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Lehrermangel

Tübingen ist gefragt, Reutlingen nicht

Wo in Baden-Württemberg der Lehrermangel regiert, welche Regionen bei den Pädagogen beliebt sind – und welche Neuerungen das Schuljahr 2019/2020 mit sich bringt.

06.09.2019

Von Roland Muschel

Die Schule geht wieder los, aber es gibt zu wenige Lehrer im Land. Foto: Caroline Seidel/dpa

Kommende Woche enden für die knapp 1,5 Millionen Schüler im Land die Sommerferien. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Schuljahr 2019/20.

An welchen Schularten fehlen Lehrer? Von den 790 offenen Stellen entfallen 390 auf die Grundschulen, 200 auf die Realschulen, 90 auf Fachlehrer für musisch-technische Fächer, 70 auf Berufsschulen und je 20 auf Gymnasien und die Haupt-/Werkrealschulen.

Welche Gründe gibt es dafür? Verschiedene. Es gibt generell einen Mangel an ausgebildeten Lehrern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) macht dafür Planungsfehler der Vergangenheit verantwortlich. An den Grundschulen macht sich aber auch bemerkbar, dass die Abbrecherquote in der Ausbildung höher ist als lange angenommen. Dazu kommt: Junge Lehrkräfte sind bei der Standortwahl wählerisch. 220 Lehrer für die Grundschule nehmen bislang kein Angebot an.

Wo sitzen die Gewinner, wo die Verlierer? Die Ortswünsche konzentrieren sich auf Universitätsstädte wie Freiburg oder Heidelberg. Manches sei ihr aber auch ein Rätsel, sagt Eisenmann. So gebe es für Tübingen eine „Höchstinteressenlage“, für das benachbarte Reutlingen aber sei die Bewerberlage „praktisch null“. Ansonsten sind vor allem ländliche Regionen wie Tuttlingen, Rottweil oder Waldshut für junge Lehrkräfte unattraktiv. Gewinner gibt es dennoch nicht. Um überall eine einigermaßen gleichwertige Unterrichtsversorgung gewährleisten zu können, versetzt die Schulverwaltung auch Lehrer. Bis dato seien „rund 2000 Personalbewegungen zugunsten schwächer versorgter Regionen vorgenommen worden“, teilt das Kultusministerium mit.

Was tut die Kultusministerin Susanne Eisenmann, um die Mängel zu beheben? Einiges. So gibt es mehr Gymnasiallehrer, zu deren Fächerkombination Deutsch zählt, als an Gymnasien benötigt werden. Das Land bietet Gymnasiallehrern daher Stellen an Grundschulen an – verbunden mit der Zusage, später an einem Gymnasium oder einer Gemeinschaftsschule arbeiten zu können. Im kommenden Schuljahr nutzen rund 100 Lehrkräfte das Angebot. Das Land hat zudem die Zahl der Studienplätze für das Lehramt Grundschule in mehreren Schritten erhöht. Knapp 300 Pensionäre haben auf Bitten des Landes ihre reguläre Altersgrenze hinausgeschoben und damit den Anteil offener Stellen um 200 Deputate reduziert; 1700 Lehrkräfte haben sich auf eine Erhöhung ihres Teilzeitdeputats eingelassen, was ebenfalls 200 Deputate ausmacht.

Wie sind die Aussichten für die kommenden Jahre? Mäßig. Die Pensionierungswelle an den Schulen hat ihren Höhepunkt zwar überschritten. Ersatzbedarf für Elternzeiten dürfte aber zunehmen. An den Grundschulen dürfte der Mangel noch bis mindestens 2025 anhalten.

Was sagen Opposition und Verbände? SPD und FDP halten der Kultusministerin vor, die Schuld nur bei anderen zu suchen – dabei sei die Zahl der unbesetzten Stellen in ihrer Amtszeit gestiegen. Die Gewerkschaft GEW hielt der CDU-Ministerin vor, die Planungsfehler der grün-roten Vorgängerregierung fortzusetzen. Dagegen lobten der Philologenverband und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sie im Grundsatz. Der Landeselternbeirat attestierte Eisenmann, sich im Rahmen des Mangels viel Mühe zu geben.

Was ändert sich inhaltlich zum neuen Schuljahr? An den Gymnasien geht die neue Oberstufe an den Start, mit einer flexibleren Kurs- und Prüfungsfächerwahl, mehr Unterrichtszeit in den Leistungsfächern und einer Stärkung der Naturwissenschaften. Den Realschulen, an denen erstmals auch der Hauptschulabschluss gemacht werden kann, stehen mehr Poolstunden für eine leistungsdifferenzierte Förderung zur Verfügung. Das Angebot an Ethik- wie an Informatikunterricht wird ausgeweitet.

Eisenmanns Retourkutschen

Doro Moritz, Landeschefin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), hatte am Mittwoch gegen Kultusministerin Susanne Eisenmann ausgeteilt. Der Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl 2021 warf sie nicht nur Versagen in der Schulpolitik vor. Sie sagte auch: „Ich möchte keine Ministerpräsidentin Eisenmann.“ Die Ministerin konterte am Donnerstag: „Ich bin gegen Doro Moritz als künftige Ministerpräsidentin.“

Grünen-Landeschefin Sandra Detzer, die Eisenmann ebenfalls attackiert hatte, bekam auch ihr Fett ab. Die Grünen, so die Ministerin, seien schon „im Wahlkampfmodus“, das erkläre den „hysterischen Rundumschlag“.

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Erstellt:
6. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. September 2019, 06:00 Uhr

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