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Abschied

„Ukraine-Konflikt war das Intensivste“

Rüdiger von Fritsch verlässt als Botschafter Moskau und geht in den Ruhestand nach Schwäbisch Gmünd.

25.06.2019

Von LSW

Rüdiger von Fritsch war fünf Jahre Botschafter in Russland. Foto: Pavel Golovkin/dpa

Moskau/Schwäbisch Gmünd. Nur wenige waren so nah dran wie Rüdiger von Fritsch an den deutsch-russischen Beziehungen in ihren schwersten Zeiten seit Jahrzehnten. Fünf Jahre hat der Diplomat als Botschafter Deutschlands in Moskau Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Er traf auch Kremlchef Wladimir Putin immer wieder. Die Botschaft in Moskau ist mit rund 350 Mitarbeitern die größte deutsche Vertretung im Ausland. Ende Juni ist Schluss für den 65-Jährigen.

Der Diplomat war stets dabei, wenn es um konfliktgeladene Themen wie die Sanktionen der EU gegen Russland im Ukraine-Konflikt ging. „Das war das zweifellos Intensivste“, sagt er über seine Zeit in Russland kurz vor dem Abschied. Doch sei es bei allen Problemen immer darum gegangen, „auch Wege aufzuzeigen, wie wir vorwärts kommen können“. Sein Motto: „Wir dürfen nicht den Glauben an die Lösbarkeit von Problemen verlieren.“

Für ihn steht – nach Stationen als Botschafter in Warschau, als Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes und als Diplomat in Nairobi und Brüssel – die letzte Versetzung an: in den Ruhestand. Den wird er in Baden-Württemberg mit seiner Frau Astrid-Maria verbringen. Ihre fünf Kinder sind erwachsen. „Ich habe mich immer in Schwäbisch Gmünd verortet, deshalb werden wir dorthin zurückkehren. Es ist eine wunderbare Stadt mit wunderbaren Menschen, die dort leben.“

Von Fritsch wurde am 28. Dezember 1953 in Siegen geboren, besuchte aber vor dem Studium der Geschichte und Germanistik in Bonn und Erlangen die Internatsschule in Schloss Salem. Auch als Botschafter in Russland war er Baden-Württemberg stets verbunden. Bei Empfängen gab es nicht selten auch schwäbische Küche und immer baden-württembergischen Wein. Fast legendär sind die Empfänge für Prominente in der Botschaft oder in der prunkvollen Residenz. Gäste waren der Raumfahrer und Künzelsauer Ehrenbürger Alexander Gerst, der Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow sowie viele Menschenrechtler.

Ein großes Mosaik

„Gute internationale Beziehungen sind ein großes Mosaik, das ganz viele Steine einsetzt“, sagt von Fritsch über die Aussichten für eine Besserung der deutsch-russischen Beziehungen. „Das sind Städtepartnerschaften, das ist zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit, das ist der fantastische kulturelle Austausch, das ist wissenschaftliche Zusammenarbeit.“ Er habe trotz aller Probleme immer versucht, zu verstehen und zu erklären.

Deshalb hat er auch zum oft negativ besetzten Begriff Russland-Versteher eine klare Haltung: „Die Bundesregierung wäre schlecht beraten, wenn sie nicht jemanden nach Moskau schicken würde, der nicht wenigstens versucht, Russland zu verstehen. Verstehen heißt nicht rechtfertigen.“ Vize-Außenminister Wladimir Titow würdigte zum Abschied den „persönlichen Beitrag“ des Diplomaten für die bilateralen Beziehungen. Er werde Russland fehlen, sagte der prominente Außenpolitiker Konstantin Kossatschow. dpa

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Erstellt:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 06:00 Uhr

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