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The Salesman

The Salesman

In dem Drama von Asghar Farhadi („Nader und Simin“) gerät eine Ehe nach einem Überfall auf die Frau in eine schwere Krise.

The Salesman (Forushande)

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01.01.2017
  • Dieter Oßwald

BeginnenSie mit einem Erdbeben und steigern Sie dann langsam – die alte Hollywood-Weisheit von Filmmogul Samuel Goldwyn beherzigt auf seine Art auch Asghar Farhadi. Im für den Oscar nominierten Film des iranischen Regisseurs („Nader und Simin – Eine Trennung“) droht eingangs ein großes Wohnhaus einzustürzen. Panisch rennen die Bewohner nach draußen. Einer von ihnen behält im Chaos die Nerven und zeigt sein großes Herz: Er rettet erst einen behinderten Nachbarn, bevor er sich selbst in Sicherheit bringt.

Welch guter Mensch dieser Emad ist, zeigt sich noch mehrfach. Seiner Ehefrau Rana ist er ein fürsorglicher Gatte. Die Schüler mögen ihn als verständnisvollen Lehrer. In der Hobby-Theatergruppe, wo gerade Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ geprobt wird, ist er bei allen beliebt. Einer der Mitspieler vermittelt dem obdachlosen Paar spontan eine neue Wohnung. Alles scheint gut.

Merkwürdig nur, dass die Vormieterin ihre Habseligkeiten trotz mehrfacher Aufforderung nicht abholt. Zudem wissen die Nachbarn über die einstige Bewohnerin wenig Nettes zu berichten, von häufigen Herrenbesuchen wird gemunkelt. Emad und Rana kümmert das zunächst kaum, sie sind mit ihrer Theaterprobe beschäftigt. Dann kommt es unvermittelt zur Tragödie. In Erwartung ihres Ehemanns hat die Frau beim Klingeln auf den Türöffner gedrückt und geht zum Duschen ins Bad – nicht ahnend, dass ein Fremder in die Wohnung eindringt. Kurz darauf wird Rana nackt und verletzt von Nachbarn gefunden.

Statt die Polizei zu informieren, begibt sich Emad selbst auf die Suche nach dem Eindringling. Und überschreitet dabei, zur Beunruhigung seiner Gattin, zunehmend moralische Grenzen. Wie ihr einstiges Domizil bekommt nun auch die bislang harmonische Beziehung bedrohliche Risse.

Einmal mehr erweist sich Regisseur Farhadi als großartiger Geschichtenerzähler. Hier verknüpft er auf raffinierte Weise das reale Drama um Schuld und Vergebung mit den parallel stattfindenden Proben zum „Tod eines Handlungsreisenden“. Die Konstruktion der Figuren gelingt ihm mit höchster psychologischer Präzision und Ambivalenz. Da muss nur minimal an emotionalen Stellschrauben gedreht werden, schon ändert sich das Bild von Opfer, Täter oder dem selbstgerechten Rächer radikal.

Wie bei „Nader und Simin“ funktioniert diese Doppelbödigkeit erst durch hochkarätige Darsteller. Shahab Hosseini wurde schon für seine Leistung im Vorgängerfilm auf der Berlinale preisgekrönt, diesmal bekam er in Cannes die Palme. Dass seine an Intensität ebenbürtige Partnerin Taraneh Alidoosti nicht gleichfalls auf dem Siegertreppchen stand, gehört zu den Geheimnissen jener Jury, die als „Toni Erdmann“-Trottel in die Festival-Geschichte einging.

Mit diesem makellosen, ebenso ergreifenden wie nachdenklich stimmenden Mix aus Beziehungsdrama und Psycho-Thriller behauptet Asghar Farhadi mühelos seinen Platz im Club der großen Filmkünstler.

Erst kommt der Thriller, dann die Moral. Ein perfekt erzähltes Drama, das unter die Haut geht.

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01.01.2017, 11:11 Uhr
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Ein beeindruckender Film, der die Frage nach Schuld und Sühne stellt: inwiefern kann erlittenes Unrecht gegen anderes Unrecht aufgerechnet werden? Man fragt sich als Zuschauer fast ständig, was ist real und was ist (möglicherweise?) absurd: sowohl beim agieren von Martin als auch beim Verhalten des Arzt-Ehepaares im Kontakt miteinander und mit seinen Kindern. Interessant die distanzierte Kameraführung, erinnert mich irgendwie an Michael Haneke.
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