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XY Beat

Tiefsinniges und Konfuses von René Pollesch

René Pollesch hat mal wieder die Textverarbeitungsmaschine angeworfen: An den Münchner Kammerspielen wurde sein Stück "XY Beat" uraufgeführt.

29.11.2010

Von BARBARA REITTER

München Eine Orgie in Lila, mit silbernen Sternen an der Wand und einer Diskokugel im Einsatz - das ist der Werkraum der Kammerspiele nach der Umgestaltung durch Johan Simons Mitstreiter Bert Neumann. Das Ambiente verwirrt - aber das passt punktgenau zur Uraufführung "XY Beat" von René Pollesch. Der verweigert ja, wie man weiß, jede feste Textgestalt und erarbeitet mit den Schauspielern seine Projekte während der Probenzeit. Allerdings gibt er ein Thema vor, das dann mit Assoziationen und spontanen Spieleinfällen gefüllt wird.

Dieses Mal waren es zwei Kapitel aus "Sexbeat", dem bekannten Werk des Pop-Theoretikers Diedrich Diederichsen, der sich darin mit dem Themenkomplex Meinung, Klatsch und Tratsch beschäftigt. Doch was so harmlos klingt, ist schwere philosophische Kost. Ein Glück, dass die vier Schauspieler auch allerhand Nonsens in die kryptischen Sentenzen, die sophistischen Betrachtungen und verschwurbelten Stories bringen.

Dieses Quartett - Silja Bächli, Katja Bürkle, Fabian Hinrichs und der umwerfende Neuzugang aus Belgien, Benny Claessens - agieren als merkwürdige Hausgemeinschaft in einem fiktiven Treppenhaus. Aus den Wohnungen scheint rotes Pufflicht, alle stecken in flatternden Morgenmänteln, sehen aber sonst aus, als ob sie, grell geschminkt, mit Turmfrisuren und High-Heels gleich abziehen ins Nachtleben. Dabei diskutieren sie ziemlich abgefahren in einer köstlichen Mischung aus U und E, High und Low, über abstrakte Theoreme.

Dazu gibt es Beat-Einblendungen und Songs, das Publikum wird mal mit Kaffee oder Bier, eine Dame auch mit Liebeserklärungen versorgt. Was verbal abgesondert wird, ist manchmal total konfus oder absurd oder vielleicht auch tiefsinnig, denn es geht darum, dass "das Gedächtnis keine Festplatte" ist und "Tratsch im Nahkampf mit der Meinung" stehe. Ausgesprochen witzig sind immer wieder die Angriffe auf unsere Theatergötter: "Botho Strauß erzeugt Denken ohne Dialektik", "Peter Stein erzeugt ein obrigkeitshöriges Publikum" und so fort.

Viel intellektueller Nährwert im Detail, der sich aber nicht zum theatralen Ganzen fügt, sondern amüsantes Stückwerk bleibt - das war der Eindruck nach anderthalb Stunden. Und der Wunsch, vielleicht einmal den Originaltext zu lesen.

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Erstellt:
29. November 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. November 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. November 2010, 12:00 Uhr

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