Konjunktur

Trübere Aussichten für die deutsche Wirtschaft

Wirtschaftsweise erläutern, warum der Aufschwung auf sich warten lässt.

15.10.2021

Von DPA

Sinnbild für Wachstum: Je mehr Container verladen werden, desto mehr brummt die Wirtschaft. Foto: Patrick Pleul/dpa

Berlin. Das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fällt trübe aus: Sie senkten ihre Wachstumsprognose für 2021 auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Grund sind die andauernden Corona-Beschränkungen und die Lieferengpässe. Die Erholung soll nun 2022 kommen: Dann könnte die Wirtschaft um 4,8 Prozent wachsen. Die Inflation bleibt laut der Prognose hoch.

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erläuterten am Donnerstag, warum sie ihre Prognose von 3,7 Prozent im Frühjahr auf nun 2,4 Prozent reduzierten. Vor allem das zweite Quartal von April bis Juni „haben wir ziemlich falsch eingeschätzt“, sagte Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. „Wir waren zu optimistisch.“ Lieferengpässe behinderten bereits im zweiten Quartal die Produktion.

Auch bis Ende März „dürfte die Erholung weiter gebremst werden“, heißt es im Gutachten: In der kalten Jahreszeit werde die Aktivität im Dienstleistungsbereich wegen der Corona-Beschränkungen unter dem sonst üblichen Niveau bleiben, die Lieferengpässe dauerten an.

Erst im Laufe des Jahres 2022 würden sich die Lieferprobleme langsam auflösen, sagte Holtemöller. Etwa im Sommer werde wieder die Normalauslastung erreicht. Einen kräftigen Schub erwarten die Wirtschaftswissenschaftler vor allem durch den privaten Konsum, weil die Menschen ihre Ersparnisse aus der Corona-Zeit dann ausgeben.

Die sich erholende Nachfrage sorgt schon seit Monaten für einen erheblichen Preisauftrieb, im September erreichte die Inflationsrate 4,1 Prozent. Im Gesamtjahr rechnen die Wirtschaftsforschungsinstitute mit 3 Prozent, im kommenden Jahr dann mit 2,5 Prozent. Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut wies darauf hin, dass sich die Anstiege auf die Lage von vor einem Jahr beziehen, als viele Preise sehr niedrig gelegen hatten. „Gut eineinhalb Prozentpunkte“ könnten also abgezogen werden.

Ursache für die hohe Inflation sind vor allem die hohen Energiepreise. Jedoch: „Preisbeschränkungen“, wie nun in der Diskussion, „lösen Knappheitsprobleme nicht, sondern übertünchen sie nur“, betonte Holtemöller.

Klimawandel ernst nehmen

Die Wirtschaftsforscher mahnen zudem die Politik, sich den langfristigen Herausforderungen zu stellen: Klimawandel, schrumpfende Bevölkerung und Digitalisierung. Beim Erreichen des Emissionsziels raten sie, die Verschmutzungszertifikate Schritt für Schritt aus dem Handel zu nehmen. Der folgende Preisanstieg müsse als Steuerungsinstrument zugelassen werden. afp

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Erstellt:
15. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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