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Türkei erwartet Zugeständnisse
Ministerpräsident Binali Yildirim: Zurück zur Tagesordnung. Foto: Sven Hoppe/dpa
Diplomatie

Türkei erwartet Zugeständnisse

Nach der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel strebt die Regierung in Ankara die Wiederaufnahme der Rüstungsgeschäfte und gegenseitige Staatsbesuche an.

19.02.2018
  • STEFAN KEGEL

Berlin. Immer wieder hat die deutsche Seite beteuert, für die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Haft werde es keine Gegenleistung geben. Doch genau das verlangt Ankara jetzt: normale Beziehungen – mit allem. Die Regierung in Ankara sieht nun keinen Hinderungsgrund mehr, die Waffengeschäfte mit Deutschland wieder aufzunehmen. Sie waren nach dem Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien weitgehend gestoppt worden. Es müsse nun darum gehen, als Nato-Partner zusammenzuarbeiten, erklärte Ministerpräsident Binali Yildirim. Auch für ein Geschäft wie den Bau des türkischen Panzers „Altay“ mithilfe des deutschen Konzerns Rheinmetall sieht die türkische Seite keine Probleme. „Die Maschinen kommen aus Deutschland, einfache Teile würden in der Türkei hergestellt“, erklärte der Regierungschef. Rheinmetall hat für die Produktion des Panzers ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem türkischen Konzern BMC gegründet.

Lieferstopp nach Offensive

Die gestoppte Nachrüstung von Leopard-II-Panzern aus deutscher Produktion, die einen Schutz vor Minen erhalten sollten, bereitet Yildirim nach eigenen Angaben kein Kopfzerbrechen. Dann werde dieser Auftrag eben an ein anderes Unternehmen vergeben.

Auch auf diplomatischer Ebene werde nach der Freilassung Yücels wieder Normalität einkehren, erwartet der türkische Regierungschef – etwa Staatsbesuche in Berlin. „Präsident Erdogan wird kommen und Frau Merkel, die Bundeskanzlerin, wird in die Türkei kommen“, kündigte Yildirim an.

Der „Welt“-Journalist Yücel war am Freitag nach einem Jahr Haft aus dem Gefängnis Silivri entlassen und mit einer Chartermaschine nach Deutschland geflogen worden. Er reiste aber umgehend weiter. Am Samstag postete der 44-Jährige auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto, das ihn kurzärmelig – offenbar in wärmeren Gefilden – mit seiner Frau Dilek und acht Begleitern zeigt. „Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden“, schrieb er.

Die Staatsanwaltschaft in der Türkei verlangt wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung bis zu 18 Jahre Haft gegen ihn. In einer Videobotschaft verkündete Yücel am Freitagabend: „Ich weiß immer noch nicht, warum ich vor einem Jahr verhaftet wurde, genauer, warum ich vor einem Jahr als Geisel genommen wurde – und ich weiß auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde.“ Natürlich freue er sich, „aber es bleibt etwas Bitteres zurück“.

Stefan Kegel

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19.02.2018, 06:00 Uhr
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