zweite Impfung einen Wechsel auf einen anderen Impfstoff empfahl, obwohl es dazu noch keine gesicherten Daten gab.

„Für unsere Studie war diese Entwicklung natürlich interessant“, sagt Janis Müller. Zumal die Auswertung der 26 Erstimpfungen schon vorgelegen habe: Das Gros der Probanden habe unter moderatem Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen gelitten, sagt Müller.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs war bereits nach der ersten Impfung relativ hoch: Bei 75 Prozent der Geimpften wiesen die Wissenschaftler Antikörper im Blut nach.

Mit einem Abstand von acht Wochen erhielten die Ulmer Probanden dann ihre Zweitimpfung, nun aber mit Biontech. Nicht nur, dass die Impfreaktionen schwächer ausfielen, kaum Nebenwirkungen festzustellen gewesen seien. Auch die Wirksamkeit schnellte signifikant hoch, wie regelmäßige Blutabnahmen ergaben. Zwei Wochen nach der Zweitimpfung hatten alle 26 Studienteilnehmer Antikörper gebildet. „Die Antikörperkonzentration war sogar um mehr als das Hundertfache höher als nach der ersten Impfung“, sagt Müller. Tests in Zellkulturen hätten zudem gezeigt, dass die Antikörper aller Probanden eine Corona-Infektion verhindern konnten.

„Die Kreuzimpfung hat sich als hochwirksam und gut verträglich erwiesen“, resümiert der Wissenschaftler. Vieles spreche dafür, dass man nach einer Mischimpfung sogar deutlich mehr Antikörper bilde. Das habe der Vergleich mit Blutseren von Menschen ergeben, die zweimal mit Biontech geimpft worden waren. Zudem habe sich die Kombination der Impfstoffarten als sehr wirksam gegenüber der britischen und der südafrikanischen Virus-Variante erwiesen.

„Kein Ausreißer“

Ob eine Studie mit so kleiner Fallzahl aussagekräftig ist? Müller ist davon überzeugt. Erstens habe man Daten über einen längeren Zeitverlauf gesammelt, zweitens seien die Resultate eindeutig. „Es gab keinen einzigen Ausreißer. Bei allen Probanden war die Wirksamkeit hoch, alle haben es gut vertragen.“

Dass die Uni mit dem Ergebnis noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat formale Gründe. Die Studie wurde bisher nur als Preprint online veröffentlicht. Sie durchläuft derzeit ein so genanntes Review-Verfahren bei einem wissenschaftlichen Journal, das heißt, sie wird von anderen Forschern begutachtet. Erst dann steht die Veröffentlichung an.

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Erstellt:
11. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2021, 06:00 Uhr

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