Neuer Streit um Gäubahn

Tübingens OB fordert Strecke durchs Neckartal

Der Tübinger OB Boris Palmer fordert weiter, zumindest einen Teil des Gäubahnverkehrs über Horb und Reutlingen zum Flughafen Stuttgart zu führen. Die S 21-Projektpartner hatten den Vorschlag abgelehnt.

17.08.2012

Von RAIMUND WEIBLE

Tübingen Der Streit um die Streckenführung der Gäubahn geht in die nächste Runde. Die Gäubahn (Stuttgart - Singen) soll im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm eine neue Streckenführung erhalten.

Die Landräte und Oberbürgermeister der Region Neckaralb präferieren einen Streckenverlauf von Horb über Tübingen und ab Wendlingen über die ICE-Neubaustrecke zum Flughafen Stuttgart. Die S-21-Projektpartner lehnten diese so genannte "Neckartal-Variante" ab - auch nach dem Filderdialog.

Sie bevorzugen einen anderen Streckenverlauf. Demnach wird die Gäubahn umsteigefrei über den Flughafen zum Stuttgarter Hauptbahnhof geführt. So ging die Diskussion über die Trasse zur Zufriedenheit der Gäubahn-Anlieger bis hinauf zur Baar aus.

Für den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ist nach dieser Festlegung aber keineswegs ausgeschlossen, Fernzüge über Horb und Tübingen zum Flughafen fahren zu lassen und damit die Region an das Fernnetz anzuschließen.

Er bleibt dabei: Die Strecke zwischen Horb und Tübingen müsse elektrifiziert werden und die Wendlinger Kurve, über die der Bahnverkehr zum Flughafen geleitet wird, müsse zweigleisig ausgebaut werden. "Das wollen wir auf jeden Fall", sagte Palmer.

Er ist mit seiner Forderung relativ alleine. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hält sich an das Votum der Projektpartner. Zwar hatte er zunächst eine andere Variante favorisiert: Fahrgäste aus Richtung Singen hätten demnach in Vaihingen umsteigen und mit der S-Bahn zum Flughafen fahren müssen. Diesen Vorschlag hatte auch die Mehrheit der Teilnehmer am Filder-Dialog begrüßt. Doch Hermann fand für seinen Vorschlag keine Mehrheit bei den Projektpartnern. Damit war sein Vorschlag hinfällig - und Hermann fügte sich.

Folglich bekräftigte Hermann jetzt in einem Schreiben an die Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg den Standpunkt der Projektpartner, die Filderdialog-Empfehlung nicht zu berücksichtigen. "Damit bleibt es bei dem von Ihnen geforderten Direktanschluss der Gäubahn an den Flughafen", versichert er IHK-Geschäftsführer Thomas Albiez.

Der Projektpartner-Entscheid für die Filderlösung führt zu einem Mischverkehr zwischen Vaihingen und Flughafen. Sowohl Fern- als auch Nahverkehrszüge nutzen die Strecke. Der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk (CDU) befürchtet mehr Lärm und Erschütterungen für die Anwohner. Aus Protest gegen die Haltung der Vertragspartner war er aus dem Filderdialog ausgestiegen.

Hermann hofft, dass es noch zu einer verträglicheren Lösung kommt. Es werde geprüft, ob der Flughafenbahnhof parallel zur S-Bahn-Station "Terminal" unter der Flughafenstraße eingerichtet werden könne. Das wäre eine Möglichkeit, S-Bahn- und Fernverkehr zu entmischen. Außerdem bliebe die Möglichkeit, die Gäubahn bei einem entsprechenden Bedarf mit einer parallel zur Autobahn verlaufenden Trasse an den Flughafenbahnhof anzuschließen.

Eine Regionalbahn auf der Gäubahn bei Talhausen (Kreis Rottweil). Um die Streckenführung der zwischen Singen und Stuttgart verkehrenden Gäubahn wurde während des Filderdialogs gestritten. Verkehrsminister Hermann (Grüne) konnte sich mit seinem Vorschlag nicht durchsetzen. Foto: Georg Wagner/Bahn AG

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Erstellt:
17. August 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. August 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. August 2012, 12:00 Uhr

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