Umwelt

Tigermücke: „Wehret den Anfängen“

Am Rhein macht Mückenjägerin Gabriele Stadler Gärten vor der Ausbreitung der Tigermücke sicher. Noch ist der Exot im Norden des Landes selten, er gilt aber als Krankheitsüberträger.

02.06.2020

Von dpa

Gabriele Stadler sucht im Garten eines Wohnhauses in Weinheim nach Mückenlarven. Foto: Uwe Anspach

Weinheim/Ludwigshafen. Eine offene Regentonne, mehrere vollgelaufene Topfuntersetzer und ein Sammelsurium von Gießkannen – keine Frage, auf dem Grundstück der Familie Theobald in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) würden sich Asiatische Tigermücken wohlfühlen und ihre Eier ablegen. Im Gegensatz zur Rheinschnake, die im Wesentlichen in Überschwemmungsgebieten vorkommt, bevorzugt die Tigermücke künstliche Wasserbehältnisse als Brutstätte. Vor einem Jahr will die Tochter des Hausbesitzers Hermann Theobald dort ein Exemplar des aus Südostasien stammenden Insekts gesehen haben.

Das hat Mückenjägerin Gabriele Stadler von der Icybac, einer Tochter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), auf den Plan gerufen. Für ihre Bestandsaufnahme muss sie über die Aussagen der Hausbewohner hinaus ein Foto oder die nach ihrer schwarz-weißen Musterung benannte Tigermücke selbst in die Hand bekommen. Bei den Theobalds findet sie wie im vergangenen Jahr keine Spur von dem Blutsauger. Sie verlässt den idyllischen Garten aber erst, nachdem sie ihn „tigermückenfest“ gemacht hat.

Noch keine Plage

Das von ihr und ihrem Team betreute Gebiet in der Weinheimer Weststadt hat sich von 20 Hektar (2019) in diesem Jahr mehr als verdreifacht. „Von Plage wie in Südbaden kann man aber hier noch nicht sprechen, die einzelnen Funde sind noch weit gestreut“, erläutert Stadler. Ihr Motto: „Wehret den Anfängen.“ In erster Linie geht es im Kampf gegen die Mücken um das Vermeiden unnötiger Wasseransammlungen. „Hier ist die Mithilfe der Bevölkerung notwendig“, sagt Norbert Becker von der Gesellschaft zur Förderung der Stechmückenbekämpfung in Speyer, einer weiteren Tochterfirma der Kabs.

Die auch tagsüber stechlustige Tigermücke ist nicht nur ein Plagegeist. Sie ist auch ein potenzieller Überträger von Krankheitserregern, etwa des Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Virus. Die Infektion mit dem Zika-Virus wird für eine von geistigen Einschränkungen begleitete Schädel-Deformation von Föten und Neugeborenen verantwortlich gemacht. Vor allem aus Brasilien sind Fälle bekannt.

Neue Erreger vermeiden

Eine Ansteckung über die Tigermücke hierzulande hängt aber von vielen Bedingungen ab, erläutert Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Erst müsste ein Reisender den Erreger mitbringen und von einem Blutsauger gestochen werden. In diesem müsste sich dann der Erreger bei hohen Temperaturen vermehren, so dass er beim Stich eines anderen Menschen übertragen wird. „Das ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich“, meint Glasmacher. In Südfrankreich habe es schon einzelne Fälle von Dengue-Fieber gegeben. Auch mit Blick auf die Klimaerwärmung sei die Bekämpfung wichtig. „Man muss vermeiden, dass sich ein neuer Überträger in Deutschland etablieren kann.“

Deswegen nimmt Grabriele Stadler die möglicherweise betroffenen Grundstücke gründlich in Augenschein. Sie checkt etwa, ob im Schaft des Sonnenschirms Wasser steht, sein wasserbefüllter Fuß Risse hat oder ob sich in hohlen Zaunpfosten Feuchtigkeit angesammelt hat. In diesen Fällen kommt der biologische Wirkstoff „Bacillus thuringiensis israelensis“ (Bti) in einer Sprayflasche mit Wasser gelöst zum Einsatz. „Dieses Eiweißkristall ist unbedenklich für Hund, Katze, Maus und Menschen, für die Mückenlarven aber tödlich“, sagt die Geografin mit Schwerpunkt Biologie. Behandeltes Wasser kann weiter verwendet werden. Auch Insektenfallen hat sie dabei, dunkle, mit Wasser befüllte Plastiktöpfe zum Anbringen in Gebüschen und Bäumen. Ein Holzstab lädt die Weibchen zur Ablage der Eier ein. Das erleichtert Stadler, diese zu entfernen.

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Erstellt:
2. Juni 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Juni 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Juni 2020, 06:00 Uhr

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