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Die Klartext-Managerin

Trumpf-Chefin über Familie, Frauenförderung und Flüchtlinge

Sie ist Chefin von 11 000 Mitarbeitern und die vielleicht einflussreichste Frau in der deutschen Wirtschaft. Nicola Leibinger-Kammüller redet ganz offen über Karriere, Privates und warum sie kein Handy hat.

10.03.2016
  • MIRIAM KAMMERER

Ulm. Eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die weder Smartphone noch Handy besitzt, das gibt es nicht. Gibt es doch: Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf aus Ditzingen, ist der lebende Beweis. Wenn sie ein Smartphone hätte, dann hätte sie keine Zeit, um nachzudenken, erzählt sie den Zuhörern des SWP-Forums im Ulmer Stadthaus.

Ein Thema, bei dem das ganze Temperament aus der Managerin hervorbricht: Sie gestikuliert, rutscht im Ledersessel nach vorne und liest den männlichen Kollegen die Leviten. Die seien oft nicht aufmerksam, weil sie andauernd auf das Smartphone schauen. „Ich muss doch nicht ständig wissen, wie bei VW die Aktien stehen oder wo es gerade regnet.“ Leibinger-Kammüller - die Klartext-Managerin. In sympathischem, schwäbischem Akzent erläutert sie ihre Positionen. Sie kommt auf den Punkt. Sprache, das ist ihr Metier, sie spielt geradezu virtuos mit ihr, nimmt das Publikum gefangen. Kein Wunder: Die 56-jährige ist promovierte Philologin. Das falsche Studium für eine Unternehmenschefin im Maschinenbau? Diese Frage kennt sie, sie lacht. Von Kindesbeinen sei sie im Familienunternehmen gewesen. Natürlich habe man sich auch schon immer mit technischen Themen befasst. „Man lebt und stirbt mit dem Auftragseingang“, sagt sie. Als Kind sei man erleichtert gewesen, wenn der Vater abends gesagt hätte, heute sei es gut gewesen. Sie schaut sich im Saal um, spricht das Publikum an: „Wenn sie Unternehmer sind, kennen sie das doch auch.“

Seit elf Jahren führt sie Trumpf. Ihr größter Erfolg in dieser Zeit? Die Antwort kommt sofort: das Meistern der Finanzkrise. Die Familie steckte damals 75 Mio. EUR aus der eigenen Schatulle in die Firma. „Nicht, weil wir unsolide gewirtschaftet hatten.“ Es sei vielmehr ein symbolischer Akt gewesen, der zeigen sollte: „Diese Familie steht auch in schwierigen Zeiten zur Firma.“ Und ihr gefällt, dass die gemeinsame Führung des Unternehmens mit Mann und Bruder funktioniere. „Das ist ein tolles Gefühl.“

Ganz leicht fällt es ihr freilich nicht, mit dem eigenen Ehemann zu arbeiten. „Man nimmt alles mit nach Hause“, sagt die Unternehmerin und zieht dabei das „alles“ so in die Länge, dass keine Zweifel aufkommen, dass es auch nur eine Ausnahme geben könnte.

Das Unternehmerpaar hat vier Kinder. Die sind inzwischen schon älter. Konnte sie Beruf und Karriere verbinden? „Da war ich privilegiert“, antwortet sie ganz offen, sie habe sich Personal leisten können, „für die Durchschnittsfrau ist es anstrengender.“

Im eigenen Unternehmen versucht sie, ihren 11 000 Mitarbeitern flexible Möglichkeiten zu bieten, um Karriere und Privates in Einklang zu bringen. Sabbaticals, selbstbestimmte Arbeitszeit - das alles ist bei Trumpf möglich. Werden die Schwaben also faul? Nein, aber die Bedürfnisse veränderten sich. „Frauen und Männer wollen gemeinsam bei der Erziehung mithelfen.“ Das unterstütze sie - auch „wenn das bei meinem Mann und mir noch ganz konservativ war“. Also eine Frauenquote per Gesetz? Da wird sie wieder temperamentvoll. Nein, auf keinen Fall, die Quote sei „demütigend“ für Frauen. Und ihr Tipp für Erfolg im Beruf?. „Junge Frauen sollen das machen, wofür sie brennen - nur dann wird es gut“, ist sie sich sicher.

Überzeugt ist die CDU-Frau von ihrer Kanzlerin - auch in der Flüchtlingsfrage. „Angela Merkel folgt ihrem inneren Kompass.“ Leibinger-Kammüller sagt, es gebe natürlich viel zu tun, aber Integration könne gelingen. Um Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen, hält sie eine Senkung des Mindestlohns für legitim. Integration erfordere aber auch Offenheit in der Gesellschaft. Manches Fremde sei heute inzwischen längst vertraut: „Wir essen doch auch Pizza und nicht mehr nur Spätzle.“

Die nahe Zukunft ihres Unternehmens sieht sie verhalten optimistisch. Die Krisen in Russland und China spüre der Maschinenbauer. Man müsse immer neue Märkte auftun. „Nachlassen gibt es nicht.“

So sitzen ihr Mann und sie sich auch abends zu Hause gegenüber an ihren Schreibtischen und arbeiten daran, dass das Geschäft weiter gut läuft. Wird eines der vier Kinder sich dieses Pensum später einmal antun? Nicola Leibinger-Kammüller denkt nach, wiegt den Kopf. „Als Paar sind wir schon abschreckend“, sagt sie. Und lacht.

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10.03.2016, 08:30 Uhr
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