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Polizei ermittelt wegen Kiesels

Tierschützer und Boris Palmer streiten weiter

Die Auseinandersetzung von Tierschützern und Oberbürgermeister Boris Palmer am Rande der Demonstration gegen Affenversuche am Tübinger Max-Planck-Institut (MPI) hat ein polizeiliches Nachspiel. Die wechselseitigen Schuldzuweisungen gehen unterdessen weiter.

23.09.2014

Von Gernot Stegert

Tübingen. Palmer war nach eigener Aussage vor der Kundgebung am Samstag an der Neckarbrücke von einem Kieselstein am Kopf getroffen worden, hatte aber auf eine Anzeige verzichtet. Die Polizei hat nun selbst Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen, weil es sich bei einem Angriff auf eine öffentliche Person um ein sogenanntes Offizialdelikt handle. Das bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen. Umgekehrt hätten drei Tierschützer den OB wegen übler Nachrede angezeigt.

Daniel Schneider von der „SOKO Tierschutz“, Organisator der Demonstration, weist alle Schuld von sich. „Wir haben uns entschieden, ihn explizit wieder auszuladen, weil wir nicht für seine Sicherheit garantieren konnten.“ Dennoch sei der OB zur Demo gekommen und habe sich „absichtlich provokativ in die Menge gestellt“. Damit habe er die Tierschützer nur in Misskredit bringen wollen. Auf seiner Facebook-Seite macht sich Schneider in Text und Bild über den Kieselsteinwurf lustig.

Matthias Rude von der Antispeziesistischen Aktion Tübingen sieht den Vorfall ähnlich wie Schneider: „Trotz der ausdrücklichen Bitte der Veranstalter, dass Palmer nicht kommen möge, stolzierte er auf die Neckarinsel und provozierte ungemein.“ Weiter teilt der Tierschützer dem TAGBLATT mit: „Die Stimmung wurde immer aufgeheizter, aber die Demonstranten ließen sich nicht groß provozieren. Ein Einzelner aus der Menge nahm einen klitzekleinen Kieselstein und schubste ihn in die Richtung Palmers. Es handelte sich also um einen wirklich klitzekleinen Kiesel.“ Von „Steinwurf“ könne keine Rede sein. Palmer übertreibe, „um die Demo zu diffamieren“. Palmer hatte von einem schmerzhaften Treffer gesprochen.

Beide Seiten beschuldigen einander der verbalen Eskalation. Palmer kritisiert Tierschützer, die die Tierversuche am MPI mit Menschenversuchen der Nationalsozialisten verglichen. Er selbst warf Rude per Mail vor, den Sinn für die Wirklichkeit verloren zu haben: „So ähnlich hat es mit der RAF (Rote Armee Fraktion, die Red.) angefangen. Sie sollten sich Hilfe holen.“ Das empört wiederum Rude.

Unterdessen stellte Grünen-Stadträtin Cornelia Szelenyi klar, dass sie in der Sache gegen Tierversuche ist. Den persönlichen Angriff gegen Palmer, die Diffamierungen und Drohungen im Umfeld der Diskussion lehne sie aber strikt ab. Hätte sie von dem Kieselsteinwurf vor der Demo erfahren, wäre sie nicht mitgegangen: „So etwas darf nicht passieren.“ Dialog sei nötig. „Gerade in einer Stadt wie Tübingen wäre es wünschenswert, dass sie eine Spitzenposition einnimmt, indem hier neue Wege gefunden würden, die Alternativen zu Tierversuchen aufzeigen.“

Update: In einer früheren Version des Artikels wurde berichtet, Boris Palmer sei von den Organsiatoren der Demo als Redner eingeladen gewsesen. Daniel Schneider, Organisator der Tübinger Demonstration gegen Tierversuche, legt Wert auf die Feststellung, dass Oberbürgermeister Boris Palmer am Samstag zu keiner Zeit eingeladen war. Der Grünen-Politiker habe angefragt, die Demo-Verantwortlichen von der "Soko Tierschutz" hätten abgelehnt.

Schneider räumte ein, dass seine Äußerung gegenüber dem TAGBLATT missverständlich gewesen sei. Der Organisator hatte gesagt, Palmer sei "explizit wieder ausgeladen" worden. Auch in einer Pressemitteilung der Stadt von Freitag hatte es geheißen: "Palmer kündigte an, die Einladung anzunehmen, an der für Samstag geplanten Demonstration der Tierversuchsgegner zu sprechen."

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Erstellt:
23. September 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. September 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. September 2014, 12:00 Uhr

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