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Mobile Zahnärzte für Sansibar

Tübinger Hilfsorganisation eröffnet ihr erstes Camp in Afrika

Die Tübinger Hilfsorganisation „Go for Zanzibar“ setzt sich für die Menschen auf Sansibar ein. Im Juli öffnete dort das erste mobile Zahnarzt-Camp, das die zahnmedizinische Versorgung der Inselbewohner sichern soll.

15.08.2011

Von Lena Kasper

Tübingen. Der tansanische Teilstaat Sansibar liegt im Indischen Ozean und ist bekannt für seine schönen Sandstrände und Korallenriffe. Doch Tansania gehört mit seinen Inselgruppen auch zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Tübingerin Antje Fleischer hat selbst einige Jahre auf Sansibar gelebt. Im Alter von zwei Jahren kam sie auf die Insel, vier Jahre später kehrte sie nach Deutschland zurück. Die schlechten Zustände, die sie auf der Insel erlebte, motivierten die heute 42-Jährige dazu, gemeinsam mit ihrem Mann Mario Müller, die Hilfsorganisation Go for Zanzibar (Goza) zu gründen. „Wir reisen oft zusammen nach Sansibar, da ich dort Freunde und Bekannte habe. Als wir vor zwei Jahren dort waren, wurde mir bewusst, dass wir nicht nur als Touristen auf die Insel kommen können?, sagt Fleischer. Sie wollte etwas von dem, was sie hat, an die hilfsbedürftigen Leute abgeben.

Die Organisation ist seit der Gründung im Mai 2010 sehr schnell gewachsen und Goza habe schon viele Dinge im Kleinen auf Sansibar bewegt, sagt Antje Fleischer. Zu den Schwerpunkten der Hilfe gehört die Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Als sich Kristin Kunze, eine Kölner Zahnärztin im Ruhestand, bei der Organisation meldete und ihre Hilfe anbot, kamen Fleischer und Müller auf eine Idee: Mobile Zahnarzt-Camps für Sansibar. Denn eine flächendeckende, zahnmedizinische Versorgung gibt es dort nicht.

Drei Zahnärzte

für eine große Stadt

In der Stadt Sansibar arbeiten nur drei ausgebildete Zahnärzte. Ein Großteil der 1,5 Millionen Einwohner lebt nicht in der Nähe der Stadt, sondern weit entfernt auf dem Land. Für dies Landbevölkerung ist es also schwer, einen Zahnarzt zu erreichen. Die Behandlung besteht für die meisten Inselbewohner daraus, dass schmerzende Zähne gezogen werden. Zahnersatz oder Aufklärung über Mundhygiene sind dem Großteil der Bevölkerung unbekannt.

Um das zu ändern, organisierte Goza zusammen mit der tansanischen Hilfsorganisation „Zanzibar Outreach Program? (Zop) das erste zahnmedizinische Camp. Es öffnete Ende Juli auf Unguja, der größten Insel des Sansibar-Archipels. Zusammen mit zwölf lokalen Helfern behandelte die Zahnärztin Kristin Kunze einen Tag lang Bewohner aus dem Dorf Matemwe und Umgebung. Das Camp sei ein voller Erfolg gewesen, sagt Fleischer. 108 Patienten konnte an diesem Tag geholfen werden. Insgesamt können in einem solchen Camp zwischen 150 und 200 Menschen versorgt werden, für die Patienten ist die Behandlung kostenlos.

Die Grundausstattung des Camps und die laufenden Kosten, wie etwa der Transport des medizinischen Personals und deren Verpflegung, konnte die Organisation Goza durch Spendengelder bezahlen. Ein zweite mobile Zahnarztpraxis soll bald auf der Insel Pemba öffnen. Auch für dieses Camp hat die Hilfsorganisation die Geräte und Medikamente bereits organisiert.

Jährlich soll es acht Zahnarzt-Camps auf Sansibar geben, einen Tag lang werden dann weitab der Stadt lebende Menschen von einem Zahnarzt untersucht und behandelt. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, braucht Goza die Unterstützung von weiteren Zahnärzten. „Wenn jemand beispielsweise einen Urlaub auf Sansibar plant, könnte er drei Tage davon für das Projekt verwenden?, sagt Fleischer.

An einem der Tage würde er dann in der mobilen Praxis arbeiten, an den anderen beiden könne er Weiterbildungen für das lokale, zahnmedizinische Personal geben. „Damit dieses Projekt nachhaltig wird. Wir wollen schließlich keine Abhängigkeit schaffen, sondern den Menschen Selbstständigkeit vermitteln?, sagt Antje Fleischer. Das sei ein langsamer Prozess, der noch zehn Jahre oder länger dauern könne. Für das Projekt auf Sansibar sucht die Hilfsorganisation nicht nur Zahnärzte, auch ausgebildete Zahntechniker seien sehr wichtig. „Eine Zahnarzthelferin kann ebenfalls viel ausrichten?, sagt Fleischer. Helferinnen können beispielsweise Kinder darin unterrichten, wie wichtig es ist, auf Zahnhygiene zu achten.

Zwei- bis dreimal im Jahr reisen die Goza-Gründer nach Sansibar. Die Reisekosten zahlen sie privat, Spendengelder werden dafür nicht angetastet. „Das ist uns sehr wichtig. Eine Hilfsorganisation wie unsere muss transparent und seriös sein.?

Fleischer hofft auf weitere Unterstützung mit Sachmitteln und Geldspenden, aber auch die persönliche aktive Hilfe sei sehr wichtig: „Sansibar ist wunderschön. Wir würden uns freuen, wenn wir noch mehr Zahnärzte und medizinisches Personal für das Projekt gewinnen könnten.?

Info: Goza bittet um Sach- und Geldspenden für die Projekte. Spendenkonto: Go for Zanzibar e.V., Kreissparkasse Tübingen, BLZ: 64150020, Kontonummer: 3333774. Weitere Informationen über Goza und deren Projekte unter www.goforzanzibar.org

Antje Fleischer, Gründerin der Organisation Go for Zanzibar, und der tansanische Arzt Nautal Mohamed auf dem Weg zur Insel Pemba. Privatbild

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Erstellt:
15. August 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. August 2011, 12:00 Uhr

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