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„Nachfrage, die nicht von den Anlegern kommt“

US-Unternehmen kaufen eigene Aktien – Börsenexperte Hirschmüller: Sehe keine Überhitzung

Die Kurse an der US-Börse steigen und steigen. Viele erwarten einen baldigen Crash. Der Stuttgarter Aktienexperte Roland Hirschmüller hält dagegen.

19.08.2016
  • KAREN EMLER

Stuttgart. Herr Hirschmüller, die US-Börse boomt. Manche Experten sehen das mit Sorge und schieben das darauf, dass vermehrt Unternehmen ihre eigenen Aktien zurückkaufen. Teilen Sie diese Ansicht?

ROLAND HIRSCHMÜLLER: Auf keinen Fall. Aktienrückkäufe sind in den USA ein alltägliches Phänomen. Das hängt damit zusammen, dass die USA wesentlich aktienaffiner sind als es beispielsweise Deutschland ist. Es gibt in Amerika viele Aktionäre, sei es über Pensionsfonds, eigene Sparpläne oder direkte Beteiligung als Mitarbeiter am Unternehmen.

Aktienrückkäufe verknappen das Angebot, treiben die Kurse. Dient das in erster Linie dazu, das eigene Unternehmen attraktiv zu halten?

HIRSCHMÜLLER: Genau, es wird dadurch eine Nachfrage erzeugt, die nicht von den Anlegern kommt, sondern vom Unternehmen selbst. Es kann dazu dienen, dass der Kurs in Schwächephasen ein bestimmtes Niveau hält oder in steigenden Phasen der Kurs in Bewegung kommt. Es hat noch einen weiteren Nebeneffekt.

Und der wäre?

HIRSCHMÜLLER: Das Unternehmen zieht Aktien vom Markt ab, es sind folglich weniger im Umlauf. Dadurch steigt der Gewinn pro Aktie, weil die Gewinnausschüttung des Unternehmens auf frei im Umlauf befindliche Aktien verteilt wird.

Ein besseres Kurs-Gewinn-Verhältnis wiederum steigert die Anziehungskraft einer Aktie.

HIRSCHMÜLLER: Das wird dann besonders interessant, wenn ein Unternehmen einen sinkenden oder nur stagnierenden Gewinn ausweist. Das ist mit Blick auf Konkurrenten oder auf die Entwicklung an anderen Märkten wichtig.

Aber eigentlich stellt sich doch das Unternehmen gegenüber dem Anleger besser hin als es ist. Halten Sie das für vertretbar?

HIRSCHMÜLLER: In den USA wird diese Strategie seit langem verfolgt, die großen institutionellen Anleger fordern das sogar teilweise ein. Kritisch wird das nur, wenn Aktienrückkäufe mit Fremdkapital finanziert werden.

Also machen Unternehmen Schulden, um ihre eigenen Aktien zu kaufen?

HIRSCHMÜLLER: Das gibt es durchaus. Wenn ein Wettbewerber beispielsweise Aktien zurückkauft, will man mitziehen, auch wenn man das Geld dafür eigentlich nicht hat. In der momentanen Niedrigzinsphase ist das für die meisten Unternehmen auch kein Problem. Denn die Nachfrage nach Unternehmensanleihen ist zurzeit hoch. Weil die Schulden aber erst in fünf bis zehn Jahren beglichen werden müssen, kann das zum Problem werden, wenn die Zinsen dann nicht mehr so niedrig sein sollten wie derzeit.

Wie verbreitet ist die Finanzierung durch Fremdkapital?

HIRSCHMÜLLER: Der Anteil soll zurzeit recht hoch sein. Das darf nicht aus dem Ruder laufen.

Steht der Aktienmarkt in den USA auf der Kippe?

HIRSCHMÜLLER: Nein, die Kurse sind zwar deutlich gestiegen, aber das geschah ohne große Überhitzungserscheinungen. Im Gegenteil, vielfach ist zu hören, dass der Crash bevorstehe und dass Aktien somit uninteressant seien. Insofern stehen noch viele Pessimisten am Rand und schauen dem Kursanstieg zu. Erst, wenn diese auch auf den Zug aufspringen, wird es bedenklich.

Wie sieht ein ideales Depot aus?

HIRSCHMÜLLER: Es darf durchaus aktienlastig sein. Dabei kann sich ein Blick auf Rohstofftitel und dividendenstarke Titel lohnen. Es gibt US-Unternehmen, die zurzeit 3 bis 3,5 Prozent Dividendenrendite aufweisen. Ähnliche Beispiele findet man aber auch im Dax.

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19.08.2016, 06:00 Uhr
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