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Forschung

Tier-Überwachung aus dem Weltall

Radolfzeller Wissenschaftler verfolgen über Mini-Sender Wanderungen weltweit. Empfangen werden die Signale auf der internationalen Raumstation ISS.

16.02.2018

Von AW/DPA

Signale ins All und wieder zurück: Ein Monarchfalter mit winzigem Sender. Nur wer ganz genau hinsieht, erkennt die Antenne am Hinterleib. Foto: Max-Planck-Institut für Ornithologie

Radolfzell. Gestern dockte ein russischer Transporter an der internationalen Raumstation ISS an. An Bord: 200 Kilo schwere Antennen fürs Forschungsprojekt „Icarus“. „Das ist ein Meilenstein und ein für mich einmaliges Erlebnis“, sagt Martin Wileski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee. „Icarus“ soll 400 Kilometer über der Erde die Wanderbewegungen von Tieren erforschen. Dabei geht es zunächst um Kleintiere wie Fledermäuse, Vögel oder Schmetterlinge.

An den Tieren sollen weniger als fünf Gramm leichte Sender Informationen über das Verhalten zur ISS funken. „Das soll helfen, mehr über Tiere und Klima sowie über die Ausbreitung von Krankheiten und nachhaltigere Landwirtschaft zu erfahren“, sagt Projektleiter Johannes Weppler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bonn. „Tiere reagieren im Gegensatz zum Menschen oft viel früher und sensibler auf Umweltveränderungen.“

Der Computer für „Icarus“ war im Oktober 2017 zur ISS gebracht worden. Nun folgte der Block mit Empfangs- und Sendeantennen. Er soll am 8. August an der ISS montiert werden – von zwei Kosmonauten, aber nicht von Alexander Gerst, der dann auch auf der Station arbeiten soll. Die Antenne empfängt Signale aus einem 30 mal 800 Kilometer großen Gebiet. Da sich die ISS-Flugbahn bei jeder Erdumrundung um 2500 Kilometer nach Westen verschiebt, haben die Antennen an einem Tag Empfang von bis zu 80 Prozent der Erdoberfläche. Von Juni an möchten die Wissenschaftler an 35 Orten in Deutschland zuerst einmal Amseln mit Minisendern ausstatten. „So wollen wir herausfinden, wo sie leben, wohin sie fliegen, wo sie sterben, und wie wir unsere Vögel beschützen können“, sagt Wikelski. Auch an Schmetterlingen oder Fledermäusen werden die Sender getestet.

Das Beobachten von Wildtieren mit den Sendern, das Bio-Logging, hat gewaltige Fortschritte gemacht. Dank modernster Sensoren wird ein genaues Bild von der Lebenswelt der Tiere möglich. Nach Angaben der Radolfzeller Forscher können heute selbst kleine Arten wie Fledermäuse oder Singvögel ohne Beeinträchtigung mit den Mini-Sendern leben. Dabei werden fleißig Daten über Verhalten und körperlichen Zustand gesammelt, aber auch zu Umweltfaktoren.

Im vergangenen Jahr haben Wissenschaftler die Internationale Bio-Logging-Gesellschaft gegründet und die „Bio-Logging-Dekade“ ausgerufen. Die Forscher wollen Erkenntnisse für die Grundlagenforschung gewinnen und das Wissen über die Erde vergrößern: angefangen von den Auswirkungen des Klimawandels, Nahrungsmittelsicherheit, Ausbreitung von Krankheiten bis zum Schutz der Biodiversität und der Vorhersage von Erdbeben und Tsunamis. dpa/aw

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Erstellt:
16. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 06:00 Uhr

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