In der Krise liegt die Chance

Tübinger Experte: Zypern-Konflikt in Krise entschärfen

Die Schuldenkrise auf Zypern bietet nach Ansicht des Zypern-Experten Thomas Diez von der Universität Tübingen Spielräume für eine Beilegung des Zypern-Konflikts.

29.03.2013

Von dpa

Die Krise könne die Vorzüge einer Wiedervereinigung der geteilten Insel in den Mittelpunkt stellen. Diez kritisierte, dass die EU-Mitgliedstaaten im Zuge der Verhandlungen über Finanzhilfen den Konflikt außen vor gelassen hätten. «Allein durch den Hinweis auf die Vorzüge einer Wiedervereinigung hätte man Druck aufbauen können», so Diez.

Diese Vorzüge seien etwa die Möglichkeit, auch Nordzypern noch stärker touristisch zu erschließen und «Zypern als Ganzes zu vermarkten», sagte der Politikwissenschaftler. Für das industriearme Zypern sei nach der Schwächung des Finanzdienstleistungssektors der Tourismus ein wichtiges Standbein. Die Teilung der Insel habe nach wie vor negative Auswirkungen auf den Tourismus.

In der aktuellen Schuldenkrise des Landes seien die griechischen Zyprer von der EU enttäuscht: «Die Republik Zypern ist damals vor allem aus politischen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen beigetreten. Ökonomisch betrachtet war der Beitritt kein großer Gewinn.» Denn durch die EU-Mitgliedschaft wurde auf Zypern unter anderem die Mehrwertsteuer eingeführt. Darum würden bei finanziellen Auflagen durch die EU viele griechische Zyprer empfindlich reagieren.

Zugeständnisse von Zypern für eine Konfliktlösung als Bedingung für finanzielle Hilfe zu fordern, wie es Experten des Think Tanks «International Crisis Group» vorgeschlagen hätten, wären nach Einschätzung von Diez wenig sinnvoll gewesen: «Das kann man vielleicht noch bei Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union machen, aber nicht mehr mit einem vollwertigen EU-Mitglied.» Zugleich betonte Diez: «Die griechischen Zyprer sind eine heterogene Gesellschaft. Nicht alle sind für die Teilung der Insel.»

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Erstellt:
29. März 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2013, 12:00 Uhr

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