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Kathrin Löffler über Bier mit Eiweiß drin

Teufelszeug bleibt Teufelszeug

Es gibt da anscheinend ein Problem. „Seit Jahrzehnten trinken die härtesten Typen nach dem Fitness die softesten Getränke“, nennen Erik Dimter und Tristan Brümmer das Kind beim Namen.

11.04.2018

Von Kathrin Löffler

Mit den „soften Getränken“ meinen sie Eiweiß-Shakes, die die Bizepse und Trizepse der Konsumenten schwuppdiwupp auf das gewünschte Volumen anschwellen lassen. Und weil Dimter/Brümmer nach der ganzen Eisenwuchterei keine Memmengetränke mehr trinken wollten, haben sie das magische Eiweiß einfach in Bier gemischt. Jetzt vertreiben die beiden Hamburger das erste „Proteinbier“, das statt des Ranzens die Muskeln züchten helfen soll.

„JoyBräu“ haben Dimter/Brümer ihre Erfindung genannt. „Joy“ ist Englisch für „Freude“. Dieser keck zusammengereimte Markenname scheint zwar vielversprechend eingängig, aber auch ein wenig redundant. Denn wer würde schon daran zweifeln, dass eine Flasche Bier – noch dazu alkoholfrei! –, in der Leucin, Valin, Carnitin und jede Menge andere Bestandteile, die auf „-in“ enden, herumschwimmen, Freude bereitet?

Nun: Ich würde. Es kam schon vor, dass ich Sport einzig aus Vorfreude auf das Bier danach betrieben habe (Randnotiz: „das Bier danach“ ist kein Synonym für „sich abschießen bis zur Unkenntnis des eigenen Vornamens“). Niemals, wirklich niemals, schmeckt ein Heubacher Uralb Spezial so gut wie an einem Sommersonnentag nach zwei Stunden Klettern, hineingeleert auf nüchternen Magen, von wo aus es die Konsumentin binnen Sekunden mit verlässlich mimosenhaften Mitmenschen, dem selbstzerstörerischen Charakter des eigenen Automobils und der Welt überhaupt versöhnt. Sport und Bier, da gebe ich Dimter/Brümmer recht, passen gut zusammen. Aber nur als Gegensätze, die sich anziehen – und nicht als Bestandteile ein und desselben Fitness-Fetischs.

Bier und Sport, das sind Teufelchen und Engelchen, das ist die Portion Punkrock, die wir uns gönnen, nachdem wir 120 Minuten unseres Lebens damit verbracht haben, unseren Körper in einen langlebigeren Zustand zu trimmen. Bier und Sport, das ist das toxische Aufbegehren gegen die Propheten der heiligen Gesundheitsvorsorgelehre, das ist die wohlige Zügellosigkeit, die auf Abseitsregeln und durchchoreografierte Asanas folgt. Bier und Sport, das sind Sinnbilder für die Polarität des Lebens: Alle Vernunft fordert ein wenig Gelage, ätzender Mathe-Unterricht zwei Wochen Osterferien, jedes Rückentraining ein kleines bisschen Leberzirrhose.

Erik Dimter und Tristan Brümmer haben ihren Proteinbierbastard zusammengequirlt, weil sie es nach eigenen Angaben „geil“ fänden, „nach dem Training auch mal ohne schlechtes Gewissen Bier zu trinken“. Ich erkenne die Misere. Allein, ihr Lösungsweg ist an Schafseckeligkeit nicht zu überbieten. Bier lässt sich nie und niemals nicht auf den sündenreinen Lebensweg hinübermoralisieren. Weil es dann nämlich kein Bier mehr wäre. Wer das Genussmittel Bier zur asketischen Körperverschönerungsbrause umlaboriert, hat seine Identität nicht verstanden. Denn wer versucht, dem Teufelszeug Bier die Teufelshaftigkeit zu nehmen, nimmt ihm eben auch: den Spaß. Deswegen muss Bier auch weiterhin fett, hässlich und angeschickert machen. Insofern, Ihr Dimters und Brümmers dieser Welt: Geht ins Fitnessstudio. Treibt Sport. Habt die Eier auszuhalten, dass die eigene Disziplin gelegentlich jener eines nägelkauenden Dreijährigen entspricht. Trinkt richtiges Bier. Und wenn Euch das zu wenig Eiweiß hat: Esst gefälligst ein Steak dazu.

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Erstellt:
11. April 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 01:00 Uhr

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