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"Ich greife meinen Rekord an"

Top-Speerwerferin Christina Obergföll über Gold-Träume und Kinderwunsch

In Paris startet sie am Samstag in der Diamond League, in Ulm am Sonntag bei der Deutschen Meisterschaft: Die Offenburger Speerwerferin Christina Obergföll, 31, hat viel vor - und Großes. Sportlich wie privat.

04.07.2013

Von WOLFGANG SCHEERER

Frau Obergföll, bisher haben Sie ein ganz starkes Jahr - unter anderem mit drei Diamond-League-Siegen und dem Erfolg bei der Team-EM. Was brauchts zur perfekten Saison?

CHRISTINA OBERGFÖLL: Ach, da gäbe es so einiges (lacht). Auf jeden Fall den Titel bei den Deutschen Meisterschaften am Sonntag in Ulm. Dann eine gute Weite bei der WM in Moskau, was auch immer damit herauskommen mag. Und: eine neue persönliche Bestleistung.

Ihre bisherige Bestweite, der einstige Europarekord von 70,20 Metern am 23. Juni 2007 in München, ist etwas in die Jahre gekommen. Die 70 Meter sind für Sie nun wieder Thema?

OBERGFÖLL: Ja, absolut. Ich weiß aber nicht, ob es jetzt schon passiert - oder erst in zwei Monaten. Dafür muss alles passen. Athletisch und mental bin ich jedenfalls in der Lage zu sagen: Ich greife meinen Rekord jetzt endlich wieder an.

Bei der DM 2006 und 2009 in Ulm hat Ihnen Steffi Nerius den Titel weggeschnappt. Nun können Sie nach 2011 und 2012 den Sieg-Hattrick schaffen. . .

OBERGFÖLL: In der Tat habe ich mit Ulm noch eine kleine Rechnung offen. Das Publikum dort ist immer genial, doch ausgerechnet ich als heimische Athletin habe da noch nie richtig überzeugen können. Ich versuche diesmal, eine sehr gute Weite abzuliefern. Rom macht mich optimistisch. Da habe ich auch immer schlecht geworfen, diese Serie jetzt aber mit dem Erfolg in der Diamond League durchbrochen.

Ihr große Lieblingsgegnerin, Doppel-Olympiasiegerin Barbora Spotakova aus Tschechien, macht Babypause. Kratzt das an der Wertigkeit Ihrer guten Saison?

OBERGFÖLL: Nein, gar nicht. Bei der WM in Moskau hat Titelverteidigerin Maria Abakumowa aus Russland Heimspiel. Und andere Damen können auch weit werfen.

Was hört man vom tschechischen Speerwurf-Nachwuchs?

OBERGFÖLL: Barbora Spotakova und ich hatten zuletzt immer wieder einmal Kontakt während ihrer Schwangerschaft. Sie hat mir kürzlich ein Bild geschickt von ihrem Söhnchen. Und wenn ich irgendwo gewinne, gratuliert sie mir. Es ist ein bisschen anders als sonst. Bisher, wenn sie im Wettkampfgeschehen war, hat sie sich damit eher zurückgehalten. Es fing nach Olympia an, dass wir ein bisschen geflachst haben: Kinder? Was planst Du? Das sind Themen, die anstehen, deshalb hat man sich da ausgetauscht.

Um mit Barbora Spotakova zu fragen: Wie steht es mit der Familienplanung bei Ihnen und Boris Henry?

OBERGFÖLL: Es gibt sie auf jeden Fall. Aber wir haben gesagt: Jetzt kommt erst mal die WM, und dann entscheiden wir, wie wir für die kommenden Jahre planen. Wir wollen auf jeden Fall Kinder und werden das jetzt alles auf uns zukommen lassen. Fest steht: Wir werden im September heiraten!

Gratulation! Boris und Sie sind ja inzwischen privat und sportlich sehr eng zusammen. Wie muss man sich das im Training vorstellen?

OBERGFÖLL: Da ist er Trainer, nicht Gspusi und Freund. Sport ist angesagt, ich muss mein Programm absolvieren. Wir sind dabei absolut konzentriert und professionell. Erst danach ist wieder Privatleben. Den Sport auszublenden, das bekommen wir eigentlich sehr gut auf die Reihe. Ich bin jetzt schon einige Jahre im Geschäft und in solchen Dingen viel entspannter geworden.

Im Training hat außerdem Ihr langjähriger Coach Werner Daniels noch das Sagen. Wie klappt das?

OBERGFÖLL: Er ist zuständig für die Trainingsplanung sowie mein Sprint-, Sprung- und Krafttraining. Boris kümmert sich um meine Wurftechnik. Ich wollte da einen neuen Reiz setzen. Ich habe so viele Jahre mit Werner gearbeitet. Natürlich entwickelt man da auch einen gewissen Trott, eine Routine. Da geht vielleicht doch mal was ins eine Ohr rein und zum andern wieder raus, weil man es schon so oft gehört hat. Und da habe ich gesagt: Ich will noch mal was Neues ausprobieren. Durch Boris Umzug von Saarbrücken nach Offenburg war das jetzt möglich.

Wie schätzen Sie selbst Ihre aktuelle Form ein?

OBERGFÖLL: Ich hatte schon einige ähnliche Jahre, in denen ich so stark in die Saison eingestiegen bin und große Weiten hatte. Was jetzt im Moment dazu kommt: Es gibt aktuell keinerlei Verletzungprobleme, ich habe über Monate ohne Einschränkungen trainieren können. Das zahlt sich jetzt schon aus - und soll sich in den kommenden Wochen noch mehr auszahlen.

Am Wochenende haben Sie auch reisetechnisch Großes vor. Am Samstag der Start beim Diamond-League-Sportfest in Paris, am Sonntag Ulm.

OBERGFÖLL: Ich bin in Paris um 20.38 Uhr dran, in Ulm am Sonntag um 17.15 Uhr. Sonntagfrüh gegen 10 Uhr lande ich in Memmingen. Das reicht dann, um in Ulm entspannt zu Mittag zu essen und mich eine Stunde aufs Ohr zu legen. Danach gehts bei der DM zur Sache. Alles ist perfekt organisiert, sonst wäre mir das zu stressig gewesen.

Saisonhöhepunkt sind die Weltmeisterschaften in Moskau vom 10. bis 18. August. 2005 und 2007 waren Sie WM-Zweite, 2009 in Berlin Fünfte, 2011 in Daegu Vierte. Jetzt oder nie - die Chance zum fehlenden Gold?

OBERGFÖLL: Diese Frage hat sich auch in den vergangenen Jahren für mich so gestellt. Bisher hats leider nicht geklappt. Und was Moskau angeht, bin ich vorsichtig, auch wenn Maria Abakumowa nach ihren 69,34 Metern im März etwas abgetaucht ist. Moskau wird jedenfalls nicht die letzte Gelegenheit sein. Bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio will ich auf jeden Fall werfen.

Olympia-Zweite 2012 im Speerwurf: Christina Obergföll von der LG Offenburg will in der WM-Saison endlich wieder die 70 Meter übertreffen. Fotos: dpa/afp

Seit 2008 liiert: Christina Obergföll, Boris Henry.

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Erstellt:
4. Juli 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juli 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2013, 12:00 Uhr

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