Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Twitter sucht nach einer Geldmaschine
Auch US-Präsident Barack Obama verbreitet sich über den Nachrichtendienst Twitter. Doch Geld verdient der Dienst damit nicht. Foto: Imago
Mitgründer Jack Dorsey hat bei Investoren die Vorschusslorbeeren aufgebraucht

Twitter sucht nach einer Geldmaschine

Nach zehn Jahren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit verdient Twitter immer noch kein Geld - und jetzt versiegt auch noch der Zustrom neuer Nutzer. Die Wall Street prügelt die Aktie in den Kurskeller.

12.02.2016
  • DPA

San Francisco. Twitter hat die Welt verändert - und scheitert gerade vor aller Augen beim Versuch, ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen. Die Ergebnisse des vergangenen Vierteljahrs offenbaren, wie tief die Probleme beim Kurznachrichten-Dienst gehen. Die Zahl aktiver Nutzer, die zuletzt von Quartal zu Quartal noch ein wenig zulegte, ging erstmals zurück. Der Umsatz steigt zwar schnell - aber die Kosten wachsen immer noch schneller, die Verluste stapeln sich auf mehr als 1 Mrd. Dollar (0,88 Mrd. EUR) in den vergangenen zwei Jahren.

Die Entwicklung zeichnete sich bereits ab, als Mitgründer Jack Dorsey im vergangenen Sommer an die Firmenspitze zurückkehrte, zunächst als Zwischenlösung, dann fest. Der Mann, der als Erfinder des Twitter-Prinzips gilt, wurde mit Vorschusslorbeeren überschüttet. Die Investoren und Twitter-Partner hofften, Dorsey werde als Produktvisionär alles wieder ins Lot bringen. Ein halbes Jahr später fängt Dorsey erst an, Twitter wieder seinen Stempel aufzudrücken. Und es bleibt offen, ob eine Gewichtung der Tweets nach einem Relevanz-Algorithmus oder eine neue Struktur für Antworten auf Nachrichten die Lösungen sind, die Twitter voranbringen.

"Unsere Arbeit wird Zeit brauchen", räumte Verwaltungsratschef Omid Kordestani ein, der lange Jahre Top-Manager bei Google war. Versiegt der Zustrom neuer Nutzer, kann das zu einem großes Problem für Twitter werden - denn es gibt Grenzen dafür, wie viel Werbung man den bestehenden Mitgliedern zumuten kann. In den Anfangszeiten verzichteten die Gründer ganz auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Jetzt tauchen zumindest in den offiziellen Apps von Twitter und der Web-Version von Unternehmen bezahlte Tweets auf - zum Ärger gerade vieler "Power-User" wie Journalisten oder Politiker, die kein Interesse daran haben.

Dorsey steht vor Grundsatz-Fragen: Soll Twitter weiter versuchen, bei den Nutzerzahlen Facebook nachzujagen - oder akzeptieren, dass es verglichen mit dem weltgrößten Online-Netzwerk auch nur ein "Nischen"-Dienst für einige hundert Millionen Menschen sein kann? Soll man noch mehr "promoted Tweets" in den Nachrichtenstrom der Nutzer packen - oder gibt es auch andere Wege, Unternehmen Geld abzuknöpfen? Und was bedeutet der nur noch auf rund 10 Mrd. Dollar (8,8 Mrd. EUR) geschrumpfte Börsenwert für die Eigenständigkeit zwischen den Giganten der Internet-Branche?

"Twitter geht durch eine Identitätskrise", schrieb jüngst der Gründer der auf soziale Netze spezialisierten Medienagentur Deep Focus, Ian Schafer, in einem Gastbeitrag beim Technologieblog "Recode". Er plädierte dafür, dass Twitter über ein intelligentes Daten-Geschäft nachdenkt, statt die Timelines einfach nur immer weiter mit Werbung zu fluten. "Twitter ist eine Plattform wie keine andere, weil es genug Echtzeit-Informationen hat, die über 300 Millionen aktiven Nutzern zugeordnet werden können."

Twitter hat nach dem Start vor zehn Jahren etwas geschaffen, was es bei aller Entwicklung des Fernsehens und Online-Medien so noch nie gab: Einen Kanal mit globaler Reichweite, in dem jede Nachricht binnen Sekunden von allen gesehen werden kann. Zapft man den Twitter-Strom an, ist es als würde man Millionen Menschen gleichzeitig sprechen können. Doch die Pflege der Quellen, denen man in einer "Timeline" folgt, ist keine banale Aufgabe. Damit hängt die Latte für alle Anwender ziemlich hoch, die auf Twitter nicht beruflich angewiesen sind. "Vielleicht ist es Twitter einfach nicht dafür gedacht, die populärste Band in der Welt zu sein", gab der Medienunternehmer Anil Dash in der "New York Times" zu bedenken. "Vielleicht sollte es eher Pearl Jam als U2 sein."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.02.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular