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Twittern statt Prügeln
Ganz Unten

Twittern statt Prügeln

01.12.2015
  • ANDREAS SPENGLER

Verfechter klassischer Umgangsformen preisen den Brief als nobelstes Kommunikationsmittel. Goethe schwadronierte einst: "Briefe gehören unter die wichtigsten Denkmäler, die ein Mensch hinterlassen kann." Doch heutzutage sind die Menschen meist am Simsen und Twittern oder sie schicken Smileys. Der offensichtliche Ursprung dieser Sittenverrohung lässt sich eindeutig datieren: In den heißesten Tagen des Kalten Krieges, im Sommer 1962, als die Sowjets samt Atomraketen auf Kuba saßen und die USA zum Handeln verdammt waren; da zeigte sich, welche Gefahr das Briefeschreiben in sich bergen kann.

Bei allen noblen Sitten und Manieren: Briefe in dieser Situation hätten die Welt in einen Atomkrieg führen können. US-Präsident John F. Kennedy und Russlands Regierungschef Nikita Chruschtschow mussten ihre schöngeistige Ader mal eben den Erfordernissen der Weltpolitik unterordnen. Es musste schnell gehen! Das damals schnellste Medium war das Radio. Chruschtschow nutze es in letzter Sekunde, um den Abzug der sowjetischen Truppen bekannt zu geben - Aufatmen allenthalben.

Doch keiner der Mächtigen hätte sich damals ausmalen können, dass nur ein halbes Jahrhundert später Regierungschefs über die Onlineplattform Twitter kommunizieren würden. Jede Regierung, die etwas auf sich hält, tut das inzwischen, oft mit reichlich Feingefühl. Jüngstes Beispiel: Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras erklärte am Sonntag via Twitter dem türkischen Premierminister Ahmet Davutoglu: "Glücklicherweise sind unsere Piloten nicht so nervös wie eure gegenüber den Russen."

Hintergrund: Die Türkei soll in diesem Jahr 1600 Mal den griechischen Luftraum verletzt haben, das berichten griechische Medien.

Später ruderte Tsipras zurück: Der öffentliche Post sei nur ein Versehen gewesen. Zum Glück reagierte die Türkei via Twitter besonnen: "Lass uns auf unsere positive Agenda fokussieren", kommentierte Davutoglu nach dem EU-Sondergipfel. Vielleicht hatte der Türke auch die Worte eines mittelalterlichen Religionsphilosophen im Kopf, der einst weise formulierte: "Wenn sich Prügel schreiben ließen, würdest du einen langen Brief von mir bekommen."

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01.12.2015, 08:30 Uhr
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