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Tübinger Forscher entdeckten eine 4500 Jahre alte kreisförmige Anlage in Südspanien nahe Sevilla
Bei einer Geländeerkundung in Südspanien entdeckten Tübinger Forscher diese ringförmige Anlage aus der Kupferzeit. Bild: Uni Tübingen
Überraschender Fund mit kultischem Befund

Tübinger Forscher entdeckten eine 4500 Jahre alte kreisförmige Anlage in Südspanien nahe Sevilla

Tübinger Archäologen haben in Südspanien nahe Sevilla eine kupferzeitliche Kreisgrabenanlage entdeckt. Sie vermuten, dass diese für kultische Zwecke genutzt wurde.

10.08.2016
  • ST

Tübingen.Die von Wissenschaftlern des Sonderforschungsbereichs Ressourcenkulturen entdeckte Anlage stammt aus der Zeit von 2600 bis 2200 v. Chr. und damit aus der sogenannten Glockenbecherkultur. Der Name dieser Periode in der späten Kupferzeit wird von der charakteristischen Form der damals hergestellten Gefäße hergeleitet. Die Stätte könnte rituellen Zwecken gedient haben. Ähnliche Kultstätten waren bislang nur aus Nordeuropa bekannt.

Ein Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs untersucht in Feldstudien, wie die Bewohner Südspaniens in der Kupferzeit (etwa 3. Jahrtausend v. Chr.) mit Ressourcen ihres Lebensraums umgingen und welche Auswirkungen dies auf Gesellschaft, Handelsbeziehungen und Migrationsbewegungen in der Region hatte.

Den überraschenden Fund machte das Tübinger Archäologenteam unter Leitung von Prof. Martin Bartelheim etwa 50 Kilometer östlich von Valencina, im Hinterland der Region nahe Carmona. Bei einem Geländesurvey im August 2015 entdeckten sie eine kreisförmige Grabenanlage mit einer Ausdehnung von sechs Hektar. Radiokarbondatierungen und die vergleichende Analyse von Scherbenfunden und Schmuck ergaben ein Alter von rund 4500 Jahren und eine Datierung in die spätkupferzeitliche Glockenbecherkultur.

Der Zweck der Struktur gibt derzeit noch Rätsel auf. Die Anlage besteht aus mehreren, kreisförmig angeordneten Gräben, die in regelmäßigen Abständen eingangsartige Aussparungen aufweisen. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein großes kreisförmiges Loch von etwa 19 Meter Durchmesser. Dort entdeckten die Archäologen große Lehmziegel mit Brandspuren, die einem rituellen Zweck gedient haben könnten. Es wurden jedoch keine Skelettfunde gemacht. Siedlungsschichten, die auf eine durchgängige Besiedlung der Stätte über die Kupferzeit hinaus hindeuten, fehlen ebenfalls. Die Forscher vermuten in der für die Region ungewöhnlichen Kreisgrabenanlage eine Kultstätte.

Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie sich die Stätte in die kupferzeitliche Infrastruktur der Gegend eingefügt hat. Dies geschieht durch Gesteinsanalysen zur Herkunft von bearbeiteten Steinfunden (Mahlsteine, Beile) Die Entnahme von Sedimentproben sowie Isotopenanalysen an Tierknochen und Pollenanalysen sollen die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten der frühzeitlichen Bewohner klären.

Die Region um Valencina de la Concepción bei Sevilla ist als bedeutendes kupferzeitliches Siedlungszentrum bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. 1860 wurde dort mit dem Dolmen de la Pastora, einer langgezogenen Megalith-Grabanlage, bereits ein bedeutender kupferzeitlicher Fund gemacht. Die nahe gelegene Siedlung von Valencina, mit 400 Hektar Ausdehnung die größte kupferzeitliche Siedlung Spaniens, lag günstig für Ackerbau und Viehzucht in der fruchtbaren Küstenebene. Grabfunde aus früheren Untersuchungen zeigten, dass es Handelsbeziehungen auch mit weiter entfernten Kulturen gab. Unter den Grabbeigaben fanden sich exotische Luxusgüter wie Elefantenstoßzähne aus Afrika und Bernsteinperlen aus dem Norden. Exportschlager der Region waren vermutlich die Kupfererze aus dem nahen Bergland.

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10.08.2016, 18:06 Uhr
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