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AC/DC oder Barock?

Tribute-Bands sind erfolgreiche Kopien der Stars

Sie nennen sich Abba Mania, Purpendicular oder Barock. So genannte Tribute-Bands haben sich ganz dem Stil ihrer Vorbilder verschrieben, interpretieren nur die Songs einer Band - mit wachsendem Erfolg.

24.10.2014

Von HELMUT PUSCH

Irgendwie hat wohl alles mit den Elvis-Presley-Imitatoren begonnen - oder hießen diese nicht "Impersonatoren"? Die Herren lieferten sich regelrechte Wettbewerbe, wer den berühmten Hüftschwung und das samtig vibrierende Timbre des Originals am besten kann. Die Zahl der Nachahmer des King of Rock wuchs explosionsartig nach Presleys Tod.

Was die Impersonatoren für den Einzelkünstler, das sind Tribute-Bands für berühmte Gruppen. Die erste Welle widmete sich den schwedischen Superstars von Abba, die sich trotz millionenschwerer Angebote zu keiner Reunion überreden ließen. Die zweite Welle löste der Tod Freddie Mercurys aus. Tribute-Bands sprangen in die Bresche, boten den Fans das live, was die Originale nicht mehr bieten wollten oder konnten. Doch mittlerweile gibt es auch Tribute-Bands von Künstlern, die selbst noch unterwegs sind.

Eine der dienstältesten Formationen ist Barock aus Nürnberg. Seit 1993 spielen die Musiker um Gitarrist Eugen Torscher ausschließlich Material der australischen Hardrock-Band AC/DC. Die Musiker tun das mit Akribie: Nicht nur die Arrangements der Australier werden übernommen. Torscher ist auch stolz darauf, dass die Band das exakt gleiche Equipment verwendet.

Torscher selbst spielt diverse alte Gibson SGs wie sein Vorbild Angus Young, selbstverständlich auf alten Marshall-Verstärkern. Und von denen stehen wie bei den Vorbildern einige auf der Bühne: Je nach Bühnengröße bis zu 48 Gitarrenboxen und acht Kanonen, die wie beim Original im Schlusssong "For Those About To Rock" zum Einsatz kommen. Torscher hat auch jahrelang die Stilistiken der AC/DC-Gitarristen Angus und Malcolm Young im Detail untersucht und hat darüber schon Vorträge am Nürnberger Konservatorium gehalten.

"Ich habe AC/DC das erste Mal mit 15 gehört und sofort gewusst: Das ist meine Musik. Ich wollte nie etwas anderes spielen. Das ist wirklich ein Traumjob, mit dieser Musik unterwegs zu sein", sagt Torscher. Die Nürnberger tun das erfolgreich "als Weltmarktführer der AC-DC-Tribute-Bands", wie Torscher sagt. Die Maßeinheit dafür: 30 bis 40 Konzerte pro Jahr vor 1000 bis 2000 Zuhörern mal einem Eintrittspreis von 22 bis 37 Euro.

"Wir sind eine richtige Band", erklärt Torscher. Das sei bei vielen Abba- und Queen-Tribute-Produktionen nicht der Fall. "Das sind von Produzenten zusammengestellte Casting-Projekte. Die Musiker und Sänger werden miserabel bezahlt, und wenn einer aufmuckt, wird er sofort ersetzt." Aber keine der in Deutschland tätigen AC/DC-Tribute-Bands sei gecastet: "Das sind alles echte Fans." Eine richtige Band sind auch Purpendicular, eine international besetzte Gruppe, die die Songs der Hardrock-Band Deep Purple im vergangenen Jahr in 50 Konzerten in 14 Ländern gespielt hat. Die Musiker kommen aus Irland, Deutschland, Italien und Österreich - und manchmal auch aus England, wenn Deep-Purple-Mitglieder wie Bassist Roger Glover oder Drummer Ian Paice mit ihnen auf die Bühne gehen.

Für den 66-jährigen Paice ist das auch eine Chance, in Form zu bleiben. "Mein letztes Konzert mit Deep Purple ist jetzt vier Wochen her, das nächste steht erst in zwei Wochen an", erklärt er backstage im Riffelhof in Burgrieden bei Laupheim, wo Purpendicular eines von zwei Deutschland-Konzerten mit Paice gegeben hat. "Sechs Wochen ohne Schlagzeug, da würde meine Technik leiden. Man kann zwar zuhause üben, aber live mit einer Band zu spielen, ist eine ganz andere Disziplin, die man auch trainieren muss", erklärt Paice. "Wenn ich aber mit einer Band auftreten würde, deren Songs ich gar nicht kenne, müsste ich sie mir draufschaffen. Da ist es doch besser, ich spiele mit einer Band, deren Songs ich kenne", schmunzelt der Musiker und fügt hinzu: "Und diese Jungs spielen diese Songs verdammt gut."

Sie spielen auch anderes Material als die derzeitige Deep-Purple-Besetzung um Sänger Ian Gillan. Etwa " Child in Time" oder Kompositionen aus der Zeit, als David Coverdale der Deep-Purple-Frontmann war. Die Band tut das auch, um sich von den Vorbildern abzusetzen. "Unser Problem ist ganz einfach: Deep Purple ist noch live unterwegs - also auch eine Konkurrenz für uns, so blöd sich das anhören mag", sagt Gitarrist Frank Pané: "Da haben es Led-Zeppelin- oder Queen-Tribute-Bands leichter, die Originale stehen nicht mehr zur Verfügung." Purpendicular ist auch keine Band, die ihre Vorbilder Ton für Ton kopiert. "Es geht mehr drum, im Geiste von Deep Purple Musik zu machen", sagt Pané. Und so mischen die Fünf auch live immer wieder eigenes Material ins Programm.

Material, das im Dezember auf dem ersten Purpendicular-Album erscheinen wird. Und da haben ein paar Gäste mitgewirkt: Roger Glover, Ian Paice, Steve Morse und Don Airey - mit Ausnahme von Frontmann Ian Gillan ist das die komplette aktuelle Besetzung von Deep Purple. Was ist das Original, was ist die Kopie?

Tribute Bands Der Teufel liegt im Detail: Wenn Tribute-Bands wie Barock auf die Bühne gehen, dann zählt vor allem Authentizität. Das beginnt beim Bühnen-Outfit und endet bei der Technik und den Instrumenten. AC/DC-Gitarrist Angus Young spielt ausnahmslos Gibson-Gitarren der SG-Serie ? aus verschiedenen Baujahren. Gemeinsam haben aber alle diese Gitarren: Sie sind über 40 Jahre alt. Und bei E-Gitarren der großen Marken Gibson und Fender gilt, je älter desto teurer. Auch bei den Verstärkern bleibt Angus Young seit Jahrzehnten den Produkte einer Firma treu: Er nutzt vorzugsweise alte Verstärker der Firma Marshall ? und auch die sind rar und von Gitarristen sehr gesucht.

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Erstellt:
24. Oktober 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Oktober 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2014, 12:00 Uhr

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