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Konkurrenz für Edit und Bellatriste

Trashpool: Die erste Tübinger Literaturzeitschrift

Schubladendichter? Nein danke. Die junge Szene der Schreibenden schafft sich immer häufiger ihre Foren, wie an der rapiden Zunahme öffentlicher Lesebühnen auch in Tübingen abzulesen ist. Nun gibt es die erste richtige Literaturzeitschrift: Trashpool.

13.02.2011

Von Peter ertle

Tübingen. Tübingen ist gefühlt – Statistiken gibt es da keine – eine der Städte mit der größten Dichterdichte. Man muss sich das so vorstellen wie bei einem Eisberg. Man sieht nur die Spitze. Zwar ragte er in den letzten Jahren immer höher heraus, suchten viele unter den Schreiberlingen, Wortexperimentierern, Schriftstellern, Textperformancern verstärkt die Öffentlichkeit.

Allerdings taten sie das in Form von Lesebühnen oder Poetry Slams, die wie Pilze aus dem Boden schossen. „Bunter Abend“, „get shorties“, „Kopfgeburt“, „Poetry Slam im Laden“ kamen zu der ebenfalls jungen, wenn auch mit ganz anderem literarischem Anspruch auftretenden Lesereihe Buch &Bühne hinzu.

Der Trend ist ungebrochen. Jüngst bat Markus Baumgart in seinem kleinen Antiquariat in Loretto zu einer Lesung aus Schubladentexten. Und manchmal machen Tübinger auch auf größerem Parkett auf sich aufmerksam, wie jüngst der Open-Mike-Gewinner Jan Snela. Gelesene Literatur, als Ausweis von Lebensgefühl und Zeitgenossenschaft, gleichermaßen als Spaß am Umgang mit Sprache, als Spiel, Wettkampf, Experiment: All das boomt. Hauptsache es geht anders zu als bei tradierten, bürgerlichen Schriftstellerlesungen mit mehr oder weniger andächtigem Publikum, Fragen nach der Lesung und Signierwünschen.

Vielleicht ist das Phänomen auch die reale Reaktion auf ein virtuelles Phänomen, auf die Vielzahl von Bloggern, die es mittlerweile gibt. Schriftsteller Rainald Goetz war vor vielen Jahren der erste, „Abfall für alle“ nannte er sein Produkt – was für alle abfällt, aber auch: Schrott. Und apropos Blogger: Eine Lesereihe haben wir noch nicht erwähnt: Die vom früheren TAGBLATT-Mitarbeiter Wolfgang Brenner und Uli Eder initiierte Bloglese, die am 27. Februar – diesmal im Sprech_Zimmer des Zimmertheaters – schon zum vierten Mal über die Bühne geht.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Es gibt jetzt eine Tübinger Literaturzeitschrift, die sich als Organ für diese junge, der heutigen Lebenswirklichkeit verhafteten, sie in experimentellen, verspielten, trashigen Texten spiegelnde Art der Literatur versteht. „Trashpool“ heißt sie, finanziert sich allein über Anzeigen (und freundschaftlich auf Honorar verzichtende Layouter), weiß aber als organisatorisches, räumliches, Standard-bürgendes und jederzeit hilfreich unterstützendes Kompetenzzentrum das Tübinger Studio Literatur und Theater hinter sich.

Nein, wehren die SLT-Studenten und Herausgeber Tibor Schneider, und Christiane Schweitzer (Anselm Richter ist der Dritte im Bunde) ab, „Trashpool“ sei nicht die Literaturzeitschrift des Studios, aber gleich im selben Atemzug nennen sie dann die Zeitschrift „Edit“ des berühmten Literaturinstituts Leipzig und die bekannte „Bellatriste“ aus Hildesheim – das seien die beiden anderen Zentren für kreatives Schreiben in Deutschland und da sei es doch an der Zeit, dass aus dem Studio Literatur und Theater auch eine Zeitschrift erwachse.

Recht haben sie. Und für die erste Nummer gleich eine runde Mischung aus Lyrik, Prosa und Essay, aus den verschiedenen Ecken der Literatur in Tübingen und anderswo, aus unbekannten und bekannten Namen, SLT-Studenten und anderen Autoren hinbekommen.

Tom Müller, mittlerweile in Berlin lebender Bunter-Abend-Organisator und Ex-TAGBLATT-Mitarbeiter ist genauso dabei wie Darius Fronczek aus der Literaturwerkstatt im Boulanger, Joachim Zelter (der sich essayistisch-satirisch Gedanken über die veränderte Rolle des Autors macht), der national renommierte Ex-Tübinger und heutige Berliner Lyriker Nico Bleutge (steuert zwar keine bislang unveröffentlichten Gedichte bei, gab aber sein Placet für bereits Publiziertes), Marcus Hammerschmitt, unter anderem Mitglied der Künstlergruppe Holzmarkt, Simone Kornappel aus Hamburg/Berlin, ihres Zeichens Mitherausgeberin der randnummer-Literaturhefte, Tim Holland, Ex-Buchhändlerlehrling bei Gastl in Tübingen und jetziger Student am Literaturinstitut Leipzig. . .

Damit sind noch nicht mal die Hälfte aller Mitschreiber aufgezählt. Bei der Vorstellung der neuen Zeitschrift am 24. Februar im Club Voltaire wird wiederum Tübingens Slammaster Nummer 1, Harry Kienzler, durch den Abend moderieren, man sieht: Hübsch vernetzte Szenen.

Und was steht nun drin? Und sollte man die Zeitschrift nicht auch kritisch würdigen, rezensieren? Aber ja. Vielleicht nach der Vorstellung im Club. Oder bei der zweiten Nummer, mal sehen. Jetzt geht?s erst mal um die Nachricht: Es gibt eine Literaturzeitschrift – was sehr zu begrüßen ist. Sie soll zweimal jährlich erscheinen. Sie ist ab Montag bei den Tübinger Buchhandlungen Osiander, Gastl, Vividus und Quichotte zu finden. Ihre Adresse im Netz lautet www.trashpool.de. Und sie wird am 24. Februar um 20 Uhr im Club Voltaire vorgestellt.

Tibor Schneider und Christiane Schweitzer, zwei der drei Herausgeber der Literaturzeitschrift Trashpool.Bild: Sommer

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Erstellt:
13. Februar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Februar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2011, 12:00 Uhr

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