Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Todesstrafe für den „Grim Sleeper“
Franklin Jr. vor der Urteilsverkündung. Auch eine Deutsche belastete ihn. Foto:dpa
US-Serienmörder hat zehn Menschen umgebracht – Früher als Soldat in Deutschland

Todesstrafe für den „Grim Sleeper“

Mindestens zehn Morde hat ein 63-Jähriger in Los Angeles begangen. Zuvor hatte er sich in Deutschland strafbar gemacht. Jetzt erhielt er die Todesstrafe.

12.08.2016
  • BARBARA MUNKER, DPA

Los Angeles. Das jüngste Mordopfer war erst 15 Jahre alt. Ein Passant entdeckte die nackte Leiche 2002 bei Los Angeles (Kalifornien) am Straßenrand. Das Mädchen war geschlagen und erwürgt worden. Das älteste Opfer, eine 35-jährige Frau, wurde 1986 erschossen gefunden. Der Mörder hatte ihr ein Kleidungsstück als Knebel in den Mund gestopft. Wegen zehn Morden war der als „Grim Sleeper“ bekannte Serienmörder im Mai verurteilt worden. Jetzt verhängte das Gericht in Los Angeles gegen den 63-jährigen Lonnie David Franklin Jr. die Todesstrafe.

Richterin Kathleen Kennedy folgte mit ihrem Urteil der Empfehlung von Geschworenen, die sich Anfang Juni für die Hinrichtung ausgesprochen hatten. Er habe „monströse Morde“ begangen, sagte Kennedy bei der Verkündung des Strafmaßes. Zuvor hatte sie die Namen der zehn Opfer verlesen und jedes Mal die Todesstrafe ausgesprochen.

Einige Angehörige der Opfer brachen im Gerichtssaal in Tränen aus, andere murmelten Gebete. Mehr als ein Dutzend Verwandte ergriffen das Wort und sprachen über ihren schmerzlichen Verlust. Sie wolle bei seiner Hinrichtung zusehen, wandte sich die Schwester eines Opfers an den Täter. Warum er gemordet habe, fragten andere, ohne eine Antwort zu bekommen. „Du hast sie brutal umgebracht“, klagte eine Mutter, deren 23-jährige Tochter 1987 tot gefunden worden war. Der Verurteilte hörte regungslos zu. Er hat die Taten stets bestritten.

Die Mordserie dauerte von 1985 bis 2007. Viele Opfer waren schwarze Prostituierte. Die meisten fand man erschossen am Straßenrand oder neben Mülltonnen. Die Polizei glaubt, dass der frühere Müllmann und Wärter möglicherweise 25 Morde auf dem Gewissen hat.

Nach dem Schuldspruch im Mai hatte die Anklage weitere Fälle vorgebracht. In dieser Prozessphase mussten die Geschworenen über das Strafmaß – lebenslänglich oder Hinrichtung – beraten. Auch eine Frau aus Deutschland sagte aus. Sie gab an, von dem Mann und zwei weiteren US-Soldaten 1974 in Stuttgart auf der Straße entführt und vergewaltigt worden zu sein. Sie sei damals 17 gewesen. Die Männer hätten sie bei der nächtlichen Attacke mit einem Messer bedroht.

Die Polizei hatte den Serienmörder ein Vierteljahrhundert gejagt. Erst 2010, mit Hilfe von DNA-Spuren, konnte Franklin gefasst werden. Ein Stück angebissene Pizza, das er in einem Restaurant übrig gelassen hatte, half bei der Überführung. Man verglich die Speichelprobe mit DNA-Spuren an den Leichen. Im Haus des Täters, der von Nachbarn als ruhig und unauffällig beschrieben wurde, fand die Polizei hunderte Fotos von Frauen. Einige zeigten seine Opfer, andere konnten bis heute nicht identifiziert werden.

Wegen einer jahrelangen Pause in der Mordserie erhielt der Mann den Spitznamen „Grim Sleeper“, in Anlehnung an den englischen Begriff „Grim Reaper“ für den Sensenmann als Sinnbild des Todes.

Nach Anordnung der Richterin wird Franklin nun ins Gefängnis San Quentin bei San Francisco verlegt. Dort sitzen knapp 750 Männer und Frauen im Todestrakt. Seit 2006 gibt es aber einen Hinrichtungsstopp, nachdem ein Bundesrichter befand, dass Todesspritzen möglicherweise verfassungswidrig seien.

Die letzte Exekution in Kalifornien war 2006, nachdem der damalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Begnadigung des 76-jährigen Clarence Ray Allen abgelehnt hatte. Der schwer kranke, im Rollstuhl sitzende Mann war der zweitälteste Häftling in den USA, der seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 hingerichtet wurde.

Derzeit ist völlig offen, wann und ob in Kalifornien wieder Hinrichtungen vollstreckt werden. Möglicherweise wird Franklin also noch viele Jahre in der Todeszelle verbringen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular