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Wagner

Übergänge wie aus dem Nichts

Daniel Barenboim dirigiert „Tristan und Isolde“ an der Staatsoper Unter den Linden mit äußerster Intensität.

27.02.2018

Von CHRISTOPH MÜLLER

Andreas Schager (Tristan) und Anja Kampe (Isolde). Foto: Monika Rittershaus

Berlin. Wohliger klingt er nie als in Richard Wagners „Tristan und Isolde“, der unausweichliche Übergang von unmöglicher Liebe zu nur noch möglichem Tod. Künstlich herbeigeführt durch einen Zaubertrank, der alles normale Wahrnehmen ausschaltet. Daniel Barenboim hat mittlerweile siebenmal eine „Tristan“-Produktion dirigiert – allein seit 1992, seinem Amtsantritt als Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden, viermal an seinem Stammhaus. Die Inszenierungen darf man getrost alle vergessen haben, nicht aber, was aus dem Orchestergraben tönt und die Sinne benebelt.

Hochromantischer Vollklang immer, doch jedesmal anders akzentuiert. Auch diesmal gewinnt die Neu-Inszenierung des braven russischen Mode-Regisseurs Dmitri Tscherniakov in einem geschniegelten Salon-Interieur wenig Profil. Das Personal versinkt vorzugsweise in bequemen Clubsesseln und lässt die kraftvoll durchhaltenden Sänger (Andreas Schager als Tristan und Anja Kampe als Isolde) fuchtelig Small-Talk über Liebesverrat und Hymnen an die Nacht plaudern.

Umso bedrohlicher und unergründlicher die Musik. Wagners genialste Oper nennt sich im Untertitel „Handlung in drei Aufzügen“. Eigentlich ist es nicht einmal eine Handlung, alles kommt aus dem Inneren von halluzinierenden Verlust- und Bindungsverängstigten, die mit einem gewöhnlichen Normalleben nicht zurechtkommen (wollen). Daniel Barenboim geht mit seiner exzellenten Staatskapelle in äußerste, das heißt innerste Intensitäts-Extreme. Berauschend, betörend, betäubend. Von ganz leise und langsam zu rasenden Ekstasen – die wie aus dem Nichts geborenen Übergänge machen den Zauber aus!

Schließlich geht es um die verheerenden Wirkungen einer todessüchtig gemeinsam eingenommenen Droge. Ein Delirium ohne Ende, unbewusst, höchste Lust. Ovationen. Berlin im Rausch zwischen Wahn und Wirklichkeit. Christoph Müller

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Erstellt:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 06:00 Uhr

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