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Türkische Panzer in Syrien
Angriff im Morgengrauen: Ein türkischer Panzer unterwegs in Richtung Syrien. Foto: afp
Präsident Erdogan will mit Offensive „Schlusspunkt“ setzen

Türkische Panzer in Syrien

Türkische Truppen haben die Grenze zu Syrien überquert. Offiziell gilt der Einsatz dem IS. Doch auch die Kurden, Verbündete der USA, sind im Visier.

25.08.2016
  • MARTIN GEHLEN

Ankara. Vier Tage nach dem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft im osttürkischen Gaziantep hat die Türkei am Mittwoch früh mit einer bisher beispiellosen Militäroffensive im Nordwesten Syriens begonnen. Der Angriff richte sich gegen die Terrororganisation IS und die syrische Kurdenmiliz YPG. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der am gleichen Tag mit US-Vizepräsident Jo Biden zusammentraf, sagte: „Wir müssen einen Schlusspunkt setzten hinter die Probleme an der Grenze.“ Mit Blick auf das Unabhängigkeitsstreben der syrischen Kurden fügte Erdogan hinzu, die Türkei sei entschlossen, die territoriale Einheit Syriens zu erhalten.

Am frühen Morgen überquerten mehr als ein Dutzend Panzer und Artillerieeinheiten die Grenze und nahmen mit F-16-Kampfjets das syrische Dscharablus unter Feuer. Die Grenzstadt befindet sich in Hande des IS und ist der letzte größere Nachschubkorridor der Dschihadisten für ihr „Islamisches Kalifat“ und dessen Zentrale in Rakka. In Dörfern rund um Dscharablus gibt es bereits heftige Kämpfe mit den Gotteskriegern. In einer zweiten Phase der Operation „Schutzschild Euphrat“ wollen türkische Spezialeinheiten und syrische Rebellen der „Freien Syrischen Armee“ dann in die Wohnviertel vordringen, um die Dschihadisten zu vertreiben. Alle Landsleute in Karkamis, das auf türkischer Seite Dscharablus gegenüber liegt, wurden aufgefordert, ihre Häuser zu räumen und sich im Hinterland in Sicherheit zu bringen.

Zuvor hatte Außenminister Mevlut Cavusoglu angekündigt, man werde die gesamte Grenzregion zum „Islamischen Kalifat“ von Extremisten säubern. Was immer dazu notwendig sei, werde getan. Der syrischen Kurdenpartei PYD und ihren YPG-Milizen warf er vor, den Kampf gegen den IS nur als Vorwand zu benutzen, um ein eigenes Herrschaftsgebiet in Syrien aufzubauen. „Wir werden diese geheime Agenda durchkreuzen“, sagte Cavusoglu, der damit auf eine ähnliche Militäroperation gegen das grenznahe Manbidsch anspielt. Die Stadt war erst vor kurzem nach dreimonatigen Kämpfen durch kurdische YPG-Einheiten und arabische Truppen vom IS befreit worden, die aus der Luft von US-Kampfjets unterstützt wurden. Wie Dscharablus spielte auch Manbidsch, wo die Terroranschläge in Paris und Belgien geplant wurden, für den IS-Nachschub eine entscheidende Rolle. Die PYD, deren YPG-Milizen auf syrischem Boden mit den USA kooperieren, ist eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei sieht beide Kräfte als Terrororganisationen an. Sie will unter allen Umständen verhindern, dass an ihrer Südgrenze ein zusammenhängendes, autonomes Machtgebiet der Kurden entsteht.

Im Blick auf Syriens Diktator Baschar al-Assad dagegen scheint es in Ankara zum ersten Mal seit mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg ein Umdenken zu geben. Zuletzt räumte Regierungschef Binali Yildirim ein, Assad sei einer der „Akteure“ in Syrien und könne möglicherweise bei einer Übergangsführung zunächst im Amt bleiben. Gleichzeitig bot er Russland eine Kriegsallianz gegen den IS an. Niemand solle sich wundern, wenn es beim Thema Syrien bald „bedeutende Entwicklungen“ gebe.

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25.08.2016, 06:00 Uhr
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