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„Dann wäre ich ins Gas gekommen“

Überlebende berichten im Auschwitz-Prozess

Am zweiten Tag im Prozess gegen einen mutmaßlichen KZ-Aufseher haben Opfer vom Grauen berichtet. Der Angeklagte schweigt weiter.

13.02.2016
  • DPA

Detmold. Im Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Detmold haben Überlebende gestern über willkürliche Erschießungen, Hinrichtungen am Galgen und Schikanen der SS berichtet. Eine Zeugin sprach von Leichenbergen, die sie auf dem Weg zur Lagerarbeit an den Krematorien gesehen habe.

Die drei ehemaligen Gefangenen im Alter zwischen 90 und 94 Jahren schilderten ihren Leidensweg vor dem Hintergrund ständigen Terrors und dem drohenden Tod in den Gaskammern. Angeklagt ist ein 94 Jahre alter ehemaliger Wachmann der SS. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe zum Mord in mindestens 170 000 Fällen vor.

Reinhold Hanning soll als Angehöriger des SS-Totenkopfsturmbanns Auschwitz im Stammlager eingesetzt gewesen sein. Damit habe er die Tötungsmaschinerie unterstützt, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Hanning schwieg auch am zweiten Prozesstag. Seine Verteidiger kündigten für einen späteren Zeitpunkt Erklärungen zu den Aussagen an. Möglicherweise werde sich auch Hanning selbst äußern.

Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda richtete das Wort direkt an ihn: „Es wäre schön, wenn Sie den Mut fassten, hier etwas zu sagen.“ Bislang hatte sich Hanning nur in seiner Vernehmung vor dem Prozess ansatzweise geäußert. Er bestreitet, an den Tötungen beteiligt gewesen zu sein.

Das Gericht hatte zunächst weitere Fragen an den Auschwitz-Überlebenden Leon Schwarzbaum gestellt. Er berichtete, wie geflüchtete Häftlinge von Hunden aufgespürt worden und ihre Leichen zur Abschreckung zur Schau gestellt worden seien. Anschließend rief das Gericht den 90-jährigen Justin Sonder in den Zeugenstand. Angst vor dem Wachpersonal sei allgegenwärtig gewesen: „Ich habe erlebt, wie Häftlinge erschossen wurden, weil sie aus der Reihe gelaufen sind.“

Die 92-jährige Erna de Vries entkam ihrer Schilderung zufolge nur knapp der Gaskammer. Sie sei kurzfristig von einem SS-Mann im Todesblock 25 für einen Transport ins Lager Ravensbrück ausgewählt worden. „Wenn er zehn Minuten später gekommen wäre, wäre ich ins Gas gekommen.“

In der kommenden Woche wird der Prozess mit weiteren Zeitzeugen fortgesetzt. Erwartet wird auch die Aussage eines Kriminalisten, der an den Ermittlungen gegen Hanning beteiligt war.

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13.02.2016, 08:30 Uhr
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