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Der Mensch ist kein guter Wirt

Über die Gefahren des Fuchsbandwurms

Zahlen vom Landkreis gibt es nicht, aber vom Land: 24 Fälle von Fuchsbandwurm – alveolärer Echinokokkose – beim Menschen 2011 in Baden-Württemberg, 23 Fälle waren es 2010.

12.07.2012

Von Ernst Bauer

Mössingen. Für Dr. Peter-Joachim Oertel, Chef des hiesigen Gesundheitsamts, keine besorgniserregenden Zahlen, wie er dem TAGBLATT gestern sagte, kein signifikanter Anstieg seit 2001. Davor waren es zwar nur sieben bis zehn Erkrankungen im Jahr. Doch die „alveoläre Echinokokkose“ ist auch erst seit 2001 meldepflichtig.

Wir haben Oertel wegen der zunehmenden Fuchsplage und möglicher Folgen in Mössingen befragt. 84 Anwohner des Gebiets oberhalb der KBF haben sich, wie berichtet, an die Stadtverwaltung gewandt, in größter Sorge nicht so sehr wegen der Füchse, sondern wegen des Fuchsbandwurms, der bei Menschen eine lebensgefährliche Infektion auslösen kann.

Wie sieht Oertel diese Gefahr? Es habe eine „Römerstein-Studie“ gegeben, sagt der Gesundheitsexperte; die ganze Bevölkerung sei in dieser Reutlinger Kreisgemeinde untersucht worden, und da habe man festgestellt, dass selbst bei Förstern oder Jägern, die häufig in Kontakt mit Füchsen kommen, die Krankheit ganz selten ausgebrochen sei. Der Fuchsbandwurm habe oft auch „den Umweg über Hund oder Katze genommen – der Mensch ist ein schlechter Wirt für ihn“; dies erkläre auch die deutlich geringere Erkrankungsrate.

Auf jeden Fall sei es so: „Die meisten Personen, die erkrankt sind, hatten in der Landwirtschaft zu tun, hatten Kontakt mit Hunden“; deshalb habe man auch empfohlen, Hunde und Hauskatzen halbjährlich zu entwurmen.

Ist Mössingen durch die verstärkte Zuwanderung von Füchsen ein Risikogebiet? „Das kann man nicht sagen. Sonst wäre Tübingen oder Bebenhausen auch Risikogebiet.“ In einer neueren Untersuchung, einer Studie von 2006/2007, sei auch festgestellt worden, dass es bisher kaum einen Zusammenhang zwischen Beerenverzehr und Fuchsbandwurm gibt, sondern es andere Übertragungswege seien.

Ist die Erkrankung nicht gerade wegen der langen Inkubationszeit von zehn bis 15 Jahren so gefährlich? „Ja, das ist so“, bestätigt Oertel; man könne die Infektion serologisch, durch die Antikörper-Reaktion, früher feststellen, aber bis die Krankheit ausbricht, könne es Jahre dauern. Eine tickende Zeitbombe? „Nein, der Mensch ist kein guter Wirt für den Fuchsbandwurm“, betont Oertel noch einmal. „Es kann genauso gut sein, dass das ausgeschieden wird.“ Die ganzen Zahlen müsse man „mit sehr viel Vorsicht interpretieren“; er selber kenne keinen einzigen Fall von Fuchsbandwurm hier, nur vom Hundebandwurm. Er habe mal eine Umfrage in hiesigen Kliniken gemacht.

Dr. Peter-Joachim Oertel, Leiter der Abteilung Gesundheit im Landratsamt Tübingen.

Hundehalter und Landwirte gelten als Risikogruppen. Vereinzelt konnten Antikörper nachgewiesen werden. Das Risiko einer Echinokokkose scheint in der Praxis aber eher gering zu sein“, heißt es in einem Infoblatt des Forstreviers Mössingen, das Revierleiter Joachim Kern für den Landkreis herausgebracht hat. „Mittlerweile dürfte Mössingen, wie viele andere Städte auch, flächendeckend von Füchsen bewohnt sein“ – der Prozess läuft, wie Kern gestern sagte, schon seit Jahren. Der Fuchs tauche selbst auf dem Friedhof auf – „es gibt natürlich eine Belästigung, keine Frage!“ Zahlenangaben seien jedoch „sehr schwierig“. Kern rät auf jeden Fall zu „hygienischer Vorsorge“ (stets Händewaschen). Und: „Selbstverständlich würde ich den Fuchsbau schließen, wenn er auf meinem Grundstück wäre!“

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Erstellt:
12. Juli 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Juli 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2012, 12:00 Uhr

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