Verhängnisvolle Faulheit

Tübinger Forscher fühlten King Kong auf den Zahn

05.01.2016

Von MADELEINE WEGNER

Größenvergleich eines Riesenaffen mit einem Menschen. Foto: H. Bocherens, Senckenberg HEP

Nachdem King Kong in New York herumwütet, auf das Empire State Building klettert und angeschossen in die Tiefe stürzt, sagt Robert Armstrong: „Schönheit hat die Bestie getötet.“ So ganz richtig lag er damit nicht in dem Film-Klassiker von 1933. Das fanden nun Tübinger und Frankfurter Forscher der Senckenberg Institute heraus, die das Aussterben des Riesenaffen Gigantopithecus untersucht haben.

Ergebnis: Die mit einer Höhe von bis zu drei Metern vermutlich größten Affen der Erdgeschichte sind ausgestorben, weil sie nicht anpassungsfähig genug waren. Für diese Erkenntnis mussten die Wissenschaftler dem Affen gehörig auf den Zahn fühlen und fossile Zahn-Funde aus China und Thailand untersuchen - unter anderem auch den Erstnachweis von Gigantopithecus, der 1935 in einer Fossilien-Sammlung einer chinesischen Apotheke entdeckt wurde. Die Untersuchungen der Zähne zeigten, dass sich der Lebensraum des Riesenaffen auf Waldgebiete beschränkte, obwohl es ringsum Savannen gab. Dies wurde dem Affen - verbunden mit seiner Größe - wohl zum Verhängnis. Denn im Pleistozän verwandelten sich die bewaldeten Gebiete immer mehr in Savannen-Landschaften, das Nahrungsangebot für den Riesenaffen war wahrscheinlich irgendwann einfach zu gering.

Kurzum: In einer Großstadt wie New York hätte King Kong also gewiss nicht auf den Putz gehauen. Er hat ja nicht einmal in der Savanne überlebt. Auch wäre solch ein Riesenvieh von bis zu 500 Kilogramm Lebendgewicht niemals auf einen 400 Meter hohen Wolkenkratzer geklettert. Die massigen Vertreter von Gigantophithecus waren nicht nur unflexibel, sondern auch recht faul: Sie lebten zwar im Wald, kletterten dort vermutlich jedoch nicht auf Bäume. Die Forscher gehen heute auch davon aus, dass der Riesenaffe reiner Vegetarier war. Da hätte ihn selbst eine platinblonde Schönheit nicht retten können.

Backenzahn (Typusexemplar) von Giganthopithecus blacki in der Hand von Prof. Dr. Friedemann Schrenk. Bild: Senckenberg

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Erstellt:
5. Januar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
5. Januar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Januar 2016, 08:30 Uhr

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