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Literatur

Trotzkopf im Bauhaus

Theresia Enzensbergers Debüt „Blaupause“ ist ein Internatsroman mit den 20ern als Kulisse.

11.09.2017
  • LENA GRUNDHUBER

Es ist alles drin: Der Mord an Erzberger und die melancholischen Augen von Paul Klee, der Versailler Vertrag, die KPD und der heraufziehende Nationalsozialismus. In einem Buch, das sich mit der Spitzmarke „Weimar 1921“ vorstellt, gehört all das zur Ausstattung – denn was war dort? Richtig, das Bauhaus. Eine Ästhetik, die wieder ziemlich angesagt ist, das Hundertjährige steht ins Haus, und so nimmt es nicht wunder, wenn eine junge Autorin sich des Stoffes annimmt. Besser als ein weiteres, mäßig interessantes Bekenntnis der Generation Y zu einer mäßig aufregenden Lebensweltlichkeit, sollte man meinen. Und findet genau sowas, transferiert in die wilden Zwanziger.

„Blaupause“ heißt der Roman, den Theresia Enzensberger, 1986 geboren, vorgelegt hat. Ja, sie ist die Tochter, und doch, sie hat schon ihren eigenen Namen, als Journalistin und als Gründerin des wirklich schönen „Block-Magazins“. Für ihr Debüt schickt sie eine junge Frau namens Luise in die berühmte Schule, erst nach Weimar, dann nach Dessau. Natürlich gegen den Willen des konservativen Vaters und mit jeder Menge Illusionen – ein mustergültiger Emanzipationsplot. Luise will Architektin werden, doch am Bauhaus sieht man Frauen lieber in der Textilwerkstatt, und auch sonst ist es nicht leicht, von den avantgardistischen Alphatieren ernstgenommen zu werden.

Konventionelle Bilder

Nun muss man sagen: Das liegt auch an Luise, die enervierend viel Energie mit den eigenen Befindlichkeiten und den betreuungsintensiven Männern im Umfeld vertrödelt. Wie im echten Leben bringt das weder ihr noch dem Leser weiteren Erkenntnisgewinn. Außer der Einsicht, in der Lektüre eines erschütternd konventionell erzählten Internatsromans gefangen zu sein.

Trotzkopf im Bauhaus – wenn denn die Sprache stimmte. Doch die Ich-Erzählerin spricht wie eine zeitgenössische Mitte-Zwanzigjährige. Da sind Dinge „irgendwie komisch“, ein Kuss ist „zielführend“, Kommilitonen arbeiten in „Kollaborationen“, als bereiteten sie sich geradewegs auf die Documenta 15 vor. Zwischendrin stellt Luise auch mal Zeit-Diagnosen wie diese in den Raum: „Niemand möchte mehr einen eigenen Standpunkt beziehen oder etwas ernst meinen.“ Zwei Jahre nach der Räterepublik, zwei Jahre vor dem Hitlerputsch – um es mal ganz 2017 auszudrücken: really? Lena Grundhuber

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11.09.2017, 06:00 Uhr
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