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Gerhard Lehmbruch: Eine Bankrotterklärung

Theodor-Eschenburg-Preis ist abgeschafft

Für sein Lebenswerk wird künftig niemand mehr von der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) ausgezeichnet. Sie entschied am Wochenende , den Theodor-Eschenburg-Preis nicht umzubenennen, sondern ganz abzuschaffen.

27.10.2013

Von jol

Darmstadt. Am Freitag und Samstag trafen sich in Darmstadt Vorstand und Beirat der 1700 Mitglieder zählenden größten deutschen Politologenvereinigung. Nach zweieinhalb Jahren Diskussion und zahlreichen Veröffentlichungen zum „Fall Eschenburg“ sollte Bilanz gezogen und eine Entscheidung über die Zukunft des Theodor-Eschenburg-Preises gezogen werden.

Im Vorfeld hatte die Vorsitzende der DVPW, die Tübinger Politikwissenschaftlerin Prof. Gabriele Abels, von einem ergebnisoffenen Treffen gesprochen. Als „Handlungsoptionen“ nannte sie: Beibehaltung des Preises, Aufschub, neutrale Bezeichnung als Lebenswerkpreis oder gänzliche Abschaffung.

Als Ergebnis teilte die Vorsitzende gestern Abend mit, dass die Debatte in dem 13 Personen umfassenden Vorstand und Beirat kontrovers geführt worden sei, man am Ende aber einstimmig beschlossen habe, den nach Eschenburg benannten Preis künftig nicht mehr zu vergeben.

Es sei Absicht der DVPW gewesen, sagte Gabriele Abels, alle drei Jahre das Lebenswerk verdienter Fachvertreter/innen zu ehren. „Zugleich sollte diese besondere Ehrung eine integrierende Funktion für die Mitglieder der Fachvereinigung haben.“

Nun habe sich eine kontroverse Debatte um Eschenburgs Rolle während der NS-Zeit und seinen späteren Umgang entwickelt und zu Polarisierungen geführt, es hätten sich neben belastenden auch entlastende Erkenntnisse aufgetan. „Des weiteren wurde deutlich, dass auch die Bewertungsmaßstäbe selber umstritten sind.“ Eine abschließende Beurteilung Eschenburgs sei mit dem Beschluss nicht verbunden.

Den Theodor-Eschenburg-Preis verlieh die DVPW seit 2003. Als sie den Preis gründete, war die Hamburger Politikwissenschaftlerin Prof. Christine Landfried Vorsitzende. Gegenüber dem TAGBLATT bezeichnete sie gestern Abend die Abschaffung als „feige“. Denn: „Man verdreht die Tatsachen, Mit der Abschaffung fällt man sehr wohl ein Urteil.“ Es seien aber keine Tatsachen genannt, die dieses folgenschwere Urteil rechtfertigten. Prof. Gerhard Lehmbruch, der erste Eschenburg-Preisträger, hätte wenigstens einen Aufschub erwartet. Enttäuscht wertet er den DVPW-Schnitt als eine „Bankrotterklärung“. Er rechnet mit Austritten.

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Erstellt:
27. Oktober 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Oktober 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2013, 12:00 Uhr

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