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Tückische Metaphern
Au Backe, zu schwer? Das Englisch-Abitur hat viele Schüler im Südwesten verärgert. Foto: Felix Kästle/dpa
Abitur

Tückische Metaphern

War das Englisch-Abi unfair, wie eine Petition kritisiert? Laut Ministerium war es tatsächlich anspruchsvoller als zuletzt. Das werde berücksichtigt.

27.04.2018
  • ANDREA TRAJANOSKA

Stuttgart. Mehr Unterschriften als Abiturienten: Die Online-Petition „Englisch Abitur 2018 Baden-Württemberg unfair!“ hat inzwischen schon etwas mehr als 33 500 Unterstützer – so viele Abiturienten gibt es in diesem Jahr im Südwesten. Forderungen nach einem Zentralabitur werden lauter. Doch war die Englisch-Prüfung wirklich zu schwer? Das Kultusministerium hält die Aufregung für überzogen.

Die Aufgaben der Abiturprüfung stammen laut Kultusministerium aus dem länderübergreifenden Aufgabenpool des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) der Kultusministerkonferenz. „Das Niveau der Textvorlage wurde in einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe von 16 Bundesländern als angemessen und gut machbar bestätigt“, heißt es beim Ministerium. Der Teufel liegt aber womöglich im Detail.

Henry Roth versus Abiturienten

Viele Schüler fanden die Aufgabe unfair, vor allem im Vergleich zu früheren Jahren. Die umstrittene Textpassage aus Henry Roths 1934 erschienenem Roman „Call It Sleep“ wurde den Abiturienten zum Verhängnis. Laut der Online-Petition handelte es sich bei der Analyse-Aufgabe um den schwierigsten Absatzes des Textes: eine metaphorische Beschreibung der Freiheitsstatue, die auch mit Hilfe des einsprachigen Wörterbuches nur schwer zu erschließen gewesen sein soll. Auch die missverständliche Fragestellung habe die Schüler zusätzlich verunsichert.

Der Landeselternbeirat forderte vom Ministerium daher, besondere Sorgfalt walten zu lassen und künftig auf präzisere Formulierungen der Prüfungsfragen zu achten. Bernd Saur, Landeschef des Philologenverbandes und Englischlehrer an einem Ulmer Gymnasium hingegen mahnt zu Gelassenheit. „Ich möchte die Schüler bitten, die Ergebnisse abzuwarten – da wird niemand in die Pfanne gehauen.“

Nach den Beschwerden wurden auf Bitte des Ministeriums drei externe Fachberater herangezogen, um die Aufgaben zu überprüfen. Diese seien Beamte der Schulaufsicht mit langjähriger Unterrichts- und Abiturerfahrung im Fach Englisch und waren nicht mit der Auswahl- und Erstellung der Abituraufgabe befasst, wie das Ministerium auf Nachfrage mitteilt.

Das Ergebnis der Experten: Die Aufgaben im Fach Englisch 2018 waren zwar anspruchsvoller als in den Jahren zuvor – jedoch in der vorgegebenen Zeit gut machbar, wie eine Sprecherin des Ministeriums betont. Zumal in Mecklenburg-Vorpommern derselbe Text im Abi verwendet worden sei – eine ähnliche Reaktion der Abiturienten im Nordosten blieb aus.

Allerdings: Die Bearbeitungszeit von 330 Minuten ist dort fast doppelt so lang wie die der Abiturienten in Baden-Württemberg mit nur 180 Minuten. Außerdem dürfen die Mecklenburger zum einsprachigen Wörterbuch noch ein zweisprachiges (Englisch/Deutsch) nutzen. Ein schiefer Vergleich, der Abiturienten im Land sauer macht.

Im Ermessen der Korrektoren

Wie die Prüfung gelaufen ist, bleibt abzuwarten. „Den Schülerinnen und Schülern rate ich, ihren Fähigkeiten zu vertrauen und jetzt in Ruhe die Prüfungsergebnisse abzuwarten. Dabei habe ich auch vollstes Vertrauen in die Lehrkräfte, dass sie ihren Ermessensspielraum bei der Korrektur verantwortungsvoll und ausgewogen ausschöpfen werden“, sagt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU).

Von der Reaktion der Ministerin enttäuscht, starteten die „Abiturienten 2018“ gleich zwei weitere Petitionen. Die eine mit der Forderung nach einem Zentralabitur – und die andere Petition mit dem „Rücktritt von Dr. Susanne Eisenmann als Kultusministerin für Baden-Württemberg“. Letztere hat derzeit knapp über 1500 Unterschriften gesammelt.

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27.04.2018, 06:00 Uhr
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