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Christine Arbogast vor dem Absprung

Tübingens Erste Bürgermeisterin stellt sich in Braunschweig zur Wahl als Sozialdezernentin

Tübingen braucht sehr wahrscheinlich eine neue Erste Bürgermeisterin. Christine Arbogast wird voraussichtlich Sozialdezernentin in Braunschweig. Ihre Wahl am 12. Juni gilt als sicher. Sie ist die einzige Kandidatin und wird von Oberbürgermeister Ulrich Markurth vorgeschlagen.

06.06.2018

Von Gernot Stegert

Tübingens Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast zieht es nach Braunschweig. Archivbild: Metz

Sie sei angesprochen worden auf die Stelle, sagte Arbogast gestern dem TAGBLATT. Nach reiflicher Überlegung und Gesprächen mit der Familie habe sie sich beworben. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen.“ Sie habe sich in den vier Jahren in Tübingen sehr gut eingelebt. „Die Stadt hat eine hohe Lebensqualität, ihre Menschen sind mir ans Herz gewachsen. Als Teil der Tübinger Stadtverwaltung an entscheidender Stelle mitgestalten zu können, ist begeisternd und herausfordernd zugleich.“

Mehr Gestaltungsspielraum

Am Ende habe jedoch „der Reiz der größeren Kommune“ mit ihrem Gestaltungsspielraum den Ausschlag gegeben. Sie strebe nicht von Tübingen weg, sagte Arbogast. „Aber man muss die Chancen nutzen, wie sie sich bieten.“ Braunschweig ist mit 250000 Einwohnern deutlich größer als Tübingen und eine kreisfreie Stadt. „Das bedeutet, dass alle Entscheidungen im Sozialdezernat der Kommune gebündelt sind“, so Arbogast, und nicht mit einem Landkreis geteilt. Bei fünf Dezernaten gegenüber drei in Tübingen wäre Arbogast in Braunschweig allerdings nicht mehr zuständig für Kultur, Sport und Ordnung.

Auch Persönliches habe eine Rolle gespielt. „Da mein Mann in Berlin arbeitet, wäre im Fall der Wahl die Familie etwas näher beieinander“, erklärte die 52-Jährige. Von Braunschweig nach Berlin gebe es eine ICE-Verbindung mit einer Fahrtzeit von einer Stunde und 20 Minuten.

Wie lange die Erste Bürgermeisterin noch in Tübingen arbeiten wird, ist offen. Die Stelle in Braunschweig sei bereits vakant. „Doch ich möchte nicht mit fliegenden Fahnen davonrennen“, sagte Arbogast. Ein Wechsel schon im Sommer? Das sei der 13-jährigen Tochter nicht zuzumuten, da die Ferien in Niedersachsen enden, kurz nachdem sie in Baden-Württemberg anfangen.

Positive Bilanz

Arbogast zieht nach der Hälfte ihrer Amtszeit eine positive Bilanz. Ihr Dezernat sei nach einem Entwicklungsprozess „sehr gut aufgestellt“, was ihr das Gehen erleichtere. Inhaltlich sieht sie folgende Meilensteine: bei den Kitas den massiven Ausbau und bei den Schulen die weitere Entwicklung, vor allem die gemeinsame Oberstufe der Gemeinschaftsschulen. Leider stocke durch die Landesregierung der Ausbau der Ganztagsschule.

Stolz ist die Bürgermeisterin auf die Sozialkonzeption, die in Stadtteiltreffs und in der Quartiersentwicklung mittlerweile konkret werde. Am Herzen liege ihr die Pflegestrategie, mit dezentralen Angeboten für Senioren in den Ortsteilen, aber auch größeren Projekten wie dem Neubau der Altenhilfe Tübingen am Hechinger Eck mit 60 Plätzen. Bei den Flüchtlingen sagt sie selbstbewusst: „Der größte Teil der operativen Arbeit ist vom Sozialdezernat gesteuert worden.“ Begeistert erzählt Arbogast von dem Engagement der Ehrenamtlichen in Tübingen.

Leider eher von Gebäudethemen sei der Kulturbereich bestimmt gewesen, fasst die wohl Scheidende zusammen. Ob Stadtarchiv, Bücherei oder Musikschule – alle seien sanierungsreif. Immerhin gehe es beim Hölderlinturm voran. Und: „Die Konzeption für das Stadtmuseum ist auf dem Weg.“ Und der Konzertsaal? Eine Projektstelle dafür werde jetzt eingerichtet. Und plötzlich erzählt Arbogast von Ideen für Tübingen: In fast jedem Pflegeheim stehe ein Flügel. „Warum sollen Musiker dort nicht proben?“

Eher mühsam war der Bereich Ordnung. Beim Nachtleben – etwa auf der Platanenallee – galt es immer wieder zu befrieden: „Die Thematik kocht immer mit den Temperaturen hoch.“ Die neue Stocherkahnsatzung „war ein richtig dickes Brett“. Und mit vielen Gesprächen und Klausuren sei es gelungen, interne Konflikte bei der Feuerwehr zu lösen.

Sorge bereitet der Sportbürgermeisterin nach dem Abstieg der Basketballer aus der Bundesliga die wirtschaftliche Lage der Paul-Horn-Arena. Auf ein neues Schwimmbad hofft sie stark, nicht nur, weil sie selbst gerne schwimmt: „Tübingen ist sehr schwimmbegeistert.“

Palmer: „Ein großer Verlust“

Oberbürgermeister Boris Palmer bedauert in einer Mitteilung die Entscheidung seiner Stellvertreterin: „Ich schätze die Zusammenarbeit mit Christine Arbogast persönlich und politisch sehr. Sie zeichnet ein klarer Blick, großes Einfühlungsvermögen und der für Verwaltungshandeln notwendige Pragmatismus aus.“ Besonders dankbar sei er für ihr Engagement zur Bewältigung der großen Herausforderungen, die durch den Zuzug von 1400 Asylbewerbern nach Tübingen entstanden seien. Palmer erklärte: „Es ist wesentlich ihr Verdienst, dass wir diese Aufgaben heute gut erfüllen können. Für die Stadt wäre es ein großer Verlust, wenn sie zur Hälfte ihrer Amtszeit nach Braunschweig ginge.“ Es werde schwer werden, eine vergleichbar gute Nachfolgerin zu finden.

Daten zum Lebenslauf

Christine Arbogast wurde 1965 in Stuttgart geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Abitur hat sie in Tübingen und Aix-en-Provence Geschichte und Politologie studiert, anschließend im Fach Geschichte promoviert über das Wirken nationalsozialistischer Parteifunktionäre in Württemberg . Sie begann als Erste Bürgermeisterin Tübingens am 3. Juli 2014. Die Amtszeit beträgt acht Jahre. Stationen ihrer Berufstätigkeit waren zuvor unter anderem die Akademie für Neue Medien in Ludwigsburg (1999–2001), die Volkshochschule Stuttgart (2001–2004) und das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Stuttgart (2004– 2012). Zum Jahresbeginn 2013 folgte die Tätigkeit als Amtsleiterin für Bildung, Soziales und Familie in der Stadt Nürtingen.

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Erstellt:
6. Juni 2018, 01:30 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2018, 01:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2018, 01:30 Uhr

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