Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Leitartikel · Brexit

Theresa Mays Eiertanz

Theresa May beherzigt nicht das englische Sprichwort „aus dem Ohr einer Sau kann man keine seidene Börse machen.“ Diese Woche will sie im Parlament die Zustimmung bekommen, dass Großbritannien am 29. März 2019 um 23:00 Uhr die EU verlässt.

14.11.2017
  • HENDRIK BEBBER

Mit glattseidenen Phrasen verspricht sie den Briten nach dem Austritt eine glorreiche Zukunft im globalen Freihandel und zugleich eine „tiefe und enge Partnerschaft“ mit der EU. Doch nach dem fatalen Volksentscheid ist die Verhandlungsstrategie Londons in Brüssel ebenso unter aller Sau wie die Autorität der Premierministerin und die Stimmung in Kabinett und Partei.

Vordergründig geht es bei der Parlamentsdebatte um die Übernahme aller Gesetze und Bestimmungen der EU in die britische Rechtsprechung. Die Regierung wollte eigentlich ohne Mitsprache des Parlaments unpassende Gesetze ändern oder abschaffen. Doch die Abgeordneten rebellierten. Zu den Aufrührern zählen auch eine ganze Reihe EU-freundlicher Konservative, was die schwache Minderheitsregierung bei einer Kampfabstimmung in schwere Nöte bringen kann.

Bei den Buchmachern erhöhen sich Woche für Woche die Wetten, dass May das nächste Jahr politisch nicht übersteht. Die Terror-Serie und die Brandkatastrophe in London kann man ihr wohl ebensowenig anlasten wie die plumpe Belästigung von Frauen durch einige Minister und Abgeordnete, was zum Abgang des Verteidigungsministers führte. Mehr traf May der Rücktritt ihrer Entwicklungsministerin, die ohne ihr Wissen geheime Gespräche mit israelischen Politikern geführt hatte. Das wurde als schlagender Beweis dafür gewertet, dass May ihre Ministerrunde nicht mehr im Griff hat.

Das Kabinett ist paritätisch mit Personen besetzt, die entweder erbitterte EU-Fresser sind oder mehr oder minder offen bedauern, dass die Entscheidung zum Austritt gefallen ist. May ist eine Gefangene der Hardliner, die ihr ungeniert auf der Nase herumtanzen. Deren Anführer ist der flippige Außenminister Boris Johnson. Er macht abwechselnd Schlagzeilen mit unglaublichen Patzern in seiner Amtsführung oder Querschüssen gegen einen weichen Brexit-Kurs. May muss dies schlucken, weil der Rausschmiss Johnsons sofort einen Aufstand des rabiaten Brexit-Flügels in ihrer Partei auslösen würde.

Mays Eiertanz zwischen hartem und weichen Brexit bringt die britische Wirtschaft und Finanzwelt in Verzweiflung, weil es zur Halbzeit der Verhandlungen immer noch keine klare Linie zum künftigen Verhältnis zwischen Briten und der EU gibt. Ebenso verstört sind Schottland, Nordirland und Wales, die fürchten, ohne wirkliches Mitspracherecht in dem Strudel mitgerissen zu werden.

Arroganz und puritanisches Pflichtbewusstsein prägen Mays Regierungszeit. Mit der Arroganz der Macht verspielte sie die Mehrheit der Konservativen im Parlament. Mit ihrem Puritanismus hält sie an dem Credo „Brexit bedeutet Brexit“ fest. Diese Haltung hat den Sauerstoff aus der britischen Politik gezogen, in der nun alle an den Ausdünstungen des Brexit würgen.

leitartikel@swp.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

14.11.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular