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„Entspricht nicht den Tatsachen“

Tübinger Betroffene korrigieren Aussagen einer Anfrage an die Landesregierung zur Gemeinschaftsschule

Die Gemeinschaftsschule an der Geschwister-Scholl-Schule ist zum Politikum geworden. Mit einer Anfrage wollen Landtagsabgeordnete von CDU und FDP Tübinger Akteure vorführen. Diese widersprechen auf Nachfrage etlichen Punkten.

12.10.2015
  • Ute Kaiser

Tübingen. Die Landtags-Drucksache mit der Nummer 15/7354 ist drei Seiten lang. Darin stützen sich die Abgeordneten Georg Wacker (CDU) und Timm Kern (FDP) weitgehend auf den Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) über ein angebliches Gutachten zur „Erweiterten Kooperation“ (ErKo) an der Geschwister-Scholl-Schule (wir berichteten). Am 25. September musste die FAZ eine Gegendarstellung abdrucken. Deren Inhalt: Das Stuttgarter Kultusministerium halte kein Gutachten über die Gemeinschaftsschule unter Verschluss. Und: Ein solches Gutachten liege dem Ministerium auch nicht vor.

Tübinger Betroffene korrigieren Aussagen einer Anfrage an die Landesregierung zur
Mitten in den Sommerferien braute sich nach einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über der verwaisten Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen etwas zusammen: eine Bildungsdebatte über die Gemeinschaftsschule.

Quasi Gegendarstellungen gab es auf TAGBLATT-Nachfrage auch von den Tübingern, die in der Anfrage vorkamen. Beispielsweise von Prof. Thorsten Bohl, dem federführenden Projektleiter der wissenschaftlichen Begleitforschung an zehn Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Er soll, so die Abgeordneten, die Einführung der Gemeinschaftsschule „kritisiert und als überstürzt eingeführt bezeichnet“ haben. Das, erklärt der Tübinger Erziehungswissenschaftler trocken, „habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen“. „Eine grundsätzliche Kritik am Konzept der Gemeinschaftsschule“ habe er nie geäußert, so Bohl, „schon deswegen nicht, weil dazu keine empirischen Befunde vorliegen.“

Außerdem wird in der Anfrage behauptet, Bohl habe sich mit dem ErKo-Schulleiter und mit Tübingens OB Boris Palmer zusammengesetzt und „mögliche Korrekturen“ überlegt. Mit Palmer, so Bohl, „haben wir uns über die Situation verständigt“. Allerdings habe sich das Gespräch nicht um Korrekturen am Bericht gedreht, „sondern um die Frage wie der Zwischenbericht in den Schulentwicklungsprozess aufgenommen werden kann“.

Auch Palmer weist Korrekturabsichten zurück. Er habe mit Bohl und Schulleiter Joachim Friedrichsdorf „jeweils nur wenige Minuten gesprochen“, um sich zu vergewissern, dass seine Interpretation des Zwischenberichts zutreffend sei. Der beschreibe „nüchtern und sachlich, was gut läuft und was noch nicht gut läuft“. Mit „keiner Silbe“ sei „auch nur angedeutet worden, dass man den Zwischenbericht ändern oder beschönigen sollte“. Palmer erinnert sich aber auch, dass Bohl und Friedrichsdorf sich empört darüber zeigten, dass ihm der nur zur schulinternen Verwendung gedachte Bericht überhaupt ausgehändigt worden war.

Tübingens OB gerät aber auch in einem anderen Punkt ins Visier von Wacker und Kern. Sie können sich nicht vorstellen, wie sie in ihrer Begründung schreiben, dass er das nach ihrer Auffassung „vernichtende Gutachten“ nicht an die grünen Parteikolleg(inn)en und an die Koalitionspartner in Stuttgart weitergeleitet hat. Er hätte „geradezu die Verpflichtung“, die Regierungsfraktionen sowie den Kultusminister darüber zu informieren. Für Palmer bestand „überhaupt kein Anlass, irgendetwas zu dramatisieren oder zu politisieren“. Deshalb habe es ihm auch vollkommen ferngelegen, die Landespolitik einzubeziehen. Es möge ja sein, dass sich die Anfragesteller „die Arbeit eines OB wie die eines Parteisoldaten mit Pflicht zum Verrat von Dienstgeheimnissen“ vorstellten. „Im Tübinger Rathaus“, so Palmer, gibt es das jedenfalls nicht.“

Auch dem Staatlichen Schulamt in Tübingen halten die Abgeordneten vor, mit dem Schulleiter „den Bericht und mögliche Korrekturmöglichkeiten beraten zu haben“. Das „entspricht nicht den Tatsachen“, sagt dessen Leiter Roland Hocker. Dass wie bei allen Schulen auch ErKo beraten werde, „gehört zu unseren Aufgaben“. Als Basis für die Gespräche im „permanenten Optimierungsprozess“ nennt der Schulamts-Leiter unter anderem Erkenntnisse aus Unterrichtsbesuchen, Rückmeldungen von Lehrkräften und Eltern der Schule, die Teilnahme an Veranstaltungen wie dem Eltern-Lehrer-Dialog sowie Diagnose- und Vergleichsarbeiten.

„Wissenschaftliche Begleitforschung Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg“ heißt der Bericht der Forschergruppe, der seit kurzem über die Homepage des Kultusministeriums zu finden ist. Allerdings geht es auf den 259 Seiten nicht um den umstrittenen Zwischenbericht zur Gemeinschaftsschule an der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule. Themen sind die vier Teilprojekte von der Begleitforschung bis zur Interventionsstudie Diagnosekompetenz. Im Abschlusskapitel finden sich der aktuelle Stand und erste Ergebnistendenzen.

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12.10.2015, 12:00 Uhr
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