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Tierfreunde legen sich mit VfB an
Vogelschützer kritisieren, mit welchen Methoden Tauben in der Mercedes-Benz-Arena bekämpft werden. Foto: Ferdinando Iannone
Tauben

Tierfreunde legen sich mit VfB an

Im Stadion wird eine Paste zur Vertreibung der Vögel verwendet, die Naturschützer und Lokalpolitiker für gefährlich halten. Der Fußballklub sieht keine Probleme und will das Mittel weiter einsetzen.

03.04.2018
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Thomas Poradas Herz schlägt seit einem halben Jahrhundert rot-weiß. Der 58-jährige Bibliothekar ist VfB-Fan, nun aber will er seine Devotionalien abgeben. Mit dem Klub seines Herzens liegt er im Clinch. Aus Tierschutzgründen. Er wirft dem Verein Quälerei vor. „Der VfB hat im Stadion ein Problem mit Stadttauben und hat sich von einer Taubenabwehrfirma eine Methode aufschwätzen lassen, die deutschlandweit in Verruf geraten ist, weil sie nicht funktioniert und für unglaubliches Leid bei Tauben sorgt, aber auch bei vielen anderen Vogelarten, bis hin zu Greifvögeln“, erklärt er.

Streitpunkt ist die Paste Nopaloma. Sie soll, auf den Untergrund aufgebracht und mit Quarzsand bestreut oder einer Folie bedeckt, Vögel davon abhalten sich niederzulassen. Laut Thomas Porada hat das Gel aber eine Nebenwirkung: „Dieses wirkt wie Klebstoff und bewirkt in erster Linie, dass das Gefieder der Tiere verklebt, die nach dem Kontakt immer wieder flug- und bewegungsunfähig dahinvegetierend ein grauenvolles Ende erwartet.“ Mit seiner Einschätzung steht er nicht allein da. Der BUND-Regionalverband Stuttgart hat sich gegen die Verwendung ausgesprochen – zum Schutz aller Vögel, denn „neben dem Wanderfalken drohen weitere besonders und zum Teil streng geschützte Vogelarten durch die Klebepaste Nopaloma direkt Schaden zu nehmen“, heißt es in einer Mitteilung. Der Nabu sieht gleich mehrere Verstöße gegen geltende Naturschutz-, Artenschutz und Tierschutzgesetze. Selbst Schädlingsbekämpfer, etwa George Hüttig von der Firma „Der Puschmann“, lehnen den Einsatz ab. „Egal, wie Sie sie verwenden, sie haben grundsätzlich eine verklebende Eigenschaft. Je kleiner das Tier, desto mehr babbt das“, sagt er.

Die Gemeinderatsfraktionen von Grünen und SÖS-Linke-Plus haben im November 2017 daher ein Verwendungsverbot solcher Mittel beantragt, die auch schon rund ums Milaneo oder in S-Bahn-Stationen eingesetzt wurden. Aus dem Rathaus heißt es, das Thema sei in Bearbeitung. Leipzig oder Nürnberg haben die Pasten inzwischen verboten. Und auch im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hat man auf das Thema ein Auge geworfen, verweist allerdings weiter zum Bund. „Als Ergebnis der Beratungen im Landesbeirat für Tierschutz hat Minister Peter Hauk das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angeschrieben und darum gebeten, zu prüfen, ob ein Verbot des Inverkehrbringens von tierschutzwidrigen Produkten möglich ist“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Ministerium.

Beim VfB versucht man, die „emotional geführte Debatte“ zu beruhigen. „Im Bereich der Mercedes-Benz-Arena wurden seit dem Beginn der Verwendung keine Tauben mit verklebtem Gefieder oder tote Tauben gefunden. Die entsprechenden Bereiche werden regelmäßig kontrolliert und gewartet“, versichert Sprecher Tobias Herwerth. Nopaloma werde seit 2015 „in absolut überschaubarem Maß“ zum Schutz der Besucher oder in Bereichen, wo Speisen serviert werden, verwendet, außerdem kämen Stacheln, Netze und eine Beschallungsanlage zum Einsatz. Derzeit sei nicht geplant, den Einsatz der – zugelassenen und sachgemäß verwendeten – Paste abzubrechen.

Britta Leins vom Stadttauben-Verein will dennoch weiter auf den Klub einwirken und sich vor Ort davon überzeugen, wie es den Vögeln geht. Auch Thomas Porada bleibt kritisch. Er hat dem VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich schriftlich angeboten, mit anderen Freiwilligen unentgeltlich bei der Beseitigung der Paste und der Anbringung von Alternativen zu helfen. Eine Antwort habe er nicht erhalten. Ruhen lassen will er das Thema trotzdem nicht. „Ich werde mich damit nicht zufrieden geben“, kündigt er an, „das ist nicht in Ordnung, was dort passiert.“

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03.04.2018, 06:00 Uhr
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