Neuer Professor für Politikwissenschaft

Thomas Diez beerbt Rittberger

Prof. Thomas Diez übernimmt den renommierten Lehrstuhl von Prof. Volker Rittberger. Allerdings könnte sich die Forschungsperspektive unter dem 39-Jährigen verschieben: zu einer Ausrichtung auf das Europa der Europäischen Union.

26.09.2009

„Ich mache keine Innenpolitik“, betont Diez. Doch anders als bei seinem Vorgänger liege sein Schwerpunkt eher auf „Europa nach innen und außen“ sowie darauf, welche Rolle „Europa in der Welt“ spielt. Den besonderen Rittberger-Fokus auf die Vereinten Nationen werden Lehrstuhl-Mitarbeiter weiterhin betreuen, so Diez.

Einen gemeinsamen europäischen Außenminister hält der Politologe einerseits für „eine gute Sache: Europa würde ein klares Gesicht zeigen.“ Andererseits warnt Diez vor falschen Erwartungen an einen EU-Repräsentanten: „Er würde nicht automatisch die von den Einzelstaaten jeweils gewünschte Position vertreten.“ Anders ausgedrückt: Ein EU-Außenminister könne eine fehlende innere Abstimmung der 27 Bündnis-Staaten nicht kompensieren.

Der aus Hockenheim stammende Politikwissenschaftler kommt von der Universität Birmingham. Dort arbeitete er seit dem Jahr 2000 „auf einer festen Stelle“. Er schätzte die berechenbarere wissenschaftliche Laufbahn – „anders als in Deutschland, wo man sich von Projekt zu Projekt hangelt“. 2005 übernahm er in Birmingham eine Professur für Internationale Beziehungen.

Dort befasste er sich vor allem mit Einflussmöglichkeiten oder Hilfen der EU in verschiedenen Konfliktregionen: Nordirland, Zypern, Nahost. Das EU-Engagement im Konflikt zwischen Israel und Palästina begründet er so: „Weil beide Partner Assoziierungsabkommen mit der EU haben.“ Ende der 90er Jahre verbrachte Diez drei Jahre am angesehenen Kopenhagener Friedensforschungs-Institut.

Er studierte in Mannheim Politikwissenschaft, Geschichte und Öffentliches Recht. In seiner Magisterarbeit untersuchte Diez „unterschiedliche Konzepte europäischen Regierens“. Er stellte heraus, wie in der Nachkriegszeit entwickelte „Formen des Föderalismus“ sich bis ins „Europa der Regionen“ auswirken.

Während seiner Promotionszeit wechselte der Politikwissenschaftler erstmals nach Großbritannien: an die University of Sussex in Brighton. Damals blickte er auf die britische Europa-Debatte. Diez verwahrt sich dagegen, die Briten als Anti-Europäer einzuordnen. „Sie haben ein anderes Verständnis vom Verhältnis von Wirtschaft und Staat“, sagt er. Im Prozess der europäischen Einigung habe sich Großbritannien „sehr stark für die Markt-Integration“ engagiert, sagt der Wissenschaftler und warnt sogleich vor vorschnellen Vereinfachungen: „Aber das ist nur eines der Modelle der britischen Debatte.“dhe / Bild: Metz

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Preis für Analyse

der Außenpolitik

Thomas Dietz erhielt am gestrigen Freitag in Göteborg den Anna Lindh-Preis für besondere Verdienste um die Analyse europäischer Außenpolitik. Der Preis ist mit 20 000 Euro dotiert. Er wird vergeben von drei großen europäischen Stiftungen im Rahmen eines Forschungsprogramms zur europäischen Sicherheit und Außenpolitik.

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Erstellt:
26. September 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. September 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. September 2009, 12:00 Uhr

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