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Nachruf

Trauer um eine große deutsche Diva

Sie begann als Starlet an der Seite von Freddy Quinn, war lange Jahre TV-Kommissarin und glänzte in preisgekrönten Dramen. Hannelore Elsner stand fast sechs Jahrzehnte auf der Theaterbühne und vor der Kamera – bis zuletzt. Jetzt ist die Schauspiel-L

24.04.2019

Von IRA SCHAIBLE

Hannelore Elsner als gealterte Autorin Hanna Flanders in dem Film "Die Unberührbare". Foto: dpa

Sie beherrschte Komödie, Charakterfach und Fernsehkrimi: Hannelore Elsner gehörte viele Jahrzehnte zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen in Deutschland. Im Alter von 76 Jahren ist die temperamentvolle Theater-, TV-, und Filmschauspielerin am Ostersonntag nach kurzer, schwerer Krankheit in München gestorben. Sie galt als eine der großen Diven des deutschen Nachkriegsfilms.

Schon als Jugendliche stand die 1,60 Meter große Elsner vor der Kamera. Mehr als 200 Fernseh- und Kino-Rollen nahm die ausdrucksstarke Schauspielerin mit dem strahlenden Lachen und der markanten Stimme seither an. Einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte war Ende Februar in München bei der Premiere des zweiten „Kirschblüten“-Films von Doris Dörrie.

Oft als kapriziöse Diva beschrieben, war ihr Geburtsdatum lange unklar: An ihrem 52. Geburtstag wurde sie „öffentlich als Fünfzigjährige gefeiert, mit großem Tamtam und Interviews“, schreibt sie in ihrer Autobiografie „Im Überschwang“. Darin beschwert sie sich auch: „Ich muss über mein Alter reden, seit ich 25 bin.“ Das Leben der gebürtigen Bayerin ist bewegt: Schon als Kind muss sie den Tod ihres geliebten älteren Bruders verkraften. Bald darauf stirbt der Vater. Sie wechselt häufig die Schule und übernimmt als 14-Jährige in München kleinere Jobs, weil das Geld knapp ist. „Ich war nirgendwo richtig daheim“, schreibt sie über ihre Jugend, schildert aber auch ihre unbändige Lebenslust.

Mit 16 Jahren sei sie in München bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter entdeckt worden – von dem türkischen Regisseur Halit Refig. Nach Proben in Istanbul durfte sie auf die Schauspielschule und übernahm bald kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn. Sie schwärmte jedoch für den französischen Film.

Ihre Agentin habe ihr damals geraten, die Nase schmaler machen und die Zähne begradigen zu lassen sowie sich einen Künstlernamen zuzulegen, erinnert sich Elsner. Sie hörte nicht darauf, strich nur das „t“ aus ihrem Geburtsnamen Elstner. Mit etwa 19 Jahren stand sie erstmals auf einer Theater-Bühne. Ihre erste von zahlreichen Auszeichnungen bekam Elsner mit 29 Jahren: die Goldene Kamera für die Rolle der Sasha in Tschechows Stück „Iwanow“. Ruhm als preisgekrönte Charakterdarstellerin erntete sie erst um die Jahrtausendwende.

Ihr Kinodebüt folgte 1961 in dem Film „Das Mädchen mit den schmalen Hüften“. Starregisseur Jürgen Roland vertraute ihr ein Jahr später in der Krimiserie „Stahlnetz“ ihre erste Hauptrolle an. Als Durchbruch zu internationaler Anerkennung gilt ihre Hauptrolle in Alf Brustellins Film „Berlinger“ (1975). Drei Jahre später drehte sie mit ihm „Der Sturz“ nach einem Roman von Martin Walser.

Brustellin war seit 1973 ihr Partner. Von ihrem ersten Ehemann, dem 18 Jahre älteren Schauspieler Gerd Vespermann, war sie längst geschieden. Sie lernte Brustellin bei den Dreharbeiten für den Kinofilm mit Elke Sommer und Mario Adorf „Die Reise nach Wien“ (Regie: Edgar Reitz) kennen. Die Dreharbeiten halfen ihr über den plötzlichen Tod der Mutter hinweg, das Verhältnis schilderte sie als schwierig. Der Filmemacher starb 1981 bei einem Verkehrsunfall. Da war Elsners einziges Kind, ihr Sohn Dominik, gerade ein halbes Jahr alt. Sie hatte Monate mit dem Neugeborenen im Krankenhaus verbracht, weil der Junge zu früh auf die Welt gekommen war. Vater ist der Regisseur Dieter Wedel. Später war Elsner „drei wunderschöne Jahre“ mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe Carstensen und zog mit ihm von München nach Frankfurt am Main, die Ehe ging 2000 auseinander.

Im Fernsehen war Elsner in der ARD-Serie „Die Kommissarin“ (1994-2006) besonders erfolgreich. Als Lea Sommer war sie eine der bekanntesten deutschen TV-Ermittlerinen. In Pumps, Kostüm und schwarzer Lederjacke ermittelte sie in fast 70 Folgen. Til Schweiger war anfangs ihr Assistent.

Auf die Bühne kehrte sie 1996 mit dem Solostück „Eine tot-normale Frau“ zurück. Ohne dieses sei sie nicht bereit gewesen für „Die Unberührbare“, sagte sie. In dem Film spielt sie eine vom Leben gezeichnete Schriftstellerin, angelehnt an die Vita der Mutter des Regisseurs. Für ihre Darstellung wurde Elsner zurecht ausgezeichnet, wie auch für ihren Leinwandmonolog einer Schauspielerin nach einem Drehbuch von Bodo Kirchhoff – Titel: „Mein letzter Film“. Ira Schaible

Große Erfolge feierte Hannelore Elsner als gealterte Autorin Hanna Flanders in „Die Unberührbare“ (links oben), als TV-Kommissarin Lea Sommer (links unten) und mit Elmar Wepper in „Kirschblüten Hanami“ (großes Foto). Fotos: dpa/ARD/Andrea Enderlein/action press.

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Erstellt:
24. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. April 2019, 06:00 Uhr

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