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Katastrophe

Tödliche Fluten auf Mallorca

Der Sommer ist gerade erst vorbei, da wird die spanische Urlaubsinsel von plötzlichem Starkregen heimgesucht. Mindestens zehn Menschen sterben, Autos werden weggespült, Häuser geflutet. Geschockte Augenzeugen erzählen.

11.10.2018
  • DPA

Palma. Ein verheerendes Unwetter mit sintflutartigem Regen hat auf Mallorca mindestens zehn Menschen getötet. Wassermassen verwandelten mancherorts Straßen in reißende Flüsse. Unter den Todesopfern seien zwei britische Urlauber, teilte ein Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil mit. Sechs Menschen wurden gestern noch vermisst.

„Was ich hier heute gesehen habe, das ist schlimmer als Krieg. Es ist eine Katastrophe“, zitierte das „Mallorca Magazin“ den Deutschen Thomas Wenzel, der seit mehr als 20 Jahren in Sant Llorenç des Cardassar wohnt, das im vom Unwetter besonders betroffenen Osten Mallorcas liegt.

In der 8000-Einwohner-Gemeinde rund 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Palma, wo es mehrere Tote gab, spielten sich dramatische Szenen ab. Dort trat ein Sturzbach über die Ufer. Die Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse. Zahlreiche Autos wurden mitgerissen und Häuser unter Wasser gesetzt. Bewohner versuchten verzweifelt, das Wasser mit Eimern aus ihren Häusern zu schippen.

Betroffene erzählten von dramatischen Augenblicken: „Ich bin ums Überleben geschwommen“, sagte im spanischen Fernsehen ein junger Mann. Der Rentner Manuel Torescussa wurde von den Wassermassen in der Nähe von Sant Llorenç in seinem Auto erwischt. „Ich konnte gerade noch aus einem Fenster ins Freie klettern und musste dann 500 Meter schwimmen, fast meine gesamte Kleidung blieb dabei an einem Metallzaun hängen“, erzählte er der Zeitung „Diario de Mallorca“. Javier Martínez klagte, sein Haus sei voller Wasser, Schlamm und Müll. „Ich habe alles verloren. Ich habe nur noch den Pyjama, den ich trage.“

Sieben Landstraßen waren gestern Nachmittag noch unbefahrbar, einige Ortschaften waren ohne Strom- und Wasserversorgung und von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Überall waren entwurzelte Bäume, heruntergerissene Stromleitungen und Verkehrsschilder, zerstörte Häuser und Felder, Wasser und Schlamm, umgekippte und aufeinander getürmte Fahrzeuge zu sehen. Ein TV-Reporter vor Ort sprach von „gespenstischen Skulpturen“.

Die zwei Briten starben in S‘Illot in dem Ort Son Servera an der Ostküste, als sie im Taxi von den Fluten überrascht wurden. Der Taxifahrer wurde noch vermisst. In Sant Llorenç starb der frühere Bürgermeister von Artá, Rafel Gili (71), der als junger Mann zehn Jahre in Deutschland gewohnt hatte und dort Tennislehrer gewesen war.

Eine Frau und ein 83-Jähriger wurden in ihren Häusern in Sant Llorenç vom Wasser überrascht. Ihre Leichen wurden in der Nacht geborgen. Weitere Tote seien in S‘Illot, Artà und Sant Llorenç entdeckt worden, teilte der Notdienst der Balearen mit. Deutsche waren offenbar nicht unter den Toten und Vermissten.

Menschen auf Bäumen

Ein Feuerwehrmann, der in der Nacht Einsätze in Sant Llorenç des Cardassar und Artà fuhr, sagte, dass die Menschen auf Bäumen und Dächern saßen. „Der Zugang mit dem Feuerwehrwagen war schwierig, so dass wir meist mehrere Versuche unternehmen mussten, um an die Menschen heranzukommen.“

Rund 200 Menschen verbrachten die Nacht in Sportanlagen der Stadt Manacor, unter anderem in einer Anlage des aus Mallorca stammenden Tennis-Weltstars Rafael Nadal. „Trauriger Tag“, twitterte er.

Die Rettungsteams waren gestern mit rund 400 Hilfskräften im Einsatz. Oberste Priorität hatte zunächst die Suche nach Vermissten. Neben Dutzenden Fahrzeugen waren auch vier Hubschrauber, ein Flugzeug und ein Schiff eingesetzt. Die Rettungskräfte befürchten, dass auch das eine oder andere Fahrzeug mit Insassen ins Meer gespült worden sein könnte.

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11.10.2018, 06:00 Uhr
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