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Neue Details zum Fahndungserfolg

Todesschütze von Villingendorf: Zugriff im strömenden Regen

Dank Hinweisen aus der Bevölkerung schnappt die Polizei den flüchtigen Mann, der in Villingendorf drei Menschen ermordet haben soll.

21.09.2017
  • MADELEINE WEGNER

Villingendorf. Die Polizei hat nach tagelanger Suche den 40-jährigen Mann gefasst, der am Freitag in Villingendorf (Kreis Rottweil) drei Menschen, darunter auch seinen sechsjährigen Sohn, erschossen haben soll. Am Dienstagnachmittag nahmen zwei Polizeibeamte den erschöpft wirkenden Mann in Rottweil-Neufra fest. Der Verdächtige habe sich nicht gewehrt. „Ich bin der, den ihr sucht“, soll er ungefragt gesagt haben. Seitdem schweigt er.

Um 16.13 Uhr ging am Dienstag der Anruf bei der Polizei ein. Zwei Zeugen meldeten unabhängig voneinander, sie hätten den Verdächtigen in Rottweil-Neufra gesehen. Neufra mit seinen rund 1150 Einwohnern liegt zwölf Kilometer südöstlich vom Tatort. Die Einsatzleitung schickte den nächstgelegenen Streifenwagen dorthin. Als die beiden Streifenpolizisten um 16.27 Uhr dort eintrafen, stand der Gesuchte unter einem Baum, es regnete stark. „Schulbuchmäßig“, so Ermittlungsleiter Rolf Straub, hätten die beiden Polizisten mit vorgehaltener Waffe eine Bedrohungssituation aufgebaut und den als gefährlich eingestuften Mann letztlich „recht unspektakulär“ gefasst.

Waffe in der Plastiktüte dabei

Laut Straub hätten die beiden 33- und 39-jährigen Beamten richtig entschieden, nicht auf Verstärkung zu warten, sondern den Mann sofort festzunehmen. Dieser habe laut Aussage der beiden Polizisten „ziemlich platt“ und erschöpft gewirkt.

Drei Plastiktüten habe er bei sich gehabt, in einer davon hatte er das Langgewehr transportiert. Es handelt sich bei der Waffe um einen jugoslawischen Nachbau eines deutschen Gewehrs. Dieser Mehrladekarabiner, Modell K98k, ist ursprünglich 111 Zentimeter lang. Das Exemplar, das der Verdächtige bei sich hatte, war 53 Zentimeter lang: Lauf und Schaft des Gewehrs waren abgesägt. Die am Tatort gefundenen Patronen seien „mit dieser Waffe verschießbar“, sagte Straub.

Zur Person des dringend Verdächtigen wollten bei der gestrigen Pressekonferenz weder Polizei noch Staatsanwaltschaft etwas sagen. Ob es sich bei dem Kroaten tatsächlich um einen Ex-Soldaten handele, wie manche Medien berichtet hatten, wisse man nicht. Klar ist jedoch, dass der Mann wegen Körperverletzung vorbestraft ist. Außerdem gab es einen Beschluss des Amtsgerichts Tuttlingen, dass er sich seiner Ex-Frau nicht nähern dürfe. Seit Mai gab es eine Vereinbarung, wonach für ihn ein Annährungsverbot unter Androhung von Sanktionen galt. Die Polizei wusste also von dieser möglichen Bedrohung, war sogar vor Ort in der Wohnung, um die Frau aufzuklären, was bei verdächtigen Beobachtungen zu tun sei. Dazu dürfte sie am Donnerstagabend kaum eine Chance gehabt haben: Der Täter hatte sich durch die Terrassentür genähert und plötzlich das Feuer eröffnet. Dabei erschoss er den sechsjährigen Jungen, der an diesem Tag gerade eingeschult worden war, den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau sowie dessen 24-jährige Cousine.

Die Staatsanwaltschaft geht unter dem Merkmal der Heimtücke von Mord aus: Der Täter habe den Überraschungsmoment und die Ahnungslosigkeit der Opfer ausgenutzt. Ob er die Mutter des gemeinsamen Kindes bewusst verschont habe, sei noch offen.

Planlose Flucht

Die 39-Jährige konnte an jenem blutigen Abend aus der Wohnung fliehen und Schutz bei einer Nachbarin finden. Außerdem hatte ein dreijähriges Mädchen überlebt. Während die Schüsse fielen, hatte sie sich in der Wohnung versteckt. Ein weiterer Mann, der bei der privaten Einschulungsfeier zu Gast war, hatte ebenfalls Glück: Er war gerade unterwegs, um Getränke zu holen. Die Angehörigen werden nach wie vor von Seelsorgern betreut. Sie mussten zusätzlich die Toten identifizieren.

Die Polizei geht davon aus, dass der Mann die blutige Tat geplant hatte, die Flucht danach jedoch planlos verlief. Seiner äußeren Erscheinung nach zu urteilen, sei es möglich, dass er die fünf Flucht-Tage im Freien verbracht hat. Die Sonderkommission will noch in dieser Woche herausfinden, welchen Fluchtweg der mutmaßliche Täter in dieser Zeit genommen hat. Mehrere hundert Beamte hatten tagelang nach dem Mann gesucht. Dabei war auch die Polizei in Bayern und im Ausland eingebunden.

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21.09.2017, 06:00 Uhr
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