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Menschenversuch Mobilfunk

Über die mögliche Gefährdung durch elektromagnetische Strahlen

Ob es ein Fluch oder Segen sei, immer online zu sein, ist für den Bisinger Umweltmediziner Harald Banzhaf gar keine Frage. In seinem gut besuchten Vortrag am Mittwoch im Hechinger Bildungshaus St. Luzen verglich er die Wirkung der Mobilfunkstrahlung mit Körperverletzung. Thorsten Ott, Informatiker und Baubiologe, ergänzte den Vortrag mit technischem Wissen.

30.01.2014

Von Susanne Mutschler

Hechingen. Der Balinger Arzt Harald Banzhaf ist Umweltmediziner. „Wenn ein Patient bei allen Fachärzten, Heilpraktikern und Geistheilern durch ist, kommt er zu mir“, erklärte er eingangs. Den rapiden Anstieg von Multisystemerkrankungen wie Burnout, Depressionen, psychische Frühverrentung oder chronische Erschöpfung brachte er in einen unmittelbaren Zusammenhang zur Dauerbelastung durch Mobilfunkstrahlung.

In Deutschland gibt es 114 Millionen Mobilfunkverträge. Im Schnitt besitzt jeder Bundesbürger 1,4 Handys. 96 Prozent aller Haushalte sind internetfähig, fasste er das Ausmaß der Alltagsbestrahlung zusammen. Ununterbrochen und gleichzeitig zu anderen Tätigkeiten in Internet zu sein, beweise alles andere als die Fähigkeit zum „Multitasking“. „Die Arbeitsleistung sinkt auf Kiffer-Niveau“, behauptete er. Außerdem mache das Internet abhängig und träge. „Der typische Deutsche bewegt sich nur noch 350 Meter am Tag.“

Seit 1991 ist Deutschland flächendeckend und mit den neuen UMTS- und GMS-Technologien leistungsstark mit Mobilfunk versorgt. Banzhaf zitierte Studien, die in der Umgebung von Mobilfunkmasten ein höheres Krebsrisiko nachweisen. Bei unter 20-Jährigen Langzeitnutzern sah er ein fast achtfach höheres Risiko, einen Hirntumor zu bekommen. „Mobilfunkstrahlung sollte als krebserregend eingestuft werden“, forderte der Umweltmediziner. Banzhaf, der für die kommenden Jahrzehnte eine epidemische Ausbreitung von Hirntumor-Erkrankungen prophezeite, fühlte sich angesichts der weit unterschätzten Bedrohung „wie David gegen Goliath“. Den als unbedenklich angesetzten Grenzwerten in Deutschland trauten weder er noch der Informatiker Thorsten Ott über den Weg. Sie seien so hoch wie nirgends in der Welt, warnten sie. Wissenschaftliche Studien, die keine schädigende Wirkung feststellen, seien meist von der Industrie finanziert.

„Mobilfunk ist der größte Menschenversuch aller Zeiten“, äußerte Banzhaf. Die Dauerbestrahlung schwäche das Immunsystem und setze den Körper unter Dauerstress, was Multisystemerkrankungen von Elektrosensibilität bis Krebs auslösen könne. Das in der Hosentasche getragene Handy verändere das Erbgut und schädige die Spermien. „Ist das die rezeptfreie Pille für den Mann?“, fragte er provokativ. Eine dänische Studie habe festgestellt, dass der Nachwuchs von Mäusen hyperaktiv und verhaltensgestört werde, wenn die trächtigen Mäusemütter bestrahlt wurden. Schwangere sollten keine Handys benutzen, warnte Banzhaf. Auch kleinen Kindern sollte seiner Meinung nach kein Handy in die Hand gegeben werden. „Die Strahlen dringen viel tiefer ins Gehirn als bei Erwachsenen“, sagte er.

Um das Risiko zu verkleinern, riet er neben Phasen von „Mobilfunk-Fasten“ zu „kabelgebundener Technik, wo?s geht“. Das Handy sollte nur im Freien benutzt und nicht am Körper getragen werden. Das schnurlose Telefon und der WLAN-Router, die als häusliche Basisstationen ununterbrochen Strahlen aussenden, sollten nachts ausgeschaltet werden. Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz empfehle, den Router nicht in der Nähe des Arbeitsplatzes zu positionieren, wusste Banzhaf.

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Erstellt:
30. Januar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Januar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2014, 12:00 Uhr

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