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Neue Runde im Lohfink-Prozess – Vor Gericht kochen die Emotionen hoch

Tränen und Sprüche

Wer sagt die Wahrheit, wer lügt? Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink geht es um den Vorwurf der Vergewaltigung. Gestern flossen Tränen.

09.08.2016
  • JUTTA SCHÜTZ, DPA

Die Suche nach der Wahrheit verläuft zäh. Wurde das Model Gina-Lisa Lohfink von zwei Männern vergewaltigt? Bekam sie K.o.-Tropfen? Waren es einvernehmliche Sexstunden zu dritt?

Als der lange verschwundene Ex-Clubmanager Sebastian Castillo Pinto gestern als Zeuge den Saal 129B im Amtsgericht Berlin-Tiergarten betritt, ist der Platz von Lohfink leer. Sie wollte mit Erlaubnis des Gerichts nicht dabei sein, wenn er über jene Nacht im Juni 2012 berichtet. „Ich hab‘ Angst“, haucht sie beim Hinausgehen. „Ich will ihn gar nicht sehen“ Ihr Verteidiger Christian Simonis hält ihre Hand.

Auch Tränen fließen. Als die Richterin Antje Ebner zur Beweisaufnahme ein Sexvideo anschauen lässt – den Laptopmonitor vom Publikum abgewandt –, bleibt Lohfink zunächst auf ihrem Platz. Als ihr Anwalt sie dazuholt, beginnt sie zu weinen. „Es ist wirklich schlimm, was hier mit mir gemacht wird.“ Ebner rügte den Anwalt: „Sehen Sie nicht, dass Ihre Mandantin emotional überfordert ist? Warum müssen Sie Ihre Mandantin so vorführen?“

Die 29-Jährige wirft Pinto und einem Fußballer Vergewaltigung vor. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen nach ihrer Anzeige jedoch eingestellt. Die frühere „Germany's next Topmodel“-Kandidatin muss sich wegen der Behauptungen jetzt vor Gericht verantworten. Einen Strafbefehl hat sie nicht akzeptiert. Beide Männer haben Strafanzeige wegen Verleumdung und Beleidigung gestellt.

„Ich habe niemanden in die Wohnung geschleppt“, schmettert Pinto mit lauter Stimme in den Saal. „Ich habe niemanden gefesselt. Was soll mir das bringen, mit einer wehrlosen Frau Sex zu haben!“ Lohfink sei ganz begeistert von ihm gewesen, sie habe sich zum Schluss mit einem Kuss verabschiedet. Vorher habe er sie nicht gekannt.

Um Sprüche ist Pinto nicht verlegen. „Ich habe mit 500 Frauen geschlafen, und sie bringen die drei hier an, die sich beschwert haben“, ruft er der Verteidigung entgegen. Es habe in den letzten zehn Jahren acht Ermittlungsverfahren gegen ihn gegeben, „oder auch zehn“.

Die Verteidigung hat zuvor eine neue Zeugin (35) präsentiert, der 2004 Ähnliches wie Lohfink passiert sei. Sie habe von Pinto in einem Club einen Drink bekommen. Danach sei die Erinnerung wie ausgelöscht gewesen. Sie sei mit Schmerzen in ihrer Wohnung aufgewacht, Pinto sei da gewesen. Sie sei nicht zur Polizei gegangen. „Ich hab‘ mich einfach geschämt.“

Der 33-jährige Pinto unterbricht die Richterin und sagt zu einem Verteidiger: „Alles kommt raus, mein Freund.“ Ebner ermahnt ihn: „Mäßigen Sie sich!“ Die Verteidigung will einen Drogentest. Pinto lehnt ab.

Der 33-Jährige ist überzeugt, Lohfink habe nur in die Medien kommen wollen. Ihm habe der Fall geschadet. Er habe seine Arbeit verloren. Der Fußballer habe mit Lohfink an seiner Wohnungstür geklingelt und sie hätten dann „zu dritt Spaß“ gehabt und auch gefilmt. Drogen oder K.o.-Tropfen seien in der Nacht im Juni 2012 nicht im Spiel gewesen.

Pinto war bis vor kurzem für die Justiz nicht auffindbar. Er sei auch psychisch nicht in der Lage gewesen, sich früher zu melden, gibt er zu Protokoll.

Ein Strafbefehl wegen Verbreitung des Sex-Videos hat bislang nicht zugestellt werden können. Er werde ihn nicht akzeptieren, sagt Pinto. Der Fußballer hat den Strafbefehl wegen Verbreitung des Films dagegen akzeptiert – weil er nicht noch mehr Aufsehen wollte.

Eine Polizistin (36) berichtet von der Vernehmung Lohfinks. Die habe auch unkonkrete Antworten gegeben, habe mit Allgemeinplätzen wie „Die Wahrheit kommt ans Licht“ geantwortet. Auch die Videos hat sie ausgewertet. „Es war kein sanfter, zärtlicher Sex, aber von Gewalt würde ich nicht sprechen.“ – Frauenrechtlerinnen im Saal protestieren.

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09.08.2016, 06:00 Uhr
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