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Nach den Sternen greifen

Tübinger Musikschule feierte ihr 60-jähriges Bestehen im Uni-Festsaal mit Gustav Holsts „Planeten“-Suite

Das 60-jährige Bestehen feiert die Tübinger Musikschule mit 60 Konzerten durchs gesamte Jahr. Beim Hauptkonzert am Sonntag war der Festsaal mit über 900 Zuhörern ausverkauft.

13.10.2015
  • Achim Stricker

Tübingen. Sie gilt seit Jahrzehnten als erfolgreichste Musikschule Deutschlands. 1955 von Helmut Calgéer gegründet, wurde sie zum bewunderten Erfolgsmodell und vielgerühmten Talentschmiede. Nach wie vor kommt etwa ein Drittel aller Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ aus Baden-Württemberg, die meisten davon stellt die Region Tübingen.

Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule – liebevoll „Sinfo“ genannt – hat unter seinem Leiter Kiril Stankow und dessen Vorgänger Ulrich Kern manches symphonische Schwergewicht gestemmt, das auch gestandene Profi-Orchester schwitzen lassen würde: Bruckner, Mahler, Schostakowitsch. Nun dirigierte Stankow das Sinfo bei einem Monumentalwerk mit galaktischen Dimensionen: der „Planeten-Suite“ des englischen Spätromantikers Gustav Holst.

Die Partitur verlangt eine gigantische Besetzung, darunter sechs Hörner, drei Harfen und fünf Schlagwerker, außerdem seltene Orchesterinstrumente wie Bass-Querflöte und Euphonium. Zusammen mit ehemaligen Mitgliedern kam das erweiterte Sinfo am Sonntag auf gut 70 Musiker/innen.

Zum Konzert gab es einige Geburtstagsgeschenke. So hatte Florist Michael Reibold für die Bühne einen großzügigen Blumenschmuck gestiftet. Oberbürgermeister Boris Palmer hieß in seinem Grußwort ganz besonders herzlich Hildegard Calgéer willkommen, die Witwe Helmut Calgéers. Der Tübinger Ehrenbürger, Musikschulleiter und Uni-Kulturreferent hatte bis zu seinem Tod 2010 das musikalische Leben der Stadt über fünf Jahrzehnte geprägt.

Palmer brachte gute Neuigkeiten: Nächste Woche will er einen Entwurf in den Gemeinderat einbringen über die Sanierung der Musikschule oder einen Neubau. 1,75 Millionen Euro hat der Gemeinderat dafür zugesichert. Aktuell wird die Musikschule jährlich mit mehr als 1,2 Millionen Euro Zuschüssen gefördert.

Musikschulleiter Ingo Sadewasser dankte in seinem Grußwort für die Kommunalisierung der Musikschule 2014, „ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk“. Und der Fördervereins-Vorsitzende Michael Haufler überreichte dem Jubilar einen Scheck über 10 000 Euro.

Mit Holsts 50-minütigen „Planeten“ (1914-1916) legte das Sinfo einen weiteren großen Wurf in staunenswert professioneller Klangqualität vor, übertraf sich noch an explosiver Energie und emotionaler Intensität. Die bombastischen Tutti-Stellen rissen das Publikum in ekstatischen Crescendo-Wellen mit. Die ungeheuer effektvoll instrumentierte Partitur hatte nicht zuletzt einen enormen Einfluss auf Filmmusik – bis hin zu „Harry Potter“.

„Mars, der Kriegsbringer“ mit insistierendem Puls, die Streichersaiten mit dem Bogenholz geschlagen, krachend detonierende Pauken- und Trommelschläge, drohend heraufziehende Blechbläser. In der Coda nahm Stankow das Tempo unerwartet stark zurück, ließ den Kriegsgott in schwerelosem Gleitflug durch die Lüfte ziehen, um dann umso vehementer in die berstenden Schlussakkorde niederzustürzen. Darauf „Venus, die Friedensbringerin“ mit lieblich schmelzendem Violin-Solo (Konzertmeisterin Annika Starc) und schwelgerischem Solo-Horn (Nick Rambow). „Merkur, der geflügelte Bote“ drehte gaukelnd seine quecksilbrigen Pirouetten. „Jupiter, Bringer der Fröhlichkeit“ brach aus in überschwängliches homerisches Gelächter in festlichem Blechbläser-Glanz.

Mit den hypnotisch pendelnden Akkorden, Röhrenglockenschlägen und ehrfürchtig schweren Posaunen-Schritten von „Saturn, Bringer des Alters“ wechselt die Suite ins Metaphysische. „Uranus, der Magier“ entfesselte einen wirbelnden Spuk aus grotesk daherstelzenden Fagott- und Xylophon-Figuren. Sagenhaft die hochdifferenziert übers Paukenfell geschleuderten Schlagfolgen. Das Finale „Neptun, der Mystiker“ endet mit sechsstimmigem Frauenchor „aus der Ferne“.

Der Schülerchor des Lessing-Gymnasiums Neubrandenburg (Leitung: Antje Gröhl), Stankows ehemaliger Schule, sang draußen im Foyer. Ein selbstbewusst ätherischer Schluss für eine so opulente Orchesterpartitur, mit einem verklingenden Chor in der Weite des Raums zu verschwinden. Zum begeisterten Beifall erhoben sich die Zuhörer, allen voran die anwesenden Gemeinderats-Mitglieder.

Tübinger Musikschule feierte ihr 60-jähriges Bestehen im Uni-Festsaal mit Gustav Holsts
Große Besetzung auf der Festsaal-Bühne: Kiril Stankow (am Pult) dirigiert das Sinfo der Tübinger Musikschule beim Jubiläumskonzert in der Neuen Aula. Bild: Metz

Das Jugendsinfonieorchester spielt Holsts „Planeten“ noch in zwei Familienkonzerten im LTT am nächsten Sonntag um 15 und 17 Uhr. Am Dienstag, 20. Oktober, musiziert das Orchester des Aixer Konservatoriums auf Einladung der Musikschule um 19.30 Uhr in der Stiftskirche Mendelssohns Violinkonzert e-moll und Beethovens Siebte Symphonie.

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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